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Macht Landleben dick?

Übergewicht und Adipositas nehmen auf dem Land offenbar stärker zu als in der Stadt.

Liegestuhl auf der Wiese
Stefan Körber / Fotolia.com

(BZfE) – Übergewicht und Adipositas nehmen auf dem Land offenbar stärker zu als in der Stadt. Das hat eine internationale Studie unter Leitung des Imperial College London aufgedeckt. Wissenschaftler hatten Daten von über 112 Millionen Erwachsenen aus 200 Ländern über den Zeitraum von 1985 bis 2017 ausgewertet.

Die Wissenschaftler nutzten den Körpermassenindex (BMI) zur Einschätzung des Körpergewichts. Er wird aus dem Verhältnis von Gewicht (in kg) zur Körpergröße (in m zum Quadrat) berechnet. Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von starkem Übergewicht (Adipositas). Die Analyse der Daten zeigte, dass sich der durchschnittliche BMI in den Jahren 1985 bis 2017 bei Frauen um 2,0 und bei Männern um 2,2 erhöht hat. Das bedeutet: Erwachsene sind heute durchschnittlich um fünf bis sechs Kilogramm schwerer als in den 1980er Jahren.

Mehr als 55 Prozent der weltweiten Zunahme des BMI war auf den Anstieg übergewichtiger Menschen in ländlichen Regionen zurückzuführen; in einigen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu über 80 Prozent.

Für diese Entwicklung gibt es einige mögliche Erklärungen. Noch im Jahr 1985 hatten Städter in einem Großteil der Länder einen höheren Körpermassenindex als Menschen auf dem Land. Das urbane Leben war mit einem Lebensstil verbunden, der ein zu hohes Körpergewicht förderte. Das ist heutzutage nicht mehr der Fall. Inzwischen hat sich die Lücke vielerorts geschlossen oder die Situation sogar umgekehrt. Denn Städte bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Oft sind solche Angebote auf dem Land schwerer zu finden. In Ländern mit einem geringen und mittleren Einkommen ist auf dem Land die Infrastruktur besser und die Landwirtschaft moderner geworden, schreiben die Autoren im Fachjournal „Nature“. Das führt aber auch zu weniger körperlicher Arbeit, einem geringeren Energieverbrauch und unter Umständen zu einer ungesünderen Ernährung, was zu einem BMI-Anstieg beitragen kann. Allerdings sollen weitere Untersuchungen folgen, um die Hintergründe aufzuklären.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1038/s41586-019-1171-x

www.uniklinik-ulm.de

www.i-med.ac.at

http://www.ncdrisc.org

BMI-Rechner: Bin ich übergewichtig?
https://www.bzfe.de/inhalt/bmi-rechner-5423.php

https://www.bzfe.de/inhalt/uebergewicht-3173.html

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