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Kindermarketing im Internet nimmt zu

Kinder kommen täglich zwischen acht und 22 Mal mit Online-Werbeaktivitäten von Lebensmittelproduzenten in Kontakt.

Lachende Kinder, die Obst hochhalten
Marco Herrndorff - Fotolia.com

(BZfE) – Die Diskussion um Kinderlebensmittel beschränkt sich überwiegend auf den Bereich der offline-Welt. Dr. Thomas Effertz von der Universität Hamburg hat für die AOK speziell die Online-Welt untersucht und findet „ein kritisch hohes Ausmaß von Kindermarketing im Internet vor“. Die Freiwilligenverpflichtung der Ernährungsindustrie (EU-Pledge) bleibt nach seiner Analyse „wirkungslos“.

Kinder kommen täglich zwischen acht und 22 Mal mit Online-Werbeaktivitäten von Lebensmittelproduzenten in Kontakt. Die digitale Welt bietet spezielle Elemente für Minderjährige an, Chips, Energydrinks und Schokolade zu konsumieren, fasst der Bundesverband der AOK zusammen. Firmen, die im Rahmen des EU-Pledges freiwillig auf Kindermarketing verzichten, weichen offenbar gezielt in die digitale Welt aus. Die Firmen haben sich laut AOK professionell mit dem sozialen Netzwerk verbunden und erreichen über Empfehlungen an Freunde eine hohe Reichweite der Produktplatzierung.

Dr. Kai Kolpatzik ist Abteilungsleiter Prävention bei der AOK. Er warnt: „Junge Menschen sind heute überall und jederzeit erreichbar und damit ein Stück weit der Industrie und ihren Tricks ausgeliefert.“

Der direkte Kaufappell gegenüber Kindern ist übrigens unzulässig. Beim Verband der deutschen Lebensmittelhersteller BLL heißt es dazu: „Über das gesetzliche Verbot der direkten Kaufaufforderung hinaus darf an Kinder gerichtete Werbung, gemäß der Regeln des Deutschen Werberates, auch keine direkten Aufforderungen zum Konsum enthalten wie z. B. „Probier doch mal“. Die Regelungen des Werberates besagen außerdem, dass Werbung auch keine direkte Aufforderung an Kinder enthalten darf, ihre Eltern, sonstige Erwachsene oder andere Kinder zum Kauf des beworbenen Produkts zu bewegen.“

Wo die Einen also eine Chance zur (rechtlich legitimen) Verkaufsförderung sehen, scheiden sich auf der anderen Seite die Geister, was das „gesunde Maß“ zwischen rechtlich legitimer Werbung und Kinderschutz ist. Man darf gespannt sein, wie diese Diskussion weitergeht.

Roland Krieg und Harald Seitz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

Die Studie und Präsentationsfolien der Universität auf der Presseveranstaltung finden Sie auf http://aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2017/index_18508.html

Statement zum Thema Werbung des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL): https://www.bll.de/de/lebensmittel/werbung

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