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Expertenforum: Säuglings- und Kinderernährung (0 - 10 Jahre)    «zurück

Frage von ts1184 am 30.09.2014 22:18 Uhr

2 jähriges Kind isst kaum

Hallo, meine Tochter ist 26 Monate alt und isst sehr schlecht. Das war schon von Geburt
an so, auch beim trinken der Milch. In manchen Phasen ist es besser, nur momentan lehnt
sie fast alles ab. Der Kinderarzt sagt immer, dass sie von Entwicklung und Gewicht in
Ordnung ist, gewichtskurve (25.p.) sogar ansteigend. Sie ist normal entwickelt und top fit.
Ihr scheint Bewegung und alles andere wichtiger zu sein als essen. Wir kochen jeden Tag
frisch, bieten ihr alles an, aber sie lehnt alles ab. Sie hat bis dato Banane, Paprika und
Äpfel wenigstens hin und wieder gegessen, aber momentan will sie nicht mal Saft. Ich
mache mir sorgen, auch weil sie ja kaum Vitamine zu sich nimmt. Allerdings trinkt sie noch
mind 2 mal täglich Milch, aber ich gebe sie ihr nur, wenn sie wenigstens etwas gegessen
hat. Sie trinkt 3,5 Prozent Vollmilch. Wir denken, dass dieses totale Ablehnung selbst von
ihren Lieblingsessen vielleicht aus trotz macht. Nur langsam wissen wir und nicht mehr zu
helfen. Kann ich ihr nahrungseegänzungsmittel geben, was raten sie? Vielen dank im
Voraus

Expertenantwort von Maren Krueger am 01.10.2014 11:11 Uhr

Sehr geehrte Fragestellerin,


vielen Dank für Ihren Beitrag.


Dass Kinder phasenweise sehr wenig essen und/oder bestimmte Lebensmittelgruppen gänzlich ablehnen, ist ganz normal. Solange der Kinderarzt zufrieden ist und keine organischen oder physiologischen Erkrankungen vorliegen, muss das kein Grund zur Besorgnis sein. Natürlich kann so ein kleiner „Suppenkasper“ für die Familie belastend sein. Da Ihnen jedoch Ihr Kinderarzt bescheinigt hat, dass Ihre Tochter ganz gesund und fit ist, sollten Sie versuchen, dem  aktuellen Essverhalten Ihrer Tochter nicht allzu viel Bedeutung beizumessen. Kinder nutzen das Thema Essen tatsächlich gern auch für kleine Machtkämpfe.


Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Tochter essen wird, wenn sie hungrig ist. Bieten Sie ihr wie auch dem Rest der Familie eine gesunde abwechslungsreiche Mischkost, aus der jeder sich das aussuchen darf, was ihm schmeckt. Ihre Tochter sollte das ganz allein entscheiden dürfen. Sie bestimmt auch, ob und wie viel sie essen möchte. Auf keinen Fall sollten Sie sie zum Essen drängen.  Bleiben Sie gelassen, auch wenn sie nur wenig oder nichts essen möchte. Keine Sorgen, sie wird nicht gleich unter einem Nährstoffmangel leiden müssen. Decken Sie ihren Teller mit den anderen ab!  Loben Sie sie jedes Mal, wenn sie etwas Neues probiert hat, auch wenn es nur eine kleine Portion war.


Für Kinder sind fünf Mahlzeiten am Tag richtig. Dazwischen wird auch nicht genascht! Achten Sie auch drauf, dass Ihre Tochter sich nicht satt trinkt. Circa 30 Minuten vor den Mahlzeiten sollte sie nichts mehr trinken.


Natürlich gibt es auch regelmäßig die Lieblingsspeisen Ihrer Tochter, aber nicht jeden Tag, sondern im Wechsel mit denen der anderen Familienmitglieder. Auch braucht Ihre Tochter nicht regelmäßig Extrawürste (z. B. Nutella) zu den Mahlzeiten. Ablenkungen sind bei den Mahlzeiten überflüssig.


Zeigen Sie ihr, dass Sie konsequent sind, auch wenn es Ihnen schwer fallt. Ganz bestimmt wird Ihre Tochter lernen, ihre Grenzen zu erkennen.


Beteiligen Sie sie Tochter bei der Vor- und Zubereitung der Mahlzeiten. Lassen Sie sie beim Einkaufen, beim Tischdecken zugucken. Lesen Sie ihr Bilderbücher vor, in denen es um Lebensmittel und gesundes Essen und Trinken geht.  


Ganz wichtig ist natürlich Ihr Vorbild. Lassen Sie Ihre Tochter bei den Mahlzeiten stets mit am Familientisch vor einem eigenen kindgerechten Gedeck und Besteck sitzen. Zeigen Sie ihr immer wieder ganz bewusst, wie viel Spaß Ihnen die Mahlzeiten machen und wie gut es Ihnen schmeckt.


Fast alle Kleinkinder lieben Fingerfood.


Manchmal kommt es nur auf die richtige „Verpackung“ bzw. das richtige „Versteck“ an:
Gemüse lässt sich z. B. gut in Suppen, Soßen oder auf der Pizza verstecken. Obst lieben die meisten Kinder im Milchshake, als Obstsalat mit Joghurt oder Sahne, als Obstschaschlik oder auf dem Pfannkuchen. Lassen Sie Ihre Fantasie spielen.


Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie Ihrer Tochter nur in Absprache mit dem Kinderarzt geben. Anhand einer Blutuntersuchung kann er feststellen, ob es bei einzelnen Nährstoffen eine Unterversorgung gibt.


Tipps und Informationen rund um eine gesunde Kinderernährung finden Sie in dieser Broschüre


Das beste Essen für Kleinkinder


sowie auch beim Netzwerk Gesund ins Leben


Wird "der Esstisch zum Stresstisch" hat vielen Eltern auch dieses Buch geholfen:
"Jedes Kind kann richtig essen", Annette Kast-Zahn, Hartmut Morgenroth, Annette Kast- Zahn, Oberstebrink Verlag


Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und verbleibe


Mit freundlichen Grüßen


Maren Krüger


Ernährungswissenschaftlerin

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