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Ein GDM kann mit einer konsequenten Ernährungsumstellung gut behandelt werden. Voraussetzung ist eine motivierende Beratung, die auf den persönlichen Alltag der Schwangeren ausgerichtet ist.

Schwangere schneidet Gemüse
Anna Om / Adobe Stock

Mit der Diagnose Gestationsdiabetes (GDM) findet das unbeschwerte Lebensgefühl in der Schwangerschaft für viele Schwangere ein beunruhigendes Ende. Die frohe Erwartung eines Kindes weicht den Sorgen um das Ungeborene und um sich selbst. Fragen und Unsicherheiten in einer sehr sensiblen Lebensphase müssen einfühlsam und mit viel Stärkung und positiver Unterstützung aufgefangen werden.

Gestationsdiabetes – Das Krankheitsbild

Der Gestationsdiabetes mellitus (als Schwangerschaftsdiabetes bekannt) ist eine in der Schwangerschaft auftretende Störung der Glucosetoleranz, die sich in der Regel nach der Geburt wieder zurückbildet.

Es handelt sich um die am häufigsten auftretende Komplikation im Verlauf einer Schwangerschaft. In Deutschland tritt der GDM mit einer Prävalenz von 5,4 % auf. Die Tendenz für diese Diagnose steigt, da Alter und Gewicht werdender Mütter bei Eintritt in die Schwangerschaft in den vergangenen Jahren gestiegen sind.

Seit 2012 ist in Deutschland das Screening auf GDM eine Pflichtleistung in den Mutterschaftsrichtlinien.

Sicher bis zur Entbindung – und darüber hinaus

Ein GDM kann in der Regel durch eine konsequente Ernährungs- und Bewegungsumstellung therapiert werden. In der Ernährungstherapie lernt die Schwangere, ihre Lebens- und Essgewohnheiten zu überprüfen und über den Entbindungstermin hinaus nachhaltig zu verbessern. Dazu gibt die Beratungsfachkraft Hilfestellung und Tipps.

Die Ziele der Ernährungstherapie (gemäß aktueller S3 Leitlinie GDM):

  • Die Blutzuckerwerte müssen im Blick behalten, regelmäßig kontrolliert und wenn nötig rasch verbessert werden. Sie sollen in einem normnahen, der Schwangerschaft entsprechenden spezifischen Wert liegen.
  • Das Gewicht soll beobachtet und eine kontrollierte Gewichtszunahme eingehalten werden.
  • Die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten werden beobachtet und optimiert.
  • Das Wachstum des ungeborenen Kindes soll den normalen Verlauf nehmen.

Für eine erfolgreiche Beratung ist es wichtig, die bisherigen Essgewohnheiten der Schwangeren, ihr Körpergewicht und den soziokulturellen Status zu beachten. Ziel ist eine aktive Unterstützung des Selbstmanagements. Ein wichtiger Bestandteil ist das Erlernen der Blutglucoseselbstkontrolle und das Einschätzen der Auswirkung von Mahlzeiten auf den Blutglucosespiegel.

Auszug aus dem Beratungsmaterial

Empfehlung zu Kohlenhydraten

Das Medienpaket Ernährungstherapie bei Gestationsdiabetes liefert umfangreiche Hintergrundinfos und Materialien zur erfolgreichen Beratung von Schwangeren, bei denen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde. Dieses Beispiel zeigt, wie das zentrale Thema Kohlenhydrate mithilfe des Materials umgesetzt werden kann:

Botschaften an die Patientin:

  • Kohlenhydrate sind besonders wichtig im Hinblick auf einen guten Blutglucosespiegel
  • Kohlenhydrate sollen nicht komplett gemieden werden, sie sind wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung
  • Entscheidend sind die Qualität und die Menge der gegessenen Kohlenhydrate

Übung mit Karten:

Smiley-Karten veranschaulichen die Blutzuckerwirkung unterschiedlicher Lebensmittel:

  • = langsamer Blutglucoseanstieg („sickert“ ins Blut) ⇒komplexe Kohlenhydrate in stärkehaltigen, ballaststoffreichen Lebensmitteln
  • = mäßiger Blutglucoseanstieg („fließt“ ins Blut) ⇒komplexe Kohlenhydrate in stärkehaltigen, ballaststoffarmen Lebensmitteln
  • = schneller Blutglucoseanstieg („schießt“ ins Blut) ⇒ einfache Kohlenhydrate aus z. B. Obst, Fruchtsäften, zuckerhaltigen Getränken, Süßigkeiten

Zusammen mit den Begriffkarten (Einfache Kohlenhydrate, Komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe) und den Lebensmittelfotokarten kann mit der Patientin ein Überblick über die kohlenhydratreichen Lebensmittel erarbeitet werden.

Ablauf:

Schritt 1: Um die komplexen Kohlenhydrate zu besprechen, legen Sie zuerst die Begriffskarte „komplexe Kohlenhydrate (z. B. Stärke)“ auf den Tisch.

Schritt 2: Wählen Sie aus den Lebensmittelfotokarten solche aus, die komplexe Kohlenhydratebeinhalten, z. B. Mischbrot, weißer Reis, Kartoffeln, und legen diese zur Begriffskarte.

Schritt 3: Um die Blutglucosewirksamkeit zu verdeutlichen, ordnen Sie die Smileykarte „neutraler Smiley“ dazu und erklären Sie, dass der Blutzuckeranstieg langsamer und nicht so ausgeprägt ist.

Schritt 4: Besprechen Sie jetzt, dass es Nahrungsbestandteile gibt, die die Verdauung komplexer Kohlenhydrate weiter verlangsamt und so der Blutzuckeranstieg noch weniger ausgeprägt ist. Legen Sie dazu die zweite Begriffskarte „komplexe Kohlenhydrate (z. B. Stärke)“ zusammen mit der Begriffskarte „Ballaststoffe“ auf den Tisch.

Schritt 5: Wählen Sie Beispiele aus den Lebensmittelfotokarten, z. B. Vollkornerzeugnisse, Hülsenfrüchte, Gemüse und sortieren diese den Begriffskarten zu. Abschließend legen Sie die Smileykarte „lächelnder Smiley“ dazu und erläutern die Vorteile von Ballaststoffen auf den Blutglucosespiegel.

Schritt 6: Setzen Sie die Übung fort mit der Begriffskarte „einfache Kohlenhydrate (z. B. Fruchtzucker)“, mit den Lebensmittelfotokarten, z. B. Saft, Honigmelone, Kirschen, Banane, Süßgetränke und der Smileykarte „trauriger Smiley“. Gehen Sie vor wie in Schritt 1–3.

Schritt 7: Abschließend wird auch bei den einfachen Kohlenhydraten auf die Ballaststoffe und deren positive Eigenschaften eingegangen. Hierzu gehen Sie vor wie in Schritt 5, jetzt aber mit den Begriffskarten „einfache Kohlenhydrate (z. B. Fruchtzucker)“, „Ballaststoffe“ und den entsprechenden Lebensmittelfotokarten (Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren) sowie der Smileykarte „neutraler Smiley“.

Ermuntern Sie Ihre Patientin, eigenständig die Fotokarten mit Lebensmittelbeispielen den Begriffskarten zuzuordnen. Im nächsten Schritt bewertet die Patientin die Lebensmittel nach ihrer Blutglucosewirksamkeit, indem sie die Smiley-Karten verteilt. Bieten Sie bei Bedarf oder Unsicherheit Ihre Unterstützung an.

Schwangerschaftsdiabetes nicht auf die leichte Schulter nehmen

Ein Schwangerschaftsdiabetes muss immer behandelt und in regelmäßigen Abständen ärztlich kontrolliert werden. Unbehandelt drohen Akut- und Folgeschäden bei der Mutter als auch beim Kind.

Risiken für das Kind:

Risiken für die Mutter:

Akut

Langfristig

Akut

Langfristig

Erhöhtes Geburtsgewicht (Makrosomie)

Entwicklung von Übergewicht

Harnwegsinfektionen

Entwicklung einer Zuckertoleranzstörung

Vermehrte Bildung
von Fruchtwasser

Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2

Schwangerschafts-bluthochdruck

Entwicklung eines Diabetes mellitus

Geburtskomplikationen

 

Frühgeburt/
Kaiserschnitt

Entwicklung einer Depression nach Entbindung

Anpassungsstörungen nach der Geburt

 

Geburts-komplikationen

Entwicklung einer Herz-Gefäßerkrankung

Unterzuckerung nach der Geburt

 

 

 

 

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