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Expertenforum: Rund ums Gewicht    «zurück

Frage von Tine159cm am 20.01.2014 14:03 Uhr

Weg aus dem Hungerstoffwechsel

Hallo,

ich habe eine mittelschwere Katastrophe in den Griff zu bekommen. Alles fing vor ein paar Jahren an, als ich mit meiner gesamten Lebenssituation so extrem gestresst war, dass ich das Essen schlichtweg vergessen habe. Das Ganze ging so weit, dass ich immer erst dann gegessen habe, wenn ich anfing zu zittern. Meist hatte ich dann schon seit mehr als 24 oder gar 48 Stunden nichts gegessen. Dadurch fing mein Körper sogar an von Salat mit Hähnchenbrust ohne Dressing was anzusetzen. Ich habe dieses Spiel jedoch sehr lange gespielt, bis ich irgendwann im Burnout landete.

Vor gut 2 1/2 Jahren fing ich dann an, mich mit dem Problem auseinander zu setzen. Ich fing an, Ernährungstagebuch zu führen unter fddb.info. Die Bilanz war zum fürchten. Ich "lebte" von ca. 800 kcal am Tag. Das musste sich ändern. Ich stellte meine Ernährung auf kohlehydratarm um und fing an drei Mahlzeiten am Tag zu essen. Dazu musste ich mir einen Timer stellen, weil ich schon lange kein Hungergefühl mehr hatte. Das hat sich aber nach fünf Monaten Disziplin wieder eingestellt. Leider habe ich es trotzdem nie auf mehr als 1200 kcal pro Tag geschafft.

Vor 1 1/2 Jahren hatte ich einen Unfall, bei dem ich mir das Steißbein gebrochen habe. Das bedeutete ein Jahr kein Sport. Bis dahin bin ich gern laufen gegangen und habe HIIT Workouts gemacht. Als ich in diesem Jahr wieder mit dem Sport anfangen konnte, dachte ich, dass ich jetzt abnehmen könnte. Aber es tat sich absolut gar nichts. Ich nahm nicht zu, aber auch nicht ab. Das bei 1300 - 1500 kcal am Tag und täglich morgens vor dem Frühstück 20-30 Minuten HIIT, einmal die Woche 30-45 Minuten Laufen. Irgendwann war ich einfach nur noch deprimiert und wurde krank. Hier eine Erkältung, da eine Magenverstimmung, insgesamt 4 Wochen flach gelegen und dabei tatsächlich 1 kg abgenommen. Das waren ganz sicher nur meine Muskeln.

Als ich meine Hausärztin kontaktierte, bin ich fast aus allen Wolken gefallen. Meine Blutwerte sind super, mein Abnehmwunsch fällt für sie unter die Kategorie "lifestyle" und überhaupt meinte sie, dass meine Ernergiezufuhr vielleicht das ist, was der Mensch zum Leben braucht und alle anderen zu viel essen.

Vor ein paar Monaten gab es die nächste Darmkrebserkrankung in meiner Familie. Ich denke nicht, dass mein Onkel es überleben wird, genau so wenig wie meine Tante vor ein paar Jahren. Das hat mir wirklich zu denken gegeben und ich habe geschaut, was ich tun kann, um das evtl. zu verhindern. Die scheinbare Lösung: vegan. Da ich gern experimentiere, habe ich mich entschlossen es einfach auszuprobieren. Ich habe Schritt für Schritt die vorhandenen Fleisch-, Fisch- und Käsereste aufzubrauchen und immer wieder vegane Rezepte auszuprobieren. Seit etwa 4 Monaten ernähre ich mich komplett vegan. Natürlich tut sich auch da nichts. Denn außer dem Weglassen der tierischen Produkte und dem zufügen von hochwertigen Alternativen hat sich für mich nicht viel geändert. Ich esse sehr bewusst, koche aus frischen Lebensmitteln, esse kein Fast Food, etc. Das einzige, worauf ich achten muss, sind die Kreuzallergien aufgrund meiner Frühblüher-Allergie. Nach einigen Wochen konnte ich allerdings schon wieder in normalen Mengen Äpfel und Karotten roh essen, was ein großer Erfolg ist.

Meine tägliche Energiezufuhr liegt mittlerweile bei 1700 - 1800 kcal. Manchmal gibt es Tage, an denen es weniger ist, aber die sind sehr selten geworden. Zum Einen, weil ich manchmal nicht mehr schaffe, zum Anderen, weil ich einfach Angst habe, dass ich weiter zunehme, wenn ich mehr esse. Mir ist bewusst, dass mein Körper sich im Hungerstoffwechsel befindet, aber ich fürchte, ich brauche Unterstützung, um da raus zu kommen.

Allerdings bin ich Studentin, die seit Jahren unter Hartz IV Niveau von weniger 300 € im Monat "lebt". Da ich mich mit dem ganzen Thema bereits selbst viel auseinander gesetzt habe, benötige ich vielleicht nur einen Plan, der mir ein bisschen Sicherheit gibt und die Angst nimmt, es nicht kontrollieren zu können.

Hier noch die harten Fakten: 31 Jahre 1,59 m vor dem Stress 56 kg aktuell 66 kg
Meine Blutwerte sind alle im Normalbereich

Viele sonnige Grüße

Expertenantwort von Christof Meinhold am 21.01.2014 14:25 Uhr

Sehr geehrte Fragenstellerin!

Zunächst einmal möchte ich Sie dazu beglückwünschen, dass Sie es geschafft haben, zu einem normalen und gesunden Essverhalten zurückzufinden. Anhand Ihres Körpergewichtes und Ihrer Größe lässt sich ein BMI von 26 ausrechnen. Damit haben Sie lediglich leichtes Übergewicht. Aus gesundheitlicher Sicht wäre - wenn überhaupt - nur eine moderate Gewichtsabnahme von 2-3 Kilos notwendig.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir im Rahmen dieses Verbraucherforums keinen Ernährungsplan für Sie aufstellen können. Dafür ist ein umfassendes Beratungsgespräch notwendig, bei dem z. B. Ihre Krankheitsgeschichte, Ihre jetzigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und auch Ihre Vorlieben und Abneigungen genau erfasst werden sollten. Nur dann ist es möglich, einen auf Ihre genauen Bedürfnisse abgestimmten Ernährungsplan aufzustellen. Dies kann nur im Rahmen einer ausführlichen Beratung bei einer anerkannten Ernährungsfachkraft erfolgen.

Für die Gewichtsreduktion ist neben der Kalorienzahl auch die ausreichende Aufnahme aller lebensnotwendigen Nährstoffen (z. B. Vitamine, essentielle Fettsäuren, Eiweiß) wichtig. Denn nur dann kann der Stoffwechsel optimal arbeiten. Bei Ihrer Vorgeschichte und im Hinblick auf Ihre vegane Ernährungsweise wäre eine Überprüfung Ihrer Nährstoffversorgung ratsam. Dafür müssen Sie über mindestens 7 Tage genau Protokoll führen, was Sie alles essen. Anschließend können Sie das Protokoll dann entweder selber auswerten oder Sie lassen es von einer anerkannten und produktunabhängigen Ernährungsfachkraft überprüfen. Sollte die Nährstoffversorgung einzelner Nährstoffe nicht mit den Empfehlungen übereinstimmen, sollten Sie Ihre Ernährung entsprechend anpassen. Auch dabei kann Ihnen eine Ernährungsfachkraft helfen. Eine Ernährungsberatung wird von den meisten gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst, so dass Sie sehr wahrscheinlich nur einen kleinen Eigenanteil zahlen müssen. Adressen von qualifizierten Ernährungsberatern finden Sie auf unserer Serviceseite Ernährungsexperten in Ihrer Nähe.

Hilfe bei der eigenständigen Auswertung Ihres Ernährungsprotokolls finden Sie bei der Interaktiven Lebensmittelanalyse der Uni Hohenheim oder beim DEBInet-Ernährungsassisstent.

Tipps für eine vegane Ernährungsweise finden Sie bei was-wir-essen.de in der Rubrik Gesund essen – Alternative Ernährungsformen – Vegane Ernährung

sowie in dem Artikel UGB: Vegane Ernährung - Geht's auch rein pflanzlich?.


Mit freundlichen Grüßen
Christof Meinhold
Diplom-Oecotrophologe / Ernährungsberater VDOE


 

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