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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von Elve am 25.01.2012 12:45 Uhr

Was tun gegen Maden in Kirschen

Ich habe einen wunscherschönen und großen Kirschbaum im Garten, der jedes Jahr mehr als 60 kg Kirschen trägt. Leider sind die in den letzten Jahren immer mit Maden bewohnt. Was kann ich tun?

Expertenantwort von Joerg Planer am 26.01.2012 17:05 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,
bei den Maden wird es sich sehr wahrscheinlich um die Larven der Kirschfruchtfliege handeln. Dies ist der bedeutendste Schädling an Süßkirschen. Die Tiere überwintern als Puppenstadium in der Erde. Zwischen Mai und Juni verlassen die jungen Fliegen die Puppen und paaren sich. Anschließend legen die Weibchen ihre Eier an die reifenden Früchte, wenn diese sich von grün nach gelb/gelbrot verfärben (an jede Frucht ein Ei). Nach 6-8 Tagen schlüpft die Made, bohrt sich in die Frucht und frisst sich durch das Fruchtfleisch. Etwa 3 Wochen später verlässt die Made die Frucht wieder und begibt sich in der näheren Umgebung des Baumes in den Boden, um sich dort für die Überwinterung zu verpuppen. Der Kreislauf schließt sich.

Die Stärke des Schädlingsbefalls ist abhängig von der Witterung und variiert somit von Jahr zu Jahr. Herrschen während des Fluges und der Eiablage niedrige Temperaturen und hohe Niederschläge, ist eher mit einem geringeren Befall zu rechnen.

Grundsätzlich gibt es nicht DIE Methode, um die Kirschfruchtfliege zu bekämpfen. Die Kombination verschiedenen Maßnahmen führt jedoch meist zum Erfolg. Der Einsatz chemischer Mittel ist aufgrund der Größe der Bäume meist wenig effektiv und sollte im Hausgartenbereich auch prinzipiell immer das letzte Mittel sein.

Mit folgenden vorbeugenden Maßnahmen können Sie schon so einiges erreichen:

Ernten Sie grundsätzlich alle Früchte vom Baum und entfernen Sie auch die herabgefallenen frühzeitig. Damit vermeiden Sie, dass die Maden in den Boden wandern und im nächsten Jahr ihre Kirschen befallen. Wenn Sie eine Plane unterhalb des Baumes auf den Boden legen, erleichtert dies das restlose Aufsammeln der herabgefallenen Kirschen.

Hängen Sie ab etwa Mitte Mai (noch vor dem Gelbwerden der Früchte) mit Leim bestrichene Gelbtafeln in den Baum. Die Kirschfruchtfliegen fliegen, angelockt von der gelben Farbe, auf die Tafeln zu und bleiben dort kleben. Diese Maßnahme reicht in der Regel nicht aus, um die Fliegen vollständig zu bekämpfen, gibt aber Auskunft über Zeit und Stärke des Auftretens.

Eine nicht schöne, aber sehr wirksame Methode, die auch im ökologischen Obstbau angewendet wird, ist das Überspannen der Bäume mit Kulturschutznetzen während der Flugzeit der Insekten. Dies ist jedoch nur bei kleineren Bäumen praktikabel. Sollte der Befall so stark und häufig sein, dass keine andere Maßnahme mehr greift, könnte es jedoch sehr hilfreich sein, den Baum durch regelmäßige und gezielte Schnittmaßnahmen im Wachstum zu begrenzen, sodass der Einsatz der Netze wieder möglich wird. Alternativ kann es bei großen Bäumen auch Sinn machen, nur einzelne Astpartien einzunetzen.

Auch wenn Sie wahrscheinlich nicht über eine Neupflanzung nachdenken, möchte ich ergänzend dennoch darauf hinweisen, dass die Pflanzung von frühreifenden Kirschensorten zu empfehlen ist. Denn diese reifen zu einem Zeitpunkt, zudem die Kirschfruchtfliege noch nicht aktiv ist.


Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer, Diplom-Agraringenieur

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