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Haushaltsnahe Dienstleistungen gerecht entlohnen

Wer wünscht sie sich nicht: die zuverlässige Perle, die die lästige Hausarbeit, insbesondere das Putzen übernimmt.

Ein Fensterputzer wischt über ein eingeschäumtes Fenster
matspersson0 / istockphoto.com

(BZfE) – Wer wünscht sie sich nicht: die zuverlässige Perle, die die lästige Hausarbeit, insbesondere das Putzen übernimmt. 70 bis 80 Prozent aller privaten Haushalte würden laut Umfragen gerne eine solche Dienstleistung vergeben. Seit Jahren übersteigt die Nachfrage nach solchem Service- und Assistenzpersonal das tatsächliche Angebot, sofern es sich um legal steuerpflichtig Beschäftigte handelt. Vermittlungsplattformen wie Helpling & Co. versprechen Abhilfe. Hier können Suchende sich auf den Kalendern von Haushaltshelfenden direkt einloggen und stundenweise eine Arbeitskraft buchen. Was einfach und praktikabel klinge, behebe den vorhandenen Mangel in diesem Arbeitsmarktsegment nicht und habe in der Praxis fatale Folgen für diejenigen, die auf diese Weise ihre Arbeitskraft anbieten, erläuterte Professor Dr. Ute Meier-Gräwe von der Universität Gießen die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung dazu.

Die Ergebnisse stellte die Vortragende auf der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft im Frühjahr 2018 in Stuttgart vor. Laut Meier-Gräwe habe sich durch die Vermittlungsplattformen der Trend zu mehr prekären und atypischen Arbeitsverhältnissen beziehungsweise zu unwirtschaftlicher Scheinselbständigkeit im Niedriglohnsegment der hauswirtschaftlichen Hilfskräfte verstärkt. So blieben selbstständigen Dienstleistern nach Abbuchung der Vermittlungspauschale für die Plattform im Schnitt rund 5,50 Euro pro Stunde. Von diesem Betrag abzuziehen seien dann noch die eigenen Versicherungskosten für Krankenversicherung usw. Am Ende erwirtschafteten Servicekräfte so einen Stundenlohn weit unterhalb des Mindestlohns in Höhe von derzeit 8,84 Euro. Obwohl „On-Demand-Firmen“ angeben, auf Qualifikation und Zuverlässigkeit zu achten, bestünden in der Praxis massive Qualitätsprobleme und eine hohe Fluktuation bei den Reinigungskräften. Suchende hätten außerdem das Problem, dass die Servicekräfte um über die Runden zu kommen, so viele Aufträge annehmen müssten, dass sie diese nur unzureichend ausführen könnten.

Als Ausweg aus diesem Dilemma, schlägt Meier-Gräwe ein Modell vor, dass in Belgien seit 2004 erfolgreich funktioniert. Dort können private Haushalte Gutscheine für haushaltsnahe Dienstleistungen bei den kommunalen Verwaltungen erwerben und diese dann bei einem lokalen, zertifizierten Dienstleister einlösen. Der belgische Staat bezuschusst die Schecks und übernimmt die Sozialabgaben für die bei solchen Dienstleistern Beschäftigten. Auf diese Weise sei, so berichtete Meier-Gräwe weiter, in Belgien der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen in Schwarzarbeit innerhalb eines Jahres nahezu ausgetrocknet worden. In Baden-Würtemberg starte gerade ein Modellversuch, um ein ähnliches Modell zu testen. Meier-Gräwe hofft im Sinne derjenigen, die haushaltsnahe Dienstleistungen suchen und verrichten, dass weitere Bundesländer diesen Weg ebenfalls einschlagen.

Ute Gomm, www.bzfe.de

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