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Expertenforum: Rund ums Gewicht    «zurück

Frage von Rosie am 01.08.2012 14:18 Uhr

Untergewicht und kaum Hunger oder Appetit

Liebe Experten,

mein ganzes Leben lang war ich normalgewichtig, habe gern gekocht und gern und ausgewogen gegessen.

Vor zwei Jahren wurde dann mein Sohn u.a. mit einer Speiseröhrenfehlbildung geboren. Das Essenlernen war und ist für ihn sehr schwierig, daher sind unsere Mahlzeiten fast immer sehr, sehr stressig. Seither ist bei mir das Thema "Essen" negativ besetzt und ich habe seit seiner Geburt fast 20 kg abgenommen. Aktuell wiege ich ca.43 kg bei 1, 70m Größe. Ich weiß, dass dies viel zu wenig ist und ich gefalle mir selber nicht mehr, weil ich mich zu dünn finde. Außerdem habe ich Sorge, mit meinem geringen Gewicht langfristig meiner Gesundheit zu schaden.

Mein Problem ist aber, dass ich derzeit den ganzen Tag kaum noch Appetit oder Hunger verspüre. Nur aus Vernunft esse ich dennoch etwas, doch ist es recht wenig. Am ehesten mag ich dabei auch noch Obst und Gemüse. Momentan esse ich etwa:
Morgens ein Müsli aus 2 Stück Obst, 2 Eßl. Haferflocken und etwas Milch
Mittags einen Teller mit viel Kartoffeln und Gemüse
Abends ca. 1 Scheibe belegtes Brot mit Rohkost.

Ich zähle keine Kalorien, denke aber, das ist langfristig nicht ausreichend - Ihr Bedarfsrecher hat mir 1800 Kcal als notwendig angegeben. Dennoch ist wenigstens mein Gewicht in den letzten Tagen / Wochen konstant geblieben. Wie kann das sein? Ich habe leider auch das Gefühl, mein Hunger / Appetit wird jeden Tag weniger.

Was raten Sie mir, um wieder mit Genuss normale Mengen essen zu können?

Expertenantwort von Maike Groeneveld am 02.08.2012 12:41 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


es ist gut, dass Sie sich Rat bezüglich Ihres Essverhaltens einholen und es ist wichtig, dass Sie versuchen, auf gesundem Weg wieder Gewicht zuzunehmen, denn Ihr Gewicht ist im Verhältnis zu Ihrer Größe tatsächlich sehr gering. Ich hoffe, dass meine Informationen Ihnen beim Zunehmen helfen. Obwohl Ihr starkes Untergewicht vermutlich eher auf Ihre hohe psychische Belastung zurückzuführen ist, sollten Sie zunächst körperliche Ursachen (z. B. eine Schilddrüsenüberfunktion) von einem Arzt ausschließen lassen.


Wenn organische Erkrankungen ausgeschlossen sind, empfehle ich Ihnen eine energiereiche Ernährung. Damit Sie gesund zunehmen können, ist es wichtig, dass Sie sich wenigsten einmal am Tag Zeit nehmen, um ungestört essen können. Sie sollten möglichst häufig etwas essen, mindestens 5-6 mal am Tag, also neben den 3 Hauptmahlzeiten, die Sie ja schon einnehmen, auch noch 2 bis 3 Zwischenmahlzeiten. Bestreichen Sie Brote immer mit Butter oder Margarine und belegen Sie diese auch doppelt, z.B. mit Käse und Wurst. Wählen Sie bei Milchprodukten die fettreicheren Varianten, also Vollmilch, Sahnejogurt und Käse mit hohem Fettgehalt. Reichern Sie Süßspeisen, Soßen und Suppen mit Sahne bzw. hochwertigem Pflanzenöl an. Naschen Sie möglichst häufig zwischendurch, z.B. Nüsse, Studentenfutter oder Fruchtschnitten. Sorgen Sie dafür, dass Sie solche gesunden Snacks überall griffbereit haben, auch wenn Sie unterwegs sind. Ergänzen Sie belegte Brote oder Salate durch Avocados, Oliven und in Öl eingelegte getrocknete Tomaten. Auch über Getränke können Sie dem Körper rasch Energie zuführen. Trinken Sie 2-3 Gläser Milch oder Kakao sowie ein paar Gläser Fruchtsaft am Tag und gelegentlich ein Glas Malzbier. Bei manchen Menschen hat auch Ingwerwasser vor dem Essen getrunken eine Appetit anregende Wirkung. Übergießen Sie hierfür ein paar Scheiben einer Ingwerknolle mit abgekochtem heißem Wasser. Essen Sie auch abends vor dem Schlafengehen noch etwas, z.B. einen Sahnejogurt, eine Quarkspeise oder trinken Sie eine Tasse Kakao oder heiße Milch mit Honig.


Beim Gewichtsaufbau kann Ihnen außerdem eine anerkannte und produktunabhängige Ernährungsberatungsfachkraft helfen. In einem ausführlichen Beratungsgespräch kann diese speziell auf Ihre Situation eingehen und Ihnen gezielte Tipps zum Zunehmen geben. Unter Umständen kann die Ernährungsberatungsfachkraft auch mit Ihnen zusammen passende energiereiche Zusatznahrung aussuchen. Die meisten Krankenkassen bezuschussen eine solche Ernährungsberatung. Adressen von qualifizierten Ernährungsberatern finden Sie auf unserer Serviceseite


Ernährungsexperten in Ihrer Nähe.


Da Sie durch die Krankheit Ihres Sohnes psychisch stark belastet sind, ist auch zu überlegen, ob eine persönliche Beratung durch einen Psychotherapeuten sinnvoll ist. Adressen finden Sie auf der folgenden Internetseite:


www.psychotherapiesuche.de


Die Psyche spielt sicherlich eine wichtige Rolle beim Essen, gerade was den Appetit betriff. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, dass Sie sich nicht zu stark unter Druck setzen. Ihrer Schilderung zufolge setzt Ihnen eine deutliche Belastung durch Ihren stressigen Alltag zu. Versuchen Sie, mehr für sich selbst zu tun, indem Sie Ihr Kind an einzelnen Tagen auch einmal von anderen Personen (Vater, Großeltern, Geschwistern, Freunden) betreuen lassen. Schaffen Sie sich regelmäßig etwas Luft und tun Sie etwas zur Entspannung: regelmäßige sportliche Betätigung, Spaziergänge an der frischen Luft, autogenes Training oder Yoga.


Weitere Tipps finden Sie auf unseren Seiten


Infos für Untergewichtige


sowie in unseren Beiträgen


Wie kann ich gesund zunehmen?


Welche Sportart ist zum Zunehmen geeignet?


Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Zunehmen!


Mit freundlichen Grüßen


Dr. Maike Groeneveld, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin

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