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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von bast am 03.11.2009 11:15 Uhr

Mispel - Verwendungsmöglichkeiten

Ich habe in einem Park einen Mispelstrauch entdeckt. Was kann man mit den Früchten machen?

Vielen Dank

Expertenantwort von Joerg Planer am 04.11.2009 08:54 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

die Echte Mispel (Mespilus germanica) ist ein sehr altes Obstgehölz. Im Mittelalter war sie hierzulande weit verbreitet, geriet dann aber in Vergessenheit. Heute wird der Baum wegen der schönen, weißen Blüten jedoch wieder gerne als Ziergehölz in Gärten genutzt. Die Mispel gehört, wie z. B. der Apfel oder die Birne zu den Rosengewächsen. Die Echte Mispel hat apfelähnliche Früchte, die zwischen 2 - 4 cm groß werden.

Zur Ernte und Verwendung der Mispel ein Auszug aus der sehr ausführlichen Beschreibung von Andreas Zeitlhöfler, aus einer Diplomarbeit zum Thema „Wildobstgehölze":

Die Früchte bleiben auch nach dem Laubfall noch ziemlich fest hängen, wodurch die Ernte über einen langen Zeitraum erfolgen kann. Sie sollte Ende Oktober beginnen, sobald die Fruchtfarbe von braungrün nach rostbraun umschlägt. Die Mispelfrüchte machen eine gleichmäßige Reife durch. Sie brauchen zwar keinen Frost, um genießbar gemacht zu werden, doch wird durch ihn die Reife beschleunigt. Um diese Zeit geerntete Früchte müssen deshalb noch einige Zeit lagern, denn erst dann wird das harte Fruchtfleisch teigig und somit kann anschließend durch Fermentation das typische Aroma der Früchte entstehen.

Im rohen Zustand sind die Früchte erst nach Frosteinwirkung oder Lagerung zum Frischverzehr geeignet. Sie lassen sich dann auch zu Marmelade, Konfitüre, Mus, Gelee, Säften, Kompott, Likör und Wein verarbeiten. Bei der Herstellung von Kompott und Marmelade werden die Früchte oft mit Birnen, Äpfeln und anderen Wildfrüchten gemischt. Vor allem in gezuckertem Essig eingelegte Mispelfrüchte gelten als wahre Delikatesse.

In wärmeren Gebieten lassen sie sich durch ihren hohen Stärkeanteil auch leicht trocknen, woraus ein aromatisches Mehl gewonnen wird. Dieses wird in der Konditorei vielfach verwendet. In früheren Zeiten wurden sie auch gerne als Saft Wein oder Most zugesetzt, wobei die enthaltenen Gerbstoffe als natürliche Konservierungsstoffe dienten. Bis vor wenigen Jahren war in Südbaden noch Mispelbrand in kleinen Mengen erhältlich, welcher von Spezialisten als Spezialität produziert wurde. Weil aber die Mispel im privaten und öffentlichen Grün, aber auch in der freien Natur immer seltener zu finden ist, wird diese Verwendungsmöglichkeit wohl noch mehr an Bedeutung verlieren. Auch sind solche Brände recht teuer, da die Alkoholausbeute mit 1,5 % recht gering ist.

Den gesamten Text finden Sie im Internet: Wildobstgehölze (Andreas Zeitlhöfer)


Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer
Diplom-Agraringenieur

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