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Expertenforum: Säuglings- und Kinderernährung (0 - 10 Jahre)    «zurück

Frage von käferchen am 22.09.2014 14:18 Uhr

Mein Sohn (3,5) isst falsch

Sehr geehrtes Team,

es geht um meinen 3,5 Jahre alten Sohn. Am Anfang war es der Babyspeck und alles war im Rahmen. Ich muss noch dazu sagen, dass er als sehr mopsiges Baby schon auf die Welt kam (55cm, 4300g). Nun ist es aber so, dass es sich nicht so verwächst, wie ich es gern hätte und nun mal die Reißleine ziehen möchte, bevor es zu spät ist. Also er ist jetzt 102cm groß und wiegt 19kg.
Zu seiner Ernährung ist zu sagen, dass er bis vor zwei Wochen abends und nachts noch die Flasche mit Milch bekommen hat (ja, ich weiß), dieses nun aber nicht mehr bekommt. Er isst fast kein gekochtes Gemüse, nur Möhren und Kürbis. Alles andere verweigert er. Er isst aber alles an Obst und auch Paprika und Gurken, Salat etc.
Allerdings gerne auch Joghurts, Müsli morgens mit einem Glas Milch dazu, Brot mit Kiri. Auch gibt es zwischendurch mal ein Gummibärchen oder einen Keks, aber das stellt hier nicht das Problem dar. Er war bzw. ist, ein sehr anstrengendes Kind, welches die ersten 14 Monate nahezu schreiend verbracht hat.Als BAby hat er schon sehr wenig gegessen, sondern lieber Milch getrunken. Um der Nerven wegen habe ich es ihm dann auch zugestanden. Also ein schlechter Esser war er schon immer, sodass es dann anstatt unser Familienessen, einen Joghurt etc. gab. Halt das, was er gerade wollte. Nun brauche ich Hilfe, Anregungen und Tipps, wie ich dieses sture Monster wieder auf die Bahn bringe, um ihm auch gesundheitliche Probleme und Einschränkungen zu ersparen. Es ist auch nicht so, dass er riesige Mengen ist - im Gegenteil, eigentlich ist er der totale Spatzenesser. Nur leider das falsche.
Wie sollte ein Tagesplan aussehen? Was kann ich ihm anbieten?
Ich danke ihnen schon jetzt für ihre hilfreiche Antwort!!
Mfg

Expertenantwort von Claudia Thienel am 23.09.2014 09:19 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann die Sorge um die Gesundheit Ihres Kindes nachvollziehen. Jedoch kommt es immer wieder vor, dass Kinder phasenweise ein extremeres Essverhalten aufweisen oder sogar nur von einer sehr begrenzten Zahl von Lebensmitteln leben - und das gut. Solange Ihr Kind sich altersgerecht entwickelt, fit und aktiv ist (das sollten Sie regelmäßig von Ihrem Kinderarzt abklären lassen), ist ein einseitiges Essverhalten nicht unbedingt Grund zur Besorgnis. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind die Dinge, die es ablehnt, immer wieder anbieten (auch in unterschiedlicher Form) und dass Sie Ruhe bewahren und Geduld haben. Das Essen sollte allen am Tisch Spaß machen. Jeglicher Druck und Zwang am Esstisch sind fehl am Platze, wenn ein Kind lernen soll, selbständig und mit Freude zu essen.


Aus der Situation, Ihrem Kind immer eine Extrawurst bieten zu müssen, kommen Sie mit Konsequenz und Durchhaltevermögen nach folgendem Prinzip wieder heraus: Ihr Sohn sollte selbst entscheiden können, ob und wie viel er essen möchte. Sie sorgen für ein ansprechendes und abwechslungsreiches Angebot, aus dem Ihr Kind auswählen kann. Sie sollten akzeptieren, wenn er nichts oder nur kleine Mengen essen möchte und auch wenn er nur bestimmte Lebensmittel auswählt. Auch Überredungskünste oder Belohnungen sind überflüssig. Bleiben Sie geduldig, auch wenn er wenig oder gar nichts gegessen hat.


Wie Sie selber ja schon erkannt haben, hat sicher auch die abendliche und nächtliche Milchflasche dazu beigetragen, dass Ihr Sohn zu den Mahlzeiten gar nicht so Recht Hunger hatte. Die Kalorien holte er sich schon über die Milch.


Gerade wenn Sie bei Ihrem Kind einen Hang zum Übergewicht sehen, möchte ich Sie hier nochmal auf den Zusammenhang zwischen einem überhöhten Milchkonsum und Übergewicht hinweisen. Eine anhaltende deutliche Überschreitung der empfohlenen Menge an Milch und Milchprodukten bedeutet eine hohe Belastung für die Nieren und ist nach aktuellen wissenschaftlichen Studien Ursache für Übergewicht im späteren Kindes- und Jugendalter.


Im Alter Ihres Kindes werden 3 Portionen Milch- und Milchprodukte am Tag empfohlen. Beispielsweise eine Tasse Milch von 150 ml, ein Joghurt von 150 g und eine Portion Käse von 25 g. Mehr sollte es nicht sein.


Die Gemüse- und Obstauswahl ist so erstmal in Ordnung. Ihr Kind muss nicht das gesamte Spektrum an verfügbaren Sorten ausschöpfen, einige wenige Sorten reichen auch aus. Bieten Sie aber ruhig immer mal wieder auch neue Sorten an, Kinder brauchen oft mehrere Versuche, bis sie „auf den Geschmack“ kommen. Am Tag sollten es drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst sein. Eine Portion Obst kann auch durch ein Glas Saft ersetzt werden. Ansonsten sollten zum Durstlöschen nur kalorienfreie Getränke angeboten werden, z. B. Mineralwasser, Leitungswasser, Kräuter- und Früchtetees.


Weitere Tipps und praktische Informationen zur gesunden Ernährung Ihres Kindes bietet Ihnen die folgende aid-Broschüre


Das beste Essen für Kinder,


unsere Rubrik „Spezielle Ernährungsinfos“ unter dem Stichwort 3- bis 6-Jährige,


sowie das Netzwerk Junge Familie.


Bitte nutzen Sie bei weiteren Fragen auch unsere Suchefunktion.


Mit freundlichen Grüßen


Claudia Thienel, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin

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