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Foodsharing

Essen retten, Essen teilen und auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen, das ist die Idee des Foodsharings.

Foodsharing gerettete Lebensmittel
Carmen Menn, Bonn

„Brot und Obst im Fair-Teiler - holt es schnell, damit es nicht zu lange in der Hitze steht!“, so lautet ein öffentlicher Beitrag auf der Online-Pinnwand der Plattform foodsharing.de. Die Internetseite ist das soziale Netzwerk der Foodsharer. Hier werden überschüssige Lebensmittel kostenfrei mit anderen geteilt.

Wie funktioniert Foodsharing?

Auf der Online-Plattform foodsharing.de können Privatpersonen einen eigenen Account als Foodsharer anlegen und ihre Lebensmittelreste als so genannte Essenskörbe öffentlich inklusive Ortsangabe anbieten. Diese virtuellen Essenskörbe werden auf einer Landkarte angezeigt. Wer sich für das Angebot interessiert, kann den Besitzer des Essenskorbes anschreiben, anrufen oder direkt besuchen. Die Lebensmittel werden immer kostenfei abgegeben.

Karte Foodsharing Lager der Essenskörbe und Fair-Teiler Europa
Übersicht über die Lage der Essenskörbe (grün) und Fair-Teiler (gelb) in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf foodsharing.de.

Wer Lebensmittel übrig hat, kann sie auch in so genannte Fair-Teiler legen. Das sind öffentlich zugängliche Kühlschränke oder Boxen, in denen gerettete Lebensmittel zum Tausch zwischengelagert werden. Sobald jemand etwas in einen Fair-Teiler gelegt hat, teilt er dies in einem Beitrag auf der Online-Pinnwand von foodsharing.de mit. Jeder darf sich kostenfrei am Fair-Teiler bedienen.

Neben den Foodsharern, die Lebensmittel aus ihrem Privathaushalt mit anderen teilen, gibt es die Foodsaver (Lebensmittelretter). Foodsaver arbeiten ehrenamtlich im Auftrag einer regionalen foodsharing-Gruppe. Sie holen überschüssige Lebensmittel bei kooperierenden Lebensmittelunternehmen ab und verteilen sie entweder an gemeinnützige Einrichtungen, an Privatpersonen oder legen sie in Fair-Teiler.

Wie eine Lebensmittelrettung aussieht, zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Wir haben zwei Foodsaverinnen bei ihrer Arbeit begleitet.

Foodsaver im Einsatz

Foodsharing Lebensmittelabholung beim Supermarkt
Aussortierte Lebensmittel beim Supermarkt
Jeden Tag mustern Supermärkte bestimmte Lebensmittel aus ihren Regalen aus. Das sind Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum, Obst und Gemüse mit Macken oder unverpacktes Brot und Backwaren vom Vortag. Damit diese Lebensmittel nicht im Müll landen, holen Foodsaver die Produkte bei ihren Kooperationsbetrieben ab. Mit der Abnahme der Lebensmittel übernehmen die Foodsaver die volle Verantwortung für deren weitere Verwendung.
Foodsharing Lebensmittel sortieren und verpacken
Lebensmittel sortieren und einpacken
Die Foodsaver begutachten die ausgemusterten Lebensmittel und sortieren sie. Nur Lebensmittel, die noch unbedenklich verzehrt werden können, werden mitgenommen. Produkte mit abgelaufenem Verbrauchsdatum und angeschimmelte Lebensmittel gehören in den Müll, kühlpflichte Produkte in eine Kühltasche. Nicht geteilt werden dürfen: Mett, Hackfleisch, nicht erhitzte Rohmilch, Alkohol und Speisen mit rohem Ei.
Foodsharing Lebensmittel-Transport zu sozialer Einrichtung
Transport zu sozialen Einrichtungen
Die Foodsaver transportieren einen Teil der geretteten Lebensmittel zu karitativen Einrichtungen wie Senioren-, Flüchtlings- oder Obdachlosenheime. Diese Einrichtungen stellen einen Platz - den Fair-Teiler - für die geretteten Lebensmittel in ihrem Haus zur Verfügung. Aus Hygienegründen teilen die Foodsaver in diesen Einrichtungen nur unbedenkliche Produkte wie unverarbeitetes Obst, Gemüse oder Brot.

 

Foodsharing Lebensmittelangebot im Fair-Teiler in sozialer Einrichtung
Lebensmittel im Fair-Teiler
Die Fair-Teiler in den karitativen Einrichtungen sind Kisten oder Schränke, in denen die geretteten Lebensmittel den Bewohnern kostenlos zur Verfügung stehen. In Senioreneinrichtungen nutzen die Senioren gerne ein solches Angebot. Teilweise haben sie in ihren Zimmern eigene Küchen und bereiten sich täglich ihre Mahlzeiten aus geteiltem Obst und Gemüse zu.
Foodsharing Hinweisschild Fair-Teil-Stelle in sozialer Einrichtung
Hinweis Fair-Teil-Stelle
In einem Fair-Teiler werden Lebensmittel nur zum privaten häuslichen Gebrauch kurzfristig gelagert. Privatpersonen, die den Fair-Teiler nutzen, tauschen dort Lebensmittel, die ausschließlich für den privaten häuslichen Gebrauch gedacht sind auf eigenes Risiko untereinander.

 

Die Initiative foodsharing

Plakat vom Foodsharing e. V. 2016
Plakat von foodsharing

Seit 2012 gibt es die Initiative foodsharing, die der Kölner Filmemacher Valentin Thurn nach seiner Dokumentation "Taste The Waste" zum Thema Lebensmittelverschwendung ins Leben rief. Seine Idee: übriggebliebene Lebensmittel mit anderen privat teilen, statt sie wegzuwerfen. Eine ähnliche Bewegung - die Foodsaver (Lebensmittelretter) - entwickelte sich damals in Berlin. Deren Pionier Raphael Fellmer sprach damals Supermärkte an, um aussortierte Lebensmittel legal zu erhalten, anstatt die Lebensmittel illegal aus den Mülltonnen der Supermärkte zu retten.

Foodsharer und Foodsaver haben sich 2014 zusammengeschlossen und agieren seitdem gemeinsam als Foodsharing e. V. Und das sehr erfolgreich: Das foodsharing-Netzwerk wächst kontinuierlich, national und international. Im November 2017 verzeichnete der Verein Foodsharing e. V. in Deutschland, Österreich und der Schweiz 31.606 aktive Lebensmittelretter (Foodsaver), die mit über 3.851 Lebensmittelbetrieben kooperieren. Die Foodsharer sammeln übriggebliebene Lebensmittel bei Supermärkten, Bäckereien oder Kantinen ein und geben die Lebensmittel geldfrei an soziale Einrichtungen oder öffentliche Verteilstellen.

Dieses ehrenamtliche Engagement gegen Lebensmittelverschwendung wurde 2016 vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung mit dem „Zu gut für die Tonne“-Bundespreis in der Kategorie Gesellschaft und Bildung ausgezeichnet. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung kürte foodsharing zudem als "Projekt Nachhaltigkeit 2017".

Foodsharing versteht sich als unabhängige, unparteilische, allgemeinnützige Initiative, die das Ziel der Vereinten Nationen, die Verringerung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 50 %, erreichen möchte. So fordert foodsharing ein gesetzlich festgelegtes Wegwerfverbot von Lebensmitteln für Supermärkte und eine transparente Lebensmittelkette in Deutschland. Foodsharing möchte für mehr Bewusstsein sorgen, dass alle etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun können.

EU-Leitlinien für Lebensmittelspenden

Im Oktober 2017 veröffentlichte die Europäische Kommission erstmals Leitlinien für Lebensmittelspenden innerhalb der EU. Zielgruppe sind Unternehmer der gesamten Lebensmittelkette, die überschüssige Lebensmittel unentgeltlich an die Öffentlichkeit abgeben. Das Spenden von Lebensmitteln gilt als Inverkehrbringen und unterliegt somit dem allgemeinen Lebensmittelrecht. Die verteilten Lebensmittel müssen für den menschlichen Verzehr geeignet sein und alle Vorgaben der Lebensmittelsicherheit erfüllen. Somit gelten auch für unentgeltlich abgegebene Lebensmittel die EU-Lebensmittelhygienevorschriften. Die neuen Leitlinien informieren genau, wer als Lebensmittelunternehmer gilt und welche Aufgaben und Pflichten die Akteure der Lebensmittelumverteilung haben.

Quelle: ec.europa.eu (EU-Leitlinien für Lebensmittelspenden, PDF, 51 Seiten, 869 KB)

Aktives Netzwerk aus regionalen foodsharing-Gruppen

In Deutschland gibt es viele eigenständige foodsharing-Gruppen, die von so genannten Botschaftern koordiniert werden. Die ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden Botschafter sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, arbeiten Foodsaver ein, organisieren regelmäßige Treffen und Veranstaltungen, überprüfen die Einhaltung der foodsharing-Regeln und koordinieren die Zusammenarbeit mit ausgesuchten Lebensmittelbetrieben.

Zurzeit findet in der foodsharing-Community eine Umstrukturierung und Dezentralisierung statt. In den größeren Städten werden eigenständige Foodsharing-Vereine gegründet, die selbstorganisiert arbeiten sollen. Als Vereine können sie professioneller arbeiten, Spenden sammeln und Fördergelder beantragen. Der bestehende Verein Foodsharing e. V. soll bis Ende 2018 ein Bundesverband werden.

foodsharing kooperiert mit den Tafeln

Seit 2015 arbeiten foodsharing und die Tafeln als Partner zusammen, denn sie verfolgen das gleiche Ziel: Lebensmittelverschwendung vermeiden. Allerdings unterscheiden sich die Initiativen in einigen Punkten: Die Tafeln sammeln große Mengen an Lebensmitteln vorrangig bei großen Lebensmittelbetrieben ein und geben sie an ausschließlich Bedürftige ab, unentgeltlich oder gegen einen geringen Kostenbeitrag. Die Tafeln werden rechtlich als Lebensmittelbetrieb eingestuft und müssen daher die Bestimmungen der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) und das Infektionsschutzgesetz beachten.

foodsharing sammelt hingegen geringere Mengen an Lebensmitteln bei kleineren inhabergeführten Lebensmittelbetrieben ein und verteilt sie kostenfrei an soziale Einrichtungen oder über öffentliche Verteilstellen. Die Initiative foodsharing arbeitet geldfrei und achtet darauf, nicht als Lebensmittelbetrieb eingestuft zu werden, da damit arbeits- und kostenintensive Auflagen wie die Dokumentation der Hygienemaßnahmen verbunden sind. Grundsätzlich achtet foodsharing sehr bewusst auf Hygiene bei der Lebensmittelrettung und -verteilung und lässt sich von Lebensmittelkontrolleuren beraten.

Pressemitteilung: Bundesverband Deutsche Tafel und foodsharing kooperieren (29.04.2015)

Warum überhaupt Foodsharing? 

Im Durchschnitt wirft jeder von uns 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr in den Müll. Darunter befinden sich viele Produkte, die noch essbar wären. Wir werfen Lebensmittel weg, weil sie nicht mehr schön aussehen, das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, weil wir zu viel eingekauft haben oder wir keine Lust mehr auf das Lebensmittel haben.

foodsharing macht auf diese Verschwendung aufmerksam, regt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen an und bietet mit foodsharing.de eine Tauschplattform für übriggebliebene Lebensmittel.

Weitere Informationen zu Foodsharing

Welche Vorteile haben Lebensmittelbetriebe, wenn sie Lebensmittel teilen?

  • Einsparung von Kosten für die Müllentsorgung
  • Einsparung der Arbeit für die Entsorgung der aussortierten Lebensmittel. Foodsaver übernehmen das Sortieren der gespendeten Lebensmittel, sowie die Entsorgung des anfallenden Mülls.
  • Imagepflege durch sinnvollen Umgang mit aussortierten Lebensmitteln
  • Foodsaver nehmen grundsätzlich alles an und sortieren selbst aus; also auch genießbare Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, Milchprodukte sowie Waren mit beschädigten oder offenen Verpackungen.
  • Foodsaver sind jederzeit, auch kurzfristig, abholbereit. Sie können auch am Wochenende, an Feiertagen, spät abends, nachts und früh morgens (auch bei Ausfall der Tafeln und unerwarteten Vorfällen, Kühlanlagenausfall, falsche Lieferung usw.) zeitnah nach Anruf einspringen.
  • Die Lebensmittelspende bleibt durch den Haftungsausschluss, den alle Foodsaver mit der Anmeldung akzeptieren, ohne rechtliche Konsequenzen für den Betrieb.

Quelle: https://wiki.foodsharing.de

Wie kann ich als Lebensmittelbetrieb mit foodsharing kooperieren?

foodsharing kooperiert ausschließlich mit kleinen, inhabergeführten Lebensmittelbetrieben wie Supermarktfilialen, Bäckereien, Obst-Gemüsehändlern, Restaurants, Kantinen, Catering-Services, Cafés, Bauernhöfen etc. Für größere Betriebe sind die Tafeln zuständig. Wenn Sie als Betriebsinhaber ihre aussortierten Lebensmittel an foodsharing weitergeben möchten, dann melden Sie sich am besten bei einer foodsharing-Gruppe in ihrer Region oder bei Foodsharing e. V. Nach dem Erstkontakt wird Ihrem Betrieb ein Foodsaver zugeordnet, der mit Ihnen die Kooperation besprechen wird. Besprochen wird, welche Lebensmittel wann und wo abgeholt werden sollen. Der Foodsaver übernimmt jegliche Haftung, sodass die Lebensmittelspende für den Lebensmittelbetrieb ohne rechtliche Konsequenzen bleibt.

Wie kann ich als Privatperson Lebensmittel über foodsharing.de teilen?

Wer als Privatperson Lebensmittel teilen möchte, meldet sich zunächst auf der Online-Plattform foodsharing.de als Foodsharer an. Für eine erfolgreiche Anmeldung benötigt man eine E-Mail-Adresse und ein Passwort. Sobald man per Mausklick die Datenschutzbestimmungen und die Rechtsvereinbarung von foodsharing zur Kenntnis genommen hat kann man nun das eigene Lebensmittelangebot als so genannter Essenskorb auf der foodsharing-Plattform eintragen.

Wie finde ich eine foodsharing-Gruppe in meiner Stadt/meinem Ort?

Sehr aktive foodsharing-Gruppen verfügen über einen eigenen Facebook-Account, worüber man sie erreichen kann. Am besten sucht man in einer Internet-Suchmaschine mit den Suchbegriffen foodsharing und Namen des eigenen Ortes.

Alternativ kann man an info@foodsharing.de eine E-Mail schreiben und nach einer foodsharing-Gruppe in dem gesuchten Ort fragen.

Wie kann ich Foodsaver (Lebensmittelretter) werden?

Ein Foodsaver sammelt im Auftrag von foodsharing Lebensmittel bei kooperierenden Lebensmittelbetrieben ein und verteilt sie. Wer Foodsaver werden möchte, sollte sich zunächst über die Aufgaben, Rechte und Pflichten eines Foodsavers kundig machen. Alle nötigen Infos dazu findet man auf https://wiki.foodsharing.de/Hauptseite im Abschnitt "Foodsaver".

Nach der Einarbeitung ins Thema muss jeder Foodsaver-Bewerber ein Quiz absolvieren, in dem das nötige Fachwissen abgefragt wird. Wenn das Quiz bestanden ist, meldet sich ein/eine Botschafter/in, um ein erstes Treffen zu vereinbaren. Zusammen mit der/dem Botschafter/in nimmt der künftige Foodsaver an drei Lebensmittelabholungen teil und lernt dabei was alles im Umgang mit den Betriebsverantwortlichen und den Lebensmitteln zu beachten ist. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind dabei genauso wichtig wie das Verständnis für die Thematik und die soziale Verantwortung.

Verliefen diese Abholungen ordnungsgemäß, unterschreibt der neue Foodsaver die Rechtsvereinbarung von foodsharing und erhält einen eigenen Foodsaver-Ausweis. Nun kann der neue Foodsaver eigenständig in Absprache mit seiner/seinem Botschafter und anderen Foodsavern Lebensmittel retten.

Autorin: Carmen Menn, Bonn

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