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Expertenforum: Säuglings- und Kinderernährung (0 - 10 Jahre)    «zurück

Frage von Annemierl am 15.06.2015 12:15 Uhr

Gebrühte Bratwurst ohne Erwärmen sicher?

Guten Tag,

Meine Tochter (2 Jahre) hat gestern von meiner Schwiegermutter 2 kalte (lt ihren Angaben
gebrühte) Kalbsbratwürste zu essen bekommen. Ich war zunächst irritiert, ich kenne diese
nur vom Grill, sie versicherte mir aber, dass man diese auch kalt (also weder im Wasser
erwärmt, noch gebraten oder gegrillt) essen kann, sie seien nicht roh sondern gebrüht. Nun
mache ich mir aber doch Gedanken, ob dies ohne Bedenken für ein Kleinkind so ist. Ich
achte eigentlich streng darauf, dass meine Kleine keinen Rohmilchkäse und keine rohen
wurstsorten isst.
Meine Fragen an Sie:
1. Halten sie den Verzehr der gebrühten Wurst für bedenklich?
2. Wie groß wäre die Gefahr durch eine Listerien oder Toxoplasmoseinfektion für eine 2
jährige?
3. wie lange sollte man auf rohe Milch / Fleisch verzichten?

Haben Sie vielen Dank für Ihre Rückmeldung

Expertenantwort von Claudia Thienel am 16.06.2015 12:13 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


vielen Dank für Ihren Beitrag.


Zu Ihrer 1. Frage: Brühwurst


Wenn es sich um eine gebrühte Wurst handelte, und darauf weist eine gräuliche Farbe hin, dann wurden die Zutaten bereits bei der Herstellung erhitzt und möglicherweise krankmachende Keime damit bereits abgetötet. Die Wurst war also dann nicht mehr roh und Sie brauchen Sie sich über eine mögliche Infektion keine Gedanken zu machen. Von einem hygienischen Umgang und entsprechender Kühlung der Wurst gehe ich natürlich aus.


Beobachten Sie Ihr Kind und stellen Sie es bei Anzeichen einer Lebensmittelinfektion dem Kinderarzt vor.


Zu Ihrer 2. Frage: Listerieninfektion oder Toxoplasmoseinfektion bei einem Kleinkind


Eine Brühwurst kann keine Toxoplasmoseerreger mehr enthalten. Eine Aufnahme von Toxoplasmoseerregern hätte auch keineswegs die gleichen Auswirkungen auf einen Säugling bzw. auf ein Kleinkind wie es sie auf ein ungeborenes Kind haben würde.


Mit Listerien kann eine Wurst auch nach dem Brühen wieder besiedelt werden. Hier kommt es auf eine hygienische Handhabe an. Direkt nach dem Öffnen der Verpackung ist die Wurst jedoch einwandfrei.


Damit es zu einer Erkrankung durch Listerien kommt, müssen diese in bestimmter Menge mit dem Lebensmittel gegessen werden. Zudem führt nicht jede Aufnahme von krankmachenden Keimen auch tatsächlich zu einer Infektion. Ein Kleinkind verfügt schon über eine eigene Immunabwehr, die sich mit möglichen Keimen auseinandersetzen kann. Das Kind könnte zwar erkranken, aber in der Regel bleibt die Krankheit ohne Folgen.


Zu Ihrer 3. Frage: Wie lange keine Rohmilch/ rohes Fleisch?


Hierzu die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Berlin:


„Zum Schutz vor den zum Teil schwer verlaufenden Lebensmittelinfektionen sollten besonders empfindliche Personengruppen, wie Kinder unter 5 Jahren, Schwangere, Senioren oder Personen mit geschwächtem Immunsystem, vom Tier stammende Lebensmittel grundsätzlich nicht roh verzehren. Meiden sollten sie daher den Verzehr von rohem Hackfleisch bzw. Hackepeter, Rohwurst, Rohmilch und Rohmilchkäse, rohem Fisch (z. B. Sushi) und bestimmten Fischereierzeugnissen (z. B. Räucherlachs und Graved Lachs) sowie rohen Meerestieren (z. B. rohe Austern)." Lesen Sie die komplette Information des BfR: Hackepeter und rohes Mett sind nichts für kleine Kinder!


Viele Tipps und praktische Informationen zur gesunden Ernährung Ihres Kindes bieten Ihnen die folgenden aid-Broschüren


Das beste Essen für Kleinkinder: Empfehlungen für die Ernährung von 1- bis 3-Jährigen


und unsere Rubrik „Spezielle Ernährungsinfos“ unter Infos für 1-3-Jährige


sowie das Netzwerk Junge Familie.


Bitte nutzen Sie bei weiteren Fragen auch unsere Suchefunktion.


Mit freundlichen Grüßen


Claudia Thienel, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin

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