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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von manfredo19 am 21.02.2012 04:59 Uhr

Warum schmeckt selbst angebautes Gemüse besser?

Seit ich Rentner bin, baue ich mein gesamtes Gemüse in meinem Grundstück selbst an.Ich habe festgestellt,daß der Geschmack gegenüber gekauftem Gemüse enorm ist.In meinem geheizten Gewächshaus baue ich Gurken.Tomaten,Paprika,Auberginen,Salat und Radieschen an.Gurken und Radieschen sind beim Durchschneiden richtig saftig und haben einen tollen Geschmack.Beides aus dem Supermarkt fehlt.Beides schmeckt wässrig,der typische intensive Geschmack fehlt.Paprika schmeckt nicht,Salatblätter sind hart.Tomaten haben kaum Geschmack.Warum? Vor 20 Jahren hatten doch im Frühjahr die holl.Gewächshausgurken,oft noch mit Blüte,einen sehr guten Geschmack.Man sieht auch im Supermart wenig Leute die dieses Importgemüse aus Holland,Spanien,Marokko kaufen.Ist die Anzucht jetzt anders?
Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Expertenantwort von Joerg Planer am 22.02.2012 12:12 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


die allermeisten Hobbygärtner stellen, so wie Sie, früher oder später fest, dass das Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten besser schmeckt also solches aus dem Supermarkt. Dies kann verschiedene Gründe haben:


Beim Anbau von Gemüse und Obst im gewerblichen Gartenbau stehen in aller Regel hohe und sichere Erträge und eine einwandfreie äußere Qualität im Vordergrund. Um dieses Ziel zu erreichen, wählt der Erwerbsgärtner daher Sorten aus, die darauf gezüchtet sind, diese Anforderungen zu erfüllen. Solche Sorten sind ertragreich, widerstandsfähig gegen wichtige Krankheiten und Schädlinge, gut transportfähig und sollen im Gemüseregal des Supermarkts nach Möglichkeit noch lange frisch bleiben. Das Züchtungskriterium „Geschmack“ ist bei diesen Sorten für den Erwerbsgartenbau leider nicht immer von oberster Priorität. Im Hobbygarten, wo keine Marktzwänge gelten, ist das ganz anders. Der Hobbygärtner kann seine Sorten nach anderen Gesichtspunkten auswählen. Geschmack ist dabei erfahrungsgemäß ein sehr wichtiges Kriterium.


Ein weitere Grund: Anders als im Erwerbsgartenbau, wo aus ökonomischen Gründen schnellstmögliche Kulturzeiten angestrebt werden, kann Gemüse und Obst im Hobbygarten seinem natürlichen Tempo gemäß wachsen und reifen. Während dieser Wachstumszeit ist es unterschiedlichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt und wird dadurch gegen schädigende äußere Einflüsse „gestärkt“. Solches Gemüse ist zwar häufig kleiner und äußerlich nicht so schön wie vergleichbare Exemplare aus dem Supermarkt. Es schmeckt dafür häufig intensiver und enthält meist mehr Vitamin C und sekundäre Pflanzenstoffe. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Die Nutzpflanzen werden im Hobbygarten in der Regel sehr viel weniger mit chemischen Pflanzenschutzmitteln vor Fressfeinden und Krankheitserreger geschützt, sodass sie mehr Stoffe wie Antioxidanzien bilden. Zum anderen nehmen sie, weil sie meist weniger intensiv gedüngt werden, weniger Wasser auf. Dadurch verdünnt sich der Gehalt an Nährstoffen auch weniger stark. Genauer untersucht wurden diese Faktoren in den vergangenen Jahren im ökologischen Gemüse- und Obstbau, wo ja bekanntlich weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger zum Einsatz kommen.


Zum besseren Geschmack von selbstkultiviertem Gemüse und Obst trägt aber auch ganz sicher bei, dass der Hobbygärtner die Pflanzen von der Aussaat bis zur Ernte begleitet und pflegt. Der Gärtner sieht die Früchte über mehrere Wochen wachsen und erntet sie dann, wenn sie die ideale Reife erreicht haben. Anders als im Erwerbsgartenbau, wo das Obst und Gemüse erst über verschiedene Zwischenhändler und Lagerstätten bis zum Supermarkt transportiert werden muss (wo es dann auch noch eine Weile liegt), kann Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten erntefrisch verzehrt werden.


Mehr zum Thema finden Sie bei was-wir-essen.de in der Rubrik "Tipps für Hobbygärtner" sowie in dem aid-Heft


Von Apfel bis ZucchiniDas Jahr im Garten


Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und Genuss im Garten.


Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer, Diplom-Agraringenieur

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