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Expertenforum: Säuglings- und Kinderernährung (0 - 10 Jahre)    «zurück

Frage von Amsel am 14.01.2014 17:27 Uhr

Essen im Kindergarten

Was dürfen Kinder (1/2 - 6 Jahre im Kindergarten (Frühstück, Mittagessen) auf keinen Fall essen?

Welchen Weg schlagen Sie vor, eine - schlanke - Mutter, deren Tochter (ehemaliges Frühchen) übergewichtig ist und ständig "vollgestopft" wird, darauf anzusprechen?
Viele Dank für Ihren Einsatz!

Expertenantwort von Maren Krueger am 16.01.2014 12:11 Uhr

Sehr geehrte Fragesteller/in,


vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich finde es sehr gut, dass Sie sich für eine gesunde Ernährung von Kindern in Kitas/Kindergärten interessieren und unterstütze Sie gern.
Allerdings ist Ihre erste Frage  sehr umfassend und lässt sich in diesem Format kaum ausreichend beantworten. Insbesondere wenn Sie Mitarbeiter/in in einem Kindergarten /Kita sind, möchte ich Ihnen ergänzend empfehlen, sich noch ausführlicher dazu beraten zu lassen und zu informieren, z. B in einer Fort-/Weiterbildung. Informationen  dazu sowie zu gesunden Lebensmitteln für Kinder, zur Ernährungserziehung und zu den Anforderungen, die eine Mahlzeit  im Kindergarten erfüllen sollte, finden Sie u.a. im Internetportal von FIT KID – Die Gesund-Essen-Aktion für Kitas sowie beim Netzwerk „Gesund ins Leben“.
Welche Lebensmittel für Kinder ungeeignet sind, ist vor allem von Ihrem Alter abhängig, also ob es sich um Säuglinge (0 bis 12 Monaten), Kleinkinder (1 bis unter 4 Jahren) oder Kinder (4 bis unter 15 Jahren) handelt.


Für Säuglinge gilt, dass frühestens ab dem 5. Monat und spätestens ab dem 7. Monat  mit der Breiernährung begonnen werden sollte. D. h. die Muttermilch bzw. industrielle Säuglingsmilch wird langsam gegen die Beikostmahlzeiten ausgetauscht.  Die Beikostgabe sollte dem Schema des Ernährungsplans des Forschungsinstituts für Kinderernährung folgen. Der Ernährungsplan gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko.  Die Beikostmahlzeiten können selbst gekocht oder fertig gekauft werden, beides hat Vorteile.  Dabei sind Zucker, Salz, Gewürze oder Zusatze von Geschmacksstoffen und Aromen unerwünscht. Ausführliche Empfehlungen zur quantitativen und qualitativen Zusammensetzung der Mahlzeiten finden Sie bei  o.g. Internetportalen sowie in dieser aid Broschüre


Ernährung von Säuglingen.


Für alle Kinder im ersten Lebensjahr gilt, dass sie keinen Honig bekommen sollten. Honig ist ein möglicher Überträger des gefährlichen Säuglingsbotulismus. Kuhmilch als Getränk wird frühestens zum Ende des 10. Lebensmonats empfohlen, sofern die Kinder aus einer ganz normalen Tasse bzw. einem Becher trinken können. Dann wird die Muttermilch bzw. industrielle Säuglingsmilch langsam gegen Kuhmilch ausgetauscht. Bis dahin gibt es Kuhmilch ausschließlich als Bestandteil des Getreide-Milch-Breis. Säuglinge wie auch Kleinkinder sollten keine rohen Lebensmittel bekommen. So ist rohes, unverarbeitetes Getreide für Babys tabu. Es ist schwer verdaulich und kann Blähungen und Verstopfung verursachen. Zu Durchfällen kann es kommen, wenn das Baby keimbelastetes Getreide erhält, das über Nacht bei Zimmertemperatur eingeweicht wurde. Als Fettquelle ist Rapsöl ideal. Von anderen pflanzlichen Fetten wie z. B. Mandel-/Sesam- oder Nussmus wird in der Säuglingsernährung abgeraten. Ungeeignet sind für Säuglinge ebenso Rohmilch und Vorzugsmilch.
Als Durstlöscher sind für Babys wie auch für größere Kinder ausschließlich Wasser oder ungesüßte Tees zu empfehlen. Zum Ende des ersten Lebensjahres erweitert sich der Speiseplan, qualitativ und quantitativ. Jetzt brauchen die Kleinen wie auch alle Großen vier anstatt fünf Mahlzeiten am Tag, d.h. drei Haupt- und zwei kleine Zwischenmahlzeiten und sie nehmen an den gemeinsamen Familienmahlzeiten teil.  Jetzt wollen und sollen die Kinder mitentscheiden, was und wie viel gegessen wird.  Dabei ist für das Erlernen eines gesundheitsfördernden Essverhaltens das Vorbild der Erwachsenen enorm wichtig!  Nach dem ersten Geburtstag brauchen die Kinder keine speziellen Säuglingslebensmittel mehr. Eine ausgewogene Ernährung gesunder Kleinkinder ist auch ohne spezielle Lebensmittel wie z. B. Kindermilch möglich. Sie können weitestgehend das essen, was auch den anderen Familienmitgliedern schmeckt. Auch Kleinkinder sollten noch keine rohen Lebensmittel wie rohes Eier, rohes Fleisch bzw. Fleischprodukte, roher Fisch oder rohe Milch bzw. Produkte daraus essen. Nüsse, mandeln und andere harte Lebensmittelstücke in „Erdnussgröße“ bergen die Gefahr des Verschluckens und sollten für sie nicht zugänglich sein.
Eine vegetarische Ernährung ist für Säuglinge wie für Kleinkinder möglich. Allerdings ist dafür eine ausführlichere Beratung nötig, um einen Nährstoffmangel zu vermeiden. Von einer veganen Ernährung wird abgeraten. Liegt eine ärztlich nachgewiesene Nahrungsmittelallergie vor, muss natürlich das auslösende Lebensmittel bzw. der Lebensmittelinhaltsstoff weggelassen werden. Auch hier ist eine ausführliche fachliche Ernährungsberatung notwendig.
Zucker und alle mit Zucker gesüßten Speisen, Getränke, Backwaren und Naschereien sind nicht verboten, aber kleine wie große Kinder brauchen sie nur in kleinen Portionen und nicht jeden Tag.
Je älter die Kinder werden desto größer wird ihr Bedarf an gesunden Nähr- und Vitalstoffen. Was und wie viel für Kinder zwischen 4 und 6 Jahren empfohlen wird, können Sie dieser Tabelle entnehmen.
Der aid hat zur Ernährung und Ernährungserziehung im Kindergarten einige Publikationen,  die für Sie bzw. die Mitarbeiter/innen des Kiga interessant sein könnten.


Essen lernen in Kita und Tagespflege - Ernährungsbildung für Kleinkinder


Das beste Essen für KleinkinderEmpfehlungen für die Ernährung von 1- bis 3-Jährigen


Das beste Essen für Kinder - Empfehlungen für die Ernährung von Kindern


Esspedition KindergartenErnährungserziehung für die Praxis


So macht Essen Spaß: für Vorschulkinder


Zu Ihrer 2. Frage: Grundsätzlich solle Übergewicht – unabhängig vom Geburtsgewicht – bei Kindern vermieden werden. Übergewicht ist für Körper und Seele eine Belastung. Aus übergewichtigen Kindern werden sehr häufig übergewichtige Erwachsene. Übergewicht gilt als Wegbereiter zahlreicher Stoffwechselstörungen und Krankheiten. Sicherlich meint es die von Ihnen beschriebene Mutter gut. Sie hat sich in den ersten Wochen und Monaten wahrscheinlich große Sorgen um die Gesundheit Ihres Kindes gemacht und war über eine Gewichtszunahme froh. Die meisten Frühchen holen in den ersten Lebensjahren auf und brauchen keine spezielle Fürsorge mehr.  Für sie gelten die gleichen Empfehlungen zur Gewichtsentwicklung wie für Kinder mit normalem Geburtsgewicht.
Ich bin der Meinung, dass Sie die Mutter auf das Übergewicht Ihrer Tochter ansprechen sollten. Bieten Sie ihr Unterstützung an, in dem Sie auf o.g. Infos hinweisen. Auch eine ausführliche persönliche Beratung bei einer Ernährungsfachkraft könnte hilfreich sein. Adressen von Ernährungsfachkräften in Ihrer Nähe finden Sie in unserem Servicebereich.


Mit freundlichen Grüßen


Maren Krüger
Ernährungswissenschaftlerin

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