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Barrierefreie Materialien

Mit den barrierefreien Versionen der Schülermaterialien können jetzt auch Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen und Einschränkungen den Ernährungsführerschein machen.

Kinder spielen das Spiel "Flüsterpost"
ehrenberg-bilder / AdobeStock

Die Unterlagen aus dem Bereich „Differenziert unterrichten“ bieten sprachbeeinträchtigten Schülerinnen und Schülern bereits eine gute Grundlage, die Aufgaben zum Ernährungsführerschein selbständig zu bearbeiten. Lehrkräfte finden dort viele Materialien in bearbeitbaren Formaten und können diese so individuell anpassen. Zusätzlich gibt es jetzt adaptierte Arbeitsunterlagen für Schülerinnen und Schüler mit einer Sinnesbehinderung. 

Modifikationen für den Förderschwerpunkt SEHEN

Für Lernende mit Sehbehinderung können Lehrkräfte passgenau eine Großdruckversion verwenden. Daneben gibt es eine Version für blinde Lernende und eine universell nutzbare barrierefreie digitale Version in HTML, die auch für Screenreadernutzer (Sprachausgabe) geeignet ist. Diese enthält Bilder, Bildbeschreibungen und Strukturierungen, sodass blinde, sehbehinderte und normalsichtige Schülerinnen und Schüler damit arbeiten können. Auf der Startseite wählen die Lernenden selbst zwischen der Schwierigkeit leicht, mittel und schwer. Zusätzlich stehen drei Kontrastschemata zur Auswahl: invers, Kontrast, Kontrast invers. 
Das Video zeigt exemplarisch, wie blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler Arbeitsplatz einrichten und lernen, einen Apfel zu schälen und zu schneiden.

Der Ernährungsführerschein: Schälen und Schneiden mit blinden und sehbehinderten Schülern  

Der Informationsfilm zeigt exemplarisch, wie blinde Kinder einen Apfel schälen und mit einem Messer klein schneiden. 

Modifikationen für den Förderschwerpunkt HÖREN

Für Lernende mit einer Hörschädigung wurden einige Schülermaterialien sprachlich modifiziert, um das Sprachverständnis aufgrund erschwerter Lautsprachentwicklung zu fördern. Da die Gebärdensprache oft primäres Kommunikationsmittel ist, werden zusätzlich Gebärden-Memospiele bereitgestellt. Beim Spielen üben die Lernenden die Namen wichtiger Arbeitsgeräte und Zutaten in der Gebärdensprache. Lehrende erhalten zusätzlich Gebärdensprach-Bilder für viele Zutaten und Arbeitsgeräte. Damit können sie einfach und schnell selbst Übungsmaterial erstellen. Diese Bilder eignen sich auch zum Schriftspracherwerb bei gebärdensprachorientieren Schülerinnen und Schüler. Einzelne Gebärden als „Geheimsprache“ zu lernen, motiviert sicherlich alle – nicht nur Schülerinnen und Schüler mit einer Hörschädigung!

 

Zur Entstehung der Modifikationen zum Ernährungsführerschein

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert, dass Produkte und Dienstleistungen im Sinne des universellen Designs so gestaltet sein sollen, dass sie alle Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design nutzen können. Diesem Anspruch folgend kam auf Initiative des Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg eine Kooperation mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) zustande. Das BZfE erteilte in der Folge dem Medienberatungszentrum für hochgradig sehbehinderte und blinde Schülerinnen und Schüler an der Schlossschule Ilvesheim¹ und dem Bildungs- und Beratungszentrum Stegen² den Auftrag, die Schüler-Materialien des Unterrichtskonzeptes „Der Ernährungsführerschein“ an die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit einer Sinnesbehinderung anzupassen.

1Schloss-Schule Ilvesheim sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Internat mit Förderschwerpunkt Sehen

2 Bildungs- und Beratungszentrum Stegen sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Internat mit Förderschwerpunkt Hören


Michael Schäffler, Stefan Kopp, Dr. Ingrid Brüggemann

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Fragen und Antworten

Was ist bei der Material-Adaption für Sehbehinderte und Blinde wichtig?

Für Lernmaterial, das im Sinn des universellen Designs gestaltet ist, gelten folgende sieben Kriterien. Adaptiert wurden ausschließlich die Unterlagen aus dem Ringordner „Der Ernährungsführerschein“.

  1. Textinhalte liegen als editierbarer Text vor und nicht als Grafik. Sie sind somit für Screenreader/Sprachausgaben lesbar.
  2. Die semantisch richtige Abfolge von Textblöcken wird konsequent linear wiedergegeben. Die logische Lesereihenfolge muss insbesondere im Quelltext eingehalten werden.
  3. Strukturen werden semantisch ausgezeichnet, z.B. Überschriften, Listen und Seitenzahlen.
  4. Text und Layout liegen getrennt vor, damit sich das Layout (Schrift, Farbe, etc.) leicht individuell anpassen lässt.
  5. Grafische Inhalte liegen aufgrund der besseren Anpassbarkeit möglichst als Vektorgrafiken vor. Pixelgrafiken müssen in guter Auflösung mit ausreichendem Kontrast zur Verfügung gestellt und relevante Elemente zur besseren Unterscheidung kontrastreich eingefärbt sein. Grundsätzlich werden grafische Inhalte mit Bildbeschreibungen versehen.
  6. Die Dokumentensprache wird, nachdem sie festgelegt wurde, konsequent eingehalten. Metadaten zum Dokument sind verfügbar.
  7. Steuerung und Bearbeitung sind durchgängig mit der Tastatur möglich.

Welche Material-Anpassungen sind bei Hörschädigungen erforderlich?

Schülerinnen und Schüler mit einer Hörschädigung haben häufig unterschiedliche Schwierigkeiten hinsichtlich ihrer Lautsprachentwicklung und damit verbunden auch mit dem Sprachverständnis in der Laut- und Schriftsprache. Dadurch kann es gerade bei schriftlichen Aufgaben zu sprachlichen Barrieren kommen. Die Schülerinnen und Schüler sind fachlich durchaus in der Lage eine Aufgabe zu bearbeiten. Jedoch verhindert manchmal die Art und Weise der sprachlichen Darstellung das Verstehen und kompetente Handeln.

Sprachbarrieren können auf der Wort-, Satz- und Textebene entstehen:

  1. Auf der Wortebene sollten Fremdwörter und Wörter der gehobenen Standardsprache durch alltäglich verwendete Begriffe ersetzt werden. Dabei gilt es, das Fachvokabular zu erhalten und den Lernenden gezielt zu vermitteln.
  2. Auf der Satzebene werden lange Sätze durch mehrere kurze Sätze ersetzt und Passivkonstruktionen vermieden.
  3. Das Verständnis auf der Textebene kann durch eine klare Gliederung des Textes in Sinnabschnitte und durch Zwischenüberschriften unterstützt werden.

Nach diesen Kriterien wurden alle Schülermaterialien zum Ernährungsführerschein überprüft und bei Bedarf für lautsprachlich schwache Lernende modifiziert.

Darüber hinaus wurden Gebärdenbilder erstellt und daraus Materialien entwickelt. Diese eignen sich zum Erwerb der Gebärdensprach-Vokabeln oder der Schriftsprache. Die verwendeten Gebärdensprachbilder wurden vom Gebärden-Arbeitskreis der LVR-Max-Ernst-Schule, Euskirchen übernommen. Sie sind dem "Großen Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache", Karin Kestner Verlag, entnommen.

 

Schriftzug Webinar
Ivelin Radkov / Fotolia.com

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