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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von anjaneu am 25.01.2014 23:22 Uhr

Schadstoffe im Gartenboden?

Ich muss erst mal schnell loswerden: toll, dass es Sie gibt und dass sie so qualifizierte Antworten kostenfrei anbieten! In meinem Garten ist ein Problem aufgetreten und auf der Suche nach Antworten habe ich diese Internetseite gefunden. Danke für Ihre Arbeit!

Aber jetzt zum Problem. Ich habe mir im Garten auf etwa 3 * 10 qm ein neues Beet erschlossen auf dem ich im Frühling zunächst Kartoffeln, anschließend Erdbeeren anbauen wollte. Im Herbst (Ende September) habe ich nach Umbruch des Bodens als Gründüngung Inkarnatklee gesät. Dieser ging zunächst gut auf und wuchs bisher schön. Vor einigen Tagen bekam ich einen Schreck als ich feststellte, dass ein schmaler Streifen (ein bis zwei Handbreit) über die ganze 10m Länge gelb geworden war. Das übrige Beet war nach wie vor schön grün. In jüngerer Vergangenheit stand auf diesem Bereich ein Bauwagen. Nach dessen Verschwinden wuchs dort Gras, dieses war unauffällig. Der gelbe Streifen entspricht wahrscheinlich einer Kante des Bauwagens. Dort wo die Rückseite des Bauwagens war ist kein Klee mehr, dort habe ich allerdings im Spätherbst einige Johannisbeersträucher hingesetzt. Denen ist natürlich nichts anzusehen, sie waren und sind unbelaubt. Nun befürchte ich, dass die Ursache Schadstoffe im Boden sein könnten, zumal ich dem Besitzer des Bauwagens keinen allzu bewussten Umgang mit umweltbelastenden Stoffen zutraue. Er hat den Bauwagen an dieser Stelle komplett neu aufgebaut und das Holz mit allen möglichen Schutzmitteln und Farben behandelt. Das ist noch nicht lange her, zwei Jahre etwa. Vielleicht ist beim Aufstreichen etwas in den Boden getropft? Zu DDR-Zeiten wurde an dieser Stelle Schweinemast betrieben, die waren vielleicht auch nicht zimperlich in Umweltfragen. Seit der Wende wird das Haus vermietet und die Mieter konnten den Garten immer nach eigenem Belieben nutzen. Wer weiß, was an dieser Stelle so alles vorgekommen ist. Andere Bauwagen standen an dieser Stelle schon vorher. Und beim Umlegen des Bodens sind unglaublich viele, tw. sehr große alte verrostete Metallteile zum Vorschein gekommen, die vielleicht noch aus Zeiten der Schweinehaltung stammen. Andererseits war dieses Fleckchen Land immer Anziehungspunkt für Menschen mit bewusster Lebensweise (aber eben nicht nur). Der Garten ist wunderschön, sehr naturnah, weit entfernt von vielbefahrenen Straßen und umgeben von Biolandbau. Ideale Bedingungen möchte man meinen. Aber wenn man etwas genauer hinschaut...

Und es ist doch verwunderlich, dass der Klee erst jetzt gelb geworden ist, nachdem er so lange normal wuchs. Und dass es sich um einen so definierten schmalen Streifen über die gesamte Länge handelt, obwohl beim Umbrechen des Bodens die Erde doch sicher etwas durcheinander gekommen ist. Beides deutet vielleicht eher auf ein Problem in etwas tieferen Schichten hin?

Mir ist klar, dass eine eindeutige Antwort nur eine Bodenanalyse geben kann. Dies würde im örtlichen LUFA aber anscheinend einige hundert Euro kosten und das übersteigt für ein Hobby-Kartoffelbeet unsere Möglichkeiten.

Ich habe im Bekanntenkreis schon einige andere Erklärungsversuche bekommen. Natürlich hätte ich am liebsten eine einfache Erklärung, die ohne Schadstoffe auskommt. Aber beruhigen konnten mich diese Möglichkeiten auch nicht:
- Bodenverdichtung wegen Tropfkante. Aber wäre eine Verdichtung nicht eher auf dem ständig betretenen Weg vor dem Wagen zu erwarten? Außerdem war an dem Bauwagen wohl eine Regenrinne.
- Stickstoffmangel wegen Auswaschung. Aber bei Leguminosen (Inkarnatklee)???

Auch das Internet ist voller Informationen, aber als Laie ist es für mich schwierig, die für diesen speziellen Fall relevanten herauszufiltern.

Würde es vielleicht Sinn machen die Erde auf diesem Streifen auszutauschen? Aber bis in welche Tiefe? Und woher bekomme ich auf die Schnelle so viel neue Erde?

Wir haben kleine Kinder und legen hohen Wert auf gesunde Ernährung. Bei uns kommt nur „Bio“ auf den Tisch. Vielfach habe ich von Bekannten auch den Rat bekommen „ich würde mir da nicht so viele Gedanken machen“. Aber das gelingt mir nicht. Die Pflanzkartoffeln die für dieses Beet vorgesehen sind, kommen aus ökologischer Erzeugung. Das wird nicht mehr viel Bedeutung haben, wenn mein Boden belastet ist. Es macht mich ganz traurig, wenn ich an die Möglichkeit denke, mein kleines Kartoffel/Erdbeerprojekt zu vergessen und das Beet für Zierblumen zu verwenden. Ich habe viel Herzblut in die Idee gesteckt, von der Arbeit bei der Urbarmachung des Bodens ganz zu schweigen. Und wohin dann mit meinen teuren Bio-Pflanzkartoffeln? Aber natürlich ist es das alles nicht wert, wenn ich meiner kleinen Familie dann belastete Kartoffeln auf den Teller lade.

Eine Ferndiagnose ist sicher nicht leicht für Sie, aber vielleicht gibt es ja für Sie als Experten doch eine naheliegende Erklärung oder Sie können mir sagen, was meine nächsten Schritte sein sollten. Vielen Dank im Voraus! Wenn alles gut geht, sind Sie hiermit zu Frühkartoffeln und Spargel eingeladen :)

Expertenantwort von Joerg Planer am 27.01.2014 13:17 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


wie Sie schon richtig vermuten: Eine Ferndiagnose – vor allem in so einem speziellen Fall – ist leider sehr schwierig. Es bieten sich jedoch Anhaltspunkte für Vermutungen, die ich im Folgenden anstelle:


Das Vorliegen von Schadstoffen im Boden ist zwar nicht ganz auszuschließen, halte ich aber für unwahrscheinlich. Denn wie Sie richtig schreiben, kommt es durch Hack- und Grabmaßnamen zu Bodenbewegungen, die eine Begrenzung der Symptome auf solch einen schmalen Streifen unwahrscheinlich machen. Eine Schadstoffbelastung können Sie, wie Sie ja schon in Erfahrung gebracht haben, über spezielle Labors (unter anderem LUFA) anfordern. Je mehr man untersuchen lässt, desto teurer wird es aber.


Ich vermute eher, dass Bodenverdichtungen die Ursache sind. Wenn solch lange, schmale Streifen betroffen sind, weist das meist auf Verdichtungen im Boden hin, die infolge von Fahrspuren, Pflugsohlenverdichtungen oder wie in Ihrem Fall durch den langjährigen Druck einer Bauwagenkante entstehen können. Wenn der betroffene Kleestreifen auf der Aufstandstelle des alten Bauwagens lokalisiert ist, könnte die dadurch verursachte Bodenverdichtung die Ursache für das Vergilben Ihres Inkarnatklees sein. Verdichtungen entstehen nicht selten in tieferen Bodenschichten oberhalb derer es zu Staunässe mit Sauerstoffmangel im Boden kommt. Vergilbende Pflanzen können ein Anzeichen solcher Verdichtungen sein.


Der Anbau von Gründüngungspflanzen ist bei verdichteten Böden genau die richtige Maßnahme. Für extreme Bodenverdichtungen eignen sich aber besser Tiefwurzler mit ausgeprägter Pfahlwurzel wie Ölrettich, Luzerne oder Ackerbohne. Diese Kulturen müssen aber, um den Verdichtungshorizont aufbrechen zu können, mehr als nur einen Winter auf der Fläche verbleiben (Ölrettich ist eine sommerannuelle Kultur, die nicht winterhart ist). Eine Anbaulänge von 1 bis 1,5 Jahre wäre sinnvoll.


Ich würde Ihnen raten, an der Stelle, wo der vergilbte Streifen aufgetaucht ist, einen etwa 60 bis 70 cm langen Streifen über ein bis zwei Jahre mit einer tiefwurzelnden Gründüngungspflanze zu bebauen. Dann haben Sie auf dem restlichen 2 m ja immer noch Platz um ihre Kartoffeln anzubauen.


Mehr infos zu Bodenverdichtungen und Gründungspflanzen finden Sie auf diesen Seiten:


Gründüngungspflanzen


Bodenfruchtbarkeit.org


Bodenwelten.de


Oder in diesen aid-Heften


Bodenpflege, Düngung, Kompostierung im Garten


Die Haut der Erde - Über den Boden, von dem wir leben


Bodentypen - Nutzung, Gefährdung, Schutz


Gute fachliche Praxis Bodenbewirtschaftung und Bodenschutz


Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer, Diplom-Agraringenieur

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