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Expertenforum: Rund ums Gewicht    «zurück

Frage von Milchkaffee am 09.01.2014 15:45 Uhr

Ständiger Heißhunger auf Schokolade und Kekse NACH Magersucht

Hallo,

ich bin 25 Jahre alt und litt die letzten 3 Jahre unter Magersucht. Im letzten Jahr war ich für insgesamt 18 Wochen in stationärer Behandlung und befinde mich nun im Normalgewicht (bzw. wahrscheinlich schon über dem Normalgewicht!! :-( )
Wiegen kann ich mich leider immer noch nicht, da ich das Ergebnis psychisch nicht verkraften könte. Es reicht mir vollkommen die schreckliche Wahrheit, dass ich nun Kleidergröße 38/40 tragen muss, was noch NIE der Fall vorher war.
Des weiteren befinde ich mich weiterhin in ambulanter Therapie.

Nun zu meinem eigentlichen Problem.
Ich habe ständig, den ganzen Tag über Gelüste und Heißhunger nach Schokolade und Keksen! Ich bin doch aber nun nicht mehr untergewichtig! Warum ist der Drang nach Süßigkeiten immer noch so groß? Ich möchte nicht noch mehr zunehmen!!!
Ich ernähre mich ausgewogen und abwechslungsreich:

morgens: Müsli ( Haferflocken, Sojajoghurt und ein paar Himmbeeren)

mittags: eine normale Portion mit viel Salat

abends: 1 VK Brötchen + 1 Brezel ( meist mit wenig Butter, Käse, Frischkäse oder Putenbrust ) dazu rohes Gemüse wie Gurken, Tomaten und Paprika

und danach geht es los! Wenn ich mir vornehme nur EINEN Schokoriegel zu essen, oder nur 1-2 Kekse oder nur 1 Reihe Schokolade,... es GEHT NICHT!!!
Es muss meist immer gleich die ganze Packung/Tafel herhalten!
Warum ist das nur so?
Ich meine, ich bin ja schon froh, dass ich es überhaupt bis abends schaffe ohne Süßigkeiten den Tag zu überstehen ( alles andere würde wahrscheinlich in einem Fressanfall enden und ich könnte vor lauter Scham und Ekel nicht mehr weiterarbeiten)
Hört denn dieser Hunger irgendwann einmal auf? Wird sich mein Gewicht irgendwann einmal einpendeln? Werde ich immer dicker und dicker werden???

Bitte bitte helfen Sie mir, ich bin wirklich am Verzweifeln :(

Expertenantwort von Maren Krueger am 10.01.2014 16:18 Uhr

Sehr geehrte Fragestellerin,


vielen Dank für Ihren Beitrag. Es ist sehr gut, dass Sie sich zur Behandlung Ihrer Essstörung in eine Therapie begeben haben. Aber anscheinend haben Sie die Erkrankung noch nicht überwunden. Geben Sie sich noch etwas Zeit. Ganz bestimmt werden Sie lernen, ganz normal zu essen und Ihr Gewicht, das jetzt ja völlig normal und gesund ist, zu akzeptieren. Zuallererst möchte ich Ihnen empfehlen, Ihre Essprobleme auch mit Ihrer/m Therapeutin/en zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Aber gern gebe ich Ihnen auch noch einige Tipps.


Hunger auf Süßes oder gar Heißhungeranfälle haben viele Menschen, auch wenn sie nicht an einer Essstörung leiden. Oft steckt dahinter, dass sie sich bestimmte Lebensmittel, z. B. Süßes verbieten.  Verbotenes hat immer einen besonderen Reiz. Alles mit Zucker Gesüßte hat zudem den Nachteil, dass es nicht lange sättigt, dass essogar hungrig macht und zwar hungrig auf mehr Zucker bzw. auf mehr Kohlenhydrate. So wird aus einem Stück Schokolade schnell die ganze Tafel, aus einem Keks die ganze Packung. Meine Empfehlung dazu ist: Verbieten Sie sich die Süßigkeiten nicht, aber gönnen Sie sich nur kleine Portionen und zwar möglichst direkt nach einer Hauptmahlzeit, niemals zwischendurch. Machen Sie sich einen Plan, z. B. nur einmal täglich oder zweimal die Woche etc.. Versuchen Sie Ihren Heißhunger zu überlisten. Nehmen Sie anstelle von Süßigkeiten  ein Stück Obst (z.B. Apfel, Kiwi), einen fettarmen Fruchtjoghurt,  ein Glas Buttermilch oder eine Milch-Shake mit Früchten. Je öfter Ihnen das gelingt, desto weniger werden Sie Hunger auf Süßes verspüren.  Lenken Sie sich ab, wenn Sie starken Hunger auf Süßes verspüren. Machen Sie z.B.  einen Spaziergang oder rufen eine Freundin an.


Sie essen nur drei Mahlzeiten am Tag. Das scheint zu wenig zu sein, die Pausen zwischen den Mahlzeiten sind zu lang. Um Heißhungerattacken vorzubeugen, sind regelmäßige kleine Mahlzeiten alle 2 – 3 Stunden wichtig. Neben den 3 Hauptmahlzeiten, sollten Sie deshalb 2 – 3 Zwischenmahlzeiten, z. V. Joghurt, Gemüserohkost, Obst, Knäckebrot einplanen.
Ganz wichtig ist auch die richtige Zusammensetzung der Mahlzeiten. Achten Sie darauf, dass jede Hauptmahlzeit neben Fett sowohl Kohlenhydrat- als auch Eiweißträger enthält. Ergänzen Sie Kohlenhydrate in einer Mahlzeit (z.B. Nudeln, Brot) mit einem Eiweißträger (Fisch, Fleisch, Quark, Jogurt). Bevorzugen Sie bei Getreideprodukten die Vollkornvarianten (z.B. Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln), denn die enthaltenen Ballaststoffe sorgen für eine längere Sättigung. Ergänzen Sie ihr Mittagessen und das Abendbrot noch um ein eiweißreiches Lebensmittel, z. B. eine Quarkspeise, einen Joghurt oder ein Stück Käse als Nachtisch. Eiweiß ist der Nährstoff mit dem besten Sättigungseffekt. Nehmen Sie zum Müsli morgens reichlich Obst. Gönnen Sie sich Alternativen zum Frühstücksmüsli, z. B. Vollkornbrot/-brötchen, Käse, Aufschnitt, Ei, Räucherlachs oder geräucherte Forelle, Kräuterquark, Gemüserohkost, vegetarische Brotaufstriche.


Wenn Ihnen diese Tipps nicht helfen,  empfehle ich Ihnen auf jeden Fall mit einer qualifizierten Ernährungsberatungsfachkraft Kontakt aufzunehmen. Adressen von qualifizierten Ernährungsberatern haben wir für Sie in unserem Servicebereich zusammengestellt. Viele Krankenkassen bezuschussen diese Beratung.


Viel Erfolg und alles Gute!


Mit freundlichen Grüßen


Maren Krüger
Ernährungswissenschaftlerin

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