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Expertenforum: Allergien vorbeugen    «zurück

Frage von samson75 am 08.05.2013 14:11 Uhr

Allergievorbeugung / vegetarische Säuglingsernährung

Guten Tag,
ich habe gleich zwei Fragen zum Thema Säuglingsernährung. 1) Ich bin starke Allergikerin und habe meinen vier Monate alten Sohn bisher voll gestillt. Unser Kinderarzt hat uns dazu geraten, ab sofort mit der Beikost zu beginnen, ich war allerdings immer davon ausgegangen, dass es zur Allergieprävention bei gefährdeten Kindern besser sei, solange wie möglich, mindestens bis zum Ende des 6. Monats, voll zu stillen. Wozu würden Sie mir raten?
Und 2) Ich verzichte bei meiner Ernährung auf Fleisch, esse nur gelegentlich Fisch. Mein Mann ist Vegetarier. Geht man bei der Säuglingsernährung ein Risiko ein, wenn man Fleisch komplett weglässt? In diesem Fall würde ich natürlich Fleisch füttern, ich will unbedingt auf Nummer sicher gehen, dass unser Kleiner alle wichtigen Nährstoffe bekommt.
Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!

Expertenantwort von S. Laemmel am 09.05.2013 14:05 Uhr

 


Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


vielen Dank für Ihren Beitrag.


Zu Ihrer ersten Frage: Die Beikost bei allergiegefährdeten Säuglingen im Zeitfenster ab dem vollendeten 4. Monat bis 6. Monat. Sie wird wie bei nicht allergiegefährdeten Kindern nach den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung aufgebaut. Nach den neusten Empfehlungen zur Allergieprävention hat die frühe Gabe von Milch, Weizen, Fisch etc. im ersten Lebensjahr eher eine positive Auswirkung auf die so genannte Toleranzentwicklung Ihres Kindes. Das Meiden bestimmter Lebensmittel im ersten Lebensjahr ist eher kontraproduktiv in Bezug auf die Vorbeugung von Allergien. 


Gerade in Bezug auf eine vegetarische Ernährungsform, die grundsätzlich möglich ist, ist die Gabe von Milch, Eiern und Fisch besonders wichtig. Die Ernährung sollte zusätzlich vielseitig sein und nährstoffreiche Lebensmittel beinhalten. Um einen Mangel an Eiweißen, wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen zu verhindern, sollte das Kind also regelmäßig Milchprodukte, Eier und Fisch essen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Mineralstoff Eisen.  Der regelmäßige Verzehr von Hafer und Hirse in Form von Breien später auch Müsli, Brot oder Getreidespeisen schützt Kinder vor einem Eisenmangel. Auch sollten mehrmals in der Woche Hülsenfrüchte und viel eisenreiches Gemüse (zum Beispiel Spinat und Fenchel) und ab 1. Lebensjahr auch Salate auf dem Speiseplan stehen.


Anstelle vom Fleisch im Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei eignen sich besonders gut Vollkorngetreidesorten wie z.B. Vollkornhaferflocken (mindestens 10 g) oder Weizenvollkornflocken. Die Eisenverwertung aus dem Vollkorngetreide lässt sich zudem noch durch die Zugabe von Vitamin C-reichem Fruchtsaft in dem Brei erhöhen. Auf folgender Seite des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) finden Sie ein geeignetes Rezept für die Zubereitung eines vegetarischen Gemüse-Kartoffel-Getreide-Breis und auch weitere Informationen zum Thema Beikost:


FKE: Einführung von Beikost


Der fleischfreie alternative Gemüse-Getreide-Brei sollte milchfrei sein, damit nicht durch Milch die Bioverfügbarkeit von Eisen in der Mahlzeit vermindert wird.


Für Ihr Kind ist in der extremen Wachstumsphase im ersten Lebensjahr und auch danach eine ausreichende Versorgung mit biologisch hochwertigem Eiweiß besonders wichtig. Bei einer vegetarischen Ernährungsweise müssen Sie die Eiweißversorgung Ihres Kindes im Auge behalten und regelmäßig das Wachstum Ihres Kindes vom Kinderarzt untersuchen lassen.


Tierisches Eiweiß hat die höchste biologische Wertigkeit, kann also in hohem Maße vom Körper in körpereigenes Eiweiß umgebaut werden. Die geringe biologische Wertigkeit von pflanzlichem Eiweiß kann durch Kombination bestimmter pflanzlicher Lebensmittel miteinander oder aber pflanzlicher Lebensmittel und Milch/ Ei verbessert werden. Beispiele sind hier Kartoffel mit Ei, Getreide mit Ei (Vollkornpfannkuchen, Getreidebratlinge, Ei mit Mais), Getreide mit Milch bzw. Milchprodukten (z.B. Müsli mit Joghurt, Vollkornbrot mit Käse, Milchreis, Nudelauflauf mit Käse) oder die (rein pflanzlichen) Mischungen aus Getreide mit Hülsenfrüchten (Bohnen-Mais-Eintopf, Linsengemüse mit Reis oder Linsensuppe mit Vollkornbrot) sind ebenfalls empfehlenswert. Weitere günstige Speisen wären Kartoffeln mit Quark, Kartoffelauflauf, Kartoffeln mit Spiegelei, Reibekuchen, Kartoffeln mit Erbsengemüse.


Vitamin B12 kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor und wird nur von Bakterien, Pilzen und einigen Algen gebildet. Neben Fleisch und Fleischwaren stellen Milch und Milchprodukte eine gute Quelle für Vitamin B12 dar. Wenn Sie Ihr Kind nicht vegan ernähren und es regelmäßig Milch und Ei bekommt, brauchen Sie sich über einen Vitamin B12- Mangel keine Gedanken zu machen. Die Milchmenge von 330 ml bis 400 ml ab der Familienkost pro Tag wäre ausreichend. 


Folgende Seite des Familienhandbuchs für Frühpädagogik bietet Ihnen weiteren Lesestoff


Ist eine vegetarische Ernährung für Kinder geeignet?


Viele Tipps und praktische Informationen zur gesunden Ernährung Ihres Kindes bietet Ihnen die folgende aid-Broschüre


Ernährung von Säuglingen und unsere Rubrik „Spezielle Ernährungsinfos“ unter dem Stichwort Säuglinge.


 


Alles Gute für Sie und Ihr Kind.


Sonja Lämmel, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und


Claudia Thienel, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin

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