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Expertenforum: Allergien vorbeugen    «zurück

Frage von ediart am 25.04.2012 11:22 Uhr

Ist es zu spät für die Allergieprävention?

Sehr geehrte Damen und Herren,
meine Tochter ist 6 Monate alt und wir führen nach erfolgreichem Stillen nun Beikost ein (Karottenbrei). Nachdem ich unseren Sohn nicht stillen konnte war ich stolz, dass wir sechs Monate geschafft haben. Laut Nabelschnurblut-Scan hat unser Tochter erhöhtes Risiko, eine Lactose-Intoleranz zu entwickeln und ein leicht erhöhtes Risiko, eine Zöllakie zu entwickeln. Nun habe ich Stimmen vernommen, dass man bei Allergie gefährdeten Kinder die Beikost schon früher einführen soll.Ist es nun zu spät für präventive Massnahmen?
Wie gehe ich nun bei der weiteren Einführung der Beikost vor?
Bald Glutenhaltige Floken zugeben und Brei mit Kuhmilch kochen oder habe ich den richtigen Zeitpunkt verpasst? Ich hoffe, es ist alles im grünen Bereich und freue mich auf Ihr Feedback.

Vielen Dank für Ihre Antwort und beste Grüsse

Elisabeth Feiler

Expertenantwort von S. Laemmel am 03.05.2012 09:17 Uhr

 


Sehr geehrte Fragestellerin,


vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie haben Ihre Tochter in den ersten Monaten voll gestillt und damit zur Vorbeugung allergischer Erkrankungen beigetragen. Das Zeitfenster zur Einführung der Beikost  wird vom vierten bis sechsten Lebensmonat diskutiert. Sie haben also nichts verpasst. Gehen Sie bei der Einführung der Beikost so vor, dass sie monatlich eine Stillmahlzeit (Flaschenmahlzeit) durch eine Brei-Mahlzeit ersetzen. Die bisherigen Empfehlungen allergene Lebensmittel, wie Kuhmilch, Weizen, Hühnerei, Fisch oder Nüsse zu meiden, sind nach heutiger Studienlage nicht mehr haltbar. Aktuelle Studien geben Hinweise darauf, dass eine frühere Einführung von potenziell allergenen Lebensmittels sogar eher Vorteile hat, als Nachteile.  Gerade in Bezug auf den Fischverzehr während der Schwangerschaft, Stillzeit und im Rahmen der Beikost konnte ein vorbeugender Effekt nachgewiesen werden, so darf der Mittagsbrei auch mal Fisch enthalten. Die Beikost eines allergiegefährdeten Säuglings kann genauso zusammengesetzt sein, wie die eines nicht allergiegefährdeten. Es macht keinen Sinn den Getreidebrei ohne Milch herzustellen. Verwenden Sie normale Kuhmilch.


Sie können sich beruhigt nach den allgemeinen Empfehlungen des Forschungsinstitutes für Kinderernährung richten. Zusammengefasst finden Sie die aktuellen Empfehlungen zur Allergieprävention unter den Ernährungsseiten von was-wir-essen.de.


Bitte bedenken Sie bei Ihren Überlegungen, dass die Zöliakieprävention nur für die Familien sinnvoll ist, in denen bereits eine Zöliakie besteht. Ist dies bei Ihnen der Fall, gibt es folgende Empfehlungen:


Nach neuesten Erkenntnissen empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) als Maßnahme zur Vorbeugung der Entwicklung einer Zöliakie bei Säuglingen mit einem erhöhten Risiko, glutenhaltige Beikost in kleinen Mengen einzuführen. Dies gilt für Familien in denen eine Zöliakie besteht. Die Einführung von Gluten sollte vorzugsweise im Zeitfenster vom 4-6 Monat stattfinden. Dazu geben Sie bereits in den Kartoffel-Gemüse-Fleisch-Brei 10g glutenhaltige Flocken, wie beispielsweise Dinkelflocken.


Bitte beachten Sie bei der Aussage des Gentestes, dass nur die wenigsten Träger (circa 2%) der Zöliakie-typischen Merkmale HLA-DQ2 oder DQ8 im Laufe ihres Lebens eine Zöliakie entwickeln. Dies gilt ebenso für das Ergebnis des Laktosetests. Beide Testergebnisse rechtfertigen keine Karenz.


Sie können sich gerne von einer Ernährungsfachkraft individuell beraten lassen. Adressen von allergologisch geschulten Ernährungsfachkräften erhalten Sie beim


Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie


beim


Deutschen Allergie- und Asthmabund


und beim


Verband der Ökotrophologen.


Weitere Informationen zur Ernährung Ihres Kindes finden Sie in der aid-Broschüre Allergierisiko? So können Eltern vorbeugen


Sonja Lämmel, Ernährungswissenschaftlerin

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