Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Schreiben, unterrichten, im Fernsehen auftreten - es gibt viele lukrative und spannende Möglichkeiten, die Tätigkeit als Ernährungsberater*in zu ergänzen und Synergieeffekte zu nutzen 

Rednerin am Mikrophon
lightpoet / adobe.stock.com

Qualifizierte Ernährungsberatung für Gesunde oder Ernährungstherapie für Kranke gehören für die meisten Ernährungsberater*innen zum Kerngeschäft. Dazu kommen oft weitere Standbeine. Sie sorgen für zusätzliche Honorare, größere Sicherheit und mehr Abwechslung im Beratungsalltag. Vor allem beim Start in die Selbstständigkeit können Tätigkeiten als Vortragende oder Autoren das Unternehmen bekannt machen. Sie helfen außerdem beim Vernetzen inner- und außerhalb der Branche.

Eigener Markenkern statt Bauchladen

Bereits mit Blick auf das Kerngeschäft sind Entscheidungen zu treffen: Biete ich Einzel- oder Gruppenberatungen an? Konzentriere ich mich auf bestimmte Zielgruppen oder Krankheitsbilder? Nehme ich Kochkurse oder Einkaufstrainings ins Programm? Die Antworten darauf hängen von persönlichen Vorlieben und Fähigkeiten ab. Und sie hängen natürlich von Angebot und Nachfrage nach solchen Leistungen ab.

Das gilt genauso für weitere Dienstleistungen. Besser als ein bunt bestückter Bauchladen ist ein gut überlegtes Angebot, das zum eigenen Profil passt und eine unverwechselbare Marke ergibt: Der Ernährungsberater, der als Redner gefragt ist. Die Ernährungsberaterin, die Lebensmittelhersteller in der Pressearbeit unterstützt. Nicht selten wandeln sich diese weiteren Standbeine durch den Erfolg und gute Honorare auch zur Haupttätigkeit.

PR für die eigene Praxis und den Berufsstand

Häufig haben solche Nebentätigkeiten einen guten PR-Effekt und verbessern das Image. So bringen selbstständige Ernährungsberater*innen ihre Expertise und ihren Namen in die Öffentlichkeit.

Gleichzeitig stärken alle Beraterinnen und Berater, die ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen aktiv nach außen tragen, das Ansehen des Berufsstandes insgesamt. Das ist zur Behauptung gegenüber selbsternannten Expert*innen hilfreich. Außerdem war das Interesse an Ernährungs- und Gesundheitsthemen selten so groß wie in den letzten Jahren. Hier eröffnen sich heute unzählige Möglichkeiten, die über die Ernährungsberatung und -therapie im engeren Sinne hinausgehen oder sie sinnvoll ergänzen.

Beispiele aus der Praxis 

Website Dr. Brigitte Bäuerlein

Dr. Brigitte Bäuerlein

arbeitet als Ernährungsberaterin in einer Gemeinschaftspraxis in Gevelsberg. Sie steht regelmäßig für das ZDF ("Volle Kanne") und die WDR Servicezeit vor der Kamera. Ein Großteil ihrer Zeit fließt heute in die Tätigkeit als Dozentin an einer Fachhochschule.

Die Oecotrophologin sagt: "Diese Dreiteilung bringt wertvolle Synergieeffekte mit sich."

Website Sven Bach

Sven Bach 

hat eine Praxis für Ernährungstherapie mit zwei Standorten in Stuttgart und Horb am Neckar. Er bietet unter anderem Betriebliche Gesundheitsförderung an, tritt regelmäßig im SWR Fernsehen auf und hat mehrere Bücher geschrieben.

Der Diätassistent sagt: "Durch meine Präsenz im Fernsehen und als Buchautor bin ich auch über die Region hinaus bekannt und große Firmen werden auf mich aufmerksam." 

Dr. Maike Groeneveld

Dr. Maike Groeneveld

hat eine Praxis für Ernährungsberatung in Bonn. Neben ihrer Beratungstätigkeit hält sie Vorträge und arbeitet als Dozentin in der Weiterbildung von Ernährungsfachkräften und Ärzt*innen. Maike Groeneveld ist Buchautorin und schreibt für Fachmedien und Verbraucher.

Die Oecotrophologin sagt: "Es ist wichtig, mehrere Standbeine zu haben, falls sich die Umsätze in einem Bereich verschlechtern."

Qualität hat ihren Preis

Die Profilierung als hoch qualifizierte und kompetente Berufsgruppe fördert die Realisierung angemessener Honorare. Die dienen auch der Abgrenzung gegenüber selbsternannten Expert*innen ohne fundierte Ausbildung. Potentielle Auftraggeber müssen lernen, dass Qualität ihren Preis hat. Sie ist das Ergebnis einer fundierten Ausbildung, eines jahrelangen Studiums, von kontinuierlicher Weiterbildung und wachsender Berufserfahrung.

In der Praxis kann es trotzdem hin und wieder sinnvoll sein, sich mit einer geringen Vergütung zu begnügen: Führt der Vortrag auf einem Gesundheitstag zu gut bezahlten Folgeaufträgen oder spült er neue Klienten in die Praxis, zahlt sich der Einsatz auch ohne üppiges Honorar aus. Verbessert der einmalig kostenlose Gastbeitrag in einem Online-Portal die Auffindbarkeit der eigenen Website, hat er sich ebenfalls gelohnt.

Wo die eigene Schmerzgrenze liegt und was sich mittelfristig wirklich so auszahlt wie erhofft, muss jeder für sich kritisch beobachten und beantworten. Dazu gehört das ehrliche Aufschreiben der investierten Zeit. Die wird nämlich im Vorfeld leicht unterschätzt.

Bei der Entscheidung für oder gegen Aufträge kann auch die goldene Regel helfen: Mindestens zwei der drei Faktoren „Geld“, „Reputation“ und „Spaß“ sollten stimmen. Wenn alle drei zutreffen, umso besser.

Über Ernährung, Lebensmittel und Trends schreiben

Einen Blog auf der eigenen Website betreiben, Fachartikel für Zeitschriften, Texte für Flyer oder Broschüren oder sogar einen Ratgeber in Buchform schreiben: Für Ernährungsfachkräfte mit Hang zum geschriebenen Wort, gibt es unzählige Möglichkeiten. Um hier erfolgreich zu sein, braucht es jedoch gute

Kenntnisse zu den unterschiedlichen Textformen und Anforderungen.

Wer keine spezielle Ausbildung in diesem Bereich hat oder sein Schreibhandwerk verbessern möchte, kann sich über Kurse, Online-Seminare oder gute Bücher weiterbilden. Außerdem gibt es im Internet hilfreiche Blogs von professionellen Texter*innen.

Wie lukrativ die Sache ist, kommt ganz darauf an. Grundsätzlich gilt: Honorare für journalistische Arbeiten sind oft nicht sehr üppig. Steht jedoch der eigene Name, vielleicht sogar ein Autorenkasten mit Porträt, unter dem Artikel, ist das gut fürs Image und Geschäft. Das gilt genauso für Online-Texte, wenn von dort Links auf die eigene Website ausgehen. Welche Honorare sich dafür sowie für Beratungs- oder Pressematerialien realisieren lassen, ist Verhandlungssache. Dazu empfiehlt es sich, vorab ein detailliertes Angebot zu erstellen. Das sollte die Berufserfahrung und natürlich den geschätzten Zeitaufwand berücksichtigen.

Öffentlich vor Kamera und Mikrophon auftreten

Von „das bringt nicht viel“ bis „das hat mir viele neue Klienten verschafft“ reichen die Erfahrungen, wenn es

um öffentliche Auftritte geht - im Hörfunk, Fernsehen oder auf anderen Bühnen. Letztendlich kommt es auf einen Versuch an. Der Bedarf an Ernährungsprofis, die ihr Wissen sympathisch und unterhaltsam vor Kamera oder Mikrophon zum Besten geben, ist jedenfalls da.

So bekommt beispielsweise der Berufsverband Oecotrophologie regelmäßig Anfragen von Fernsehredaktionen, die Expert*innen suchen. Bisher trauen sich jedoch nur wenige Mutige vor. Helfen kann ein Austausch mit erfahrenen Kolleg*innen. Wer außerdem den Redaktionsalltag sowie die Bedürfnisse der Medien kennt, kann sich besser darauf einstellen.

Vorträge halten oder als Dozent*in arbeiten

Viele Ernährungsfachkräfte bieten in der eigenen Praxis Gruppenberatungen oder Workshops an. Sie haben also bereits Erfahrung darin, Vorträge auszuarbeiten und zu halten. Dieses Standbein lässt sich bei Bedarf gut ausbauen. So kann ein zugleich lebendiger und fachlich fundierter Vortrag ein perfekter Türöffner sein, um in einem Unternehmen betriebliche Gesundheitsförderung anzubieten. Dabei lohnt es sich, auf dem Laufenden zu sein, welche Themen gerade in der Öffentlichkeit kursieren. So liefert die Präsentation zur veganen Ernährung oder zum Intervallfasten Antworten auf Fragen, die die Zuhörer wirklich beschäftigen, und führt im besten Fall zu Folgeaufträgen.

Wer nah an der Wissenschaft ist oder Spezialist*in auf einem Gebiet wie Allergologie, Sporternährung oder Onkologie, wird möglicherweise sogar für Tagungen oder Kongresse angefragt. So festigt sich der Ruf als Expert*in - auch gegenüber zuweisenden Ärztinnen und Ärzten. Das erleichtert auch den Weg zu einer regelmäßigen Dozententätigkeit in der Aus- und Weiterbildung von Berufsgruppen im Gesundheitswesen oder an einer Fachhochschule.

Steuerfragen vorab klären

Bitte beachten Sie, ob und welche anderen steuerlichen Regelungen für Nebentätigkeiten gelten. So können sich freiberufliche Dozent*innen von der Umsatzsteuer befreien lassen. Ansonsten sind alle Tätigkeiten im Rahmen der Prävention, journalistische Arbeiten oder Vortragstätigkeiten umsatzsteuerpflichtig.

Gabriela Freitag-Ziegler, Bonn

als hilfreich bewerten 0 Versenden

Buchtipps

Erfolgreich selbstständig als Ernährungsfachkraft

Buchcover Erfolgreich selbstständig als Ernährungsfachkraft

Dieses umfangreiche Buch nimmt Ernährungsfachkräfte mit Schwerpunkt Ernährungsberatung/-therapie auf ihrem Weg in und durch die Selbstständigkeit in quasi allen Lebenslagen an die Hand. Es ist gleichzeitig ein großartiger Fundus an Informationen sowie ein empathischer Ratgeber für persönliche Probleme, die selbstständiges Arbeiten mit sich bringen kann.

Birgit Blumenschein, Susanne Klein (Hrsg.)
Thieme, 2019
320 Seiten
ISBN: 978-3132426535
Preis: 59,99 Euro (Hardcover)

Gute Praxis für Ernährungsberatung und -therapie

Buchcover Gute Praxis für Ernährungsberatung und -therapie

Der vom Berufsverband Oecotrophologie herausgegebene Ratgeber versammelt die Porträts von elf erfolgreichen KollegInnen, die selbstständig in der Ernährungsberatung und - therapie tätig sind: Ihre Werdegänge, Erfahrungen und persönlichen Empfehlungen an alle, die ähnliche Wege gehen möchten.

Berufsverband Oecotrophologie (Hrsg.)
Umschau Zeitschriften Verlag, 2018
96 Seiten
ISBN: 978-3930007394
Preis: 14,90 Euro (Softcover)

Ernährungsberaterin mit Gemüse 11 May
nenetus / adobe.stock.com

Unternehmen Ernährungsberatung

Das Wichtigste zu Finanzen, Steuern, Marketing und erfolgreichem Netzwerken

Selbstständige Ernährungsberater müssen sich gut um die Finanzplanung kümmern und mit Steuern und Versicherungen auskennen. Dazu kommt ein professionelles Marketing und intensives Netzwerken.

mehr...
Zwei Frauen und ein Mann am Tisch mit Kaffee und Gebäck 14 Jul
Rawpixel / stock.adobe.com

Betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt sich

Spezialisierte Ernährungsfachkräfte finden in der Beratung von Betrieben ein spannendes Arbeitsgebiet

Betriebliche Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement sind die Zukunft der Prävention. Der Einsatz lohnt sich für Ernährungsfachkräfte, Unternehmen, Staat und Gesellschaft.

mehr...