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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von SteffiL am 04.10.2009 11:52 Uhr

Solaningehalt in grünen Gemüsepaprika

Liebes Expertenteam,

es gibt eine Frage, auf die ich in Foren und Büchern bisher keine fundierte Antwort gefunden habe, und so wende ich mich hoffnungsvoll an Sie:

Ich suche nach dem Solaningehalt von grünen Gemüsepaprika und Antwort auf die Frage, ob die grüne Farbe hier tatsächlich ein Hinweis auf höheren Solaningehalt ist (z.B. im Vergleich zu gelben und roten Paprika, welchen Solaningehalt haben diese Sorten?). Wenn ja, wieso ist das so wenig bekannt? Ich esse selbst keine Paprika, kenne aber natürlich viele, bei denen rohe grüne Paprika ein ganz normales Lebensmittel ist (im Gegensatz z.B. zu grünen Tomaten).

Vielen Dank für Antwort!

Viele Grüße
Steffi

Expertenantwort von Joerg Planer am 17.10.2009 11:48 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

wie Sie bei Ihren eigenen Recherchen schon bemerkt haben, gibt es leider sehr wenig Literatur über den Solaningehalt von Paprika.

Ich habe zwei Literatur-Stellen gefunden, in denen Angaben zum Solanin-Gehalt von Paprika gemacht wurden, die sich in etwa decken. Dort werden Solaningehalte zwischen 6 und 11 mg je 100 g Frischgewicht (FG) angegeben. Die Gehalte für grüne Paprika liegen nur geringfügig höher als die für (reife) rote Paprika. Die grüne Farbe hat also keinen Einfluss auf den Solaningehalt der Frucht.

Anzumerken ist, dass die ermittelten Werte auf wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Jahre 1981 und früher zurückgehen. Es ist anzunehmen, dass es in den letzten Jahren durch züchterische Maßnahmen gelungen ist, den Solaningehalt von Gemüsepaprika noch weiter zu senken.

Somit ist der Solanin-Gehalt von (grünen) Paprikafrüchten sehr viel niedriger als der von grünen Tomaten oder unreifen oder durch Lichteinwirkung grün gefärbten Kartoffeln (siehe dazu Link unten).

Zum Vergleich: Alte Kartoffelsorten weisen zum Teil Solaningehalte von (weit) über 10 mg/100 g FG in der reifen Knolle auf. Moderne Kartoffelsorten enthalten dagegen nur noch 3-7 mg/100g in der Kartoffelschale auf (der Gehalt des Kartoffelkörpers liegt dabei noch niedriger). Der Solaningehalt von grünen Tomaten kann dagegen bis zu 32 mg/100 g FG erreichen.

Erste leicherte Vergiftungserscheinungen können ab einer Konzentration von 1 bis 2 mg Solanin je Kilogramm Körpergewicht auftreten. Um diesen Wert zu erreichen müsste eine erwachsene Frau mindestens 700 g rohe Paprika, ein erwachsener Mann mind. 800 g zu sich nehmen. Werden die Paprika gekocht oder gefüllt im Backofen zubereitet kommt es durch den Zubereitungsprozess auch noch einmal zu Solaninverlusten in der Frucht.

Die tödliche Dosis von Solanin liegt bei über 400 mg. Um dies zu erreichen, müssten schon mindestens 4 kg rohe Paprika verzehrt werden. Dabei wird ein Solanin-Wert von ca. 10 mg/100g frische Paprikafrucht, wie aus den Literaturquellen entnommen, zugrunde gelegt.

Sollte Sie noch weitere Fragen dazu haben, können Sie sich gerne auch an das Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bfr.bund.de) oder das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (www.bvl.bund.de) wenden.

Weitere Informationen zu Solanin in Kartoffeln bei was-wir-essen.de.

Infos zu Schadstoffen in Gemüse finden Sie in der aid-Broschüre In Lebensmitteln unerwünscht.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer
Diplom-Agraringenieur

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