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Expertenforum: Obst- und Gemüsegarten    «zurück

Frage von Alex Ander am 07.08.2012 13:00 Uhr

Mineralstoffgehalt durch Bodenpflege erhöhen

Guten Tag,

möglicherweise gehört diese Frage in den Ernährungs- statt den Ǵartenbereich, sie betrifft beide Gebiete.

Es heißt oft, dass durch jahrtausendelange Ackerbaukultur unsere Böden an Mineralstoffen erschöpft wären. Im Gegensatz zu den Hauptnährstoffen NPK führt man diese beim Düngen ja meist nicht zu. Durch das Abtragen der Ernte werden also Mineralstoffe weggeschafft und es kommt im Boden zu einem Mangel. Dadurch sind die heutigen Nahrungspflanzen angeblich mineralstoffarm.

Bei Nutztieren gibt man immer Mineralstoffe ins Futter, weil Getreide und Grünfutter nicht genug Mineralien enthalten.

Wir essen ja auch getreide (Brot...) und Grünfutter (Obst, Gemüse....) von eben diesen Böden und womöglich besteht also auch bei uns ein Mineralstoffmangel.

Kann man indem man den Boden verbessert, den Mineralstoffmangel bei den Pflanzen ausgleichen und damit evtl. auch beim Menschen?

Welche Stoffe würden sich dazu eignen?
Was ist von "Urgesteinsmehl" zu halten?
Wie wird das von den Pflanze aufgenommen?

Das wäre die erste Frage, zweite bezieht sich auf die geologischen Gegebenheiten:

Haben Nahrungspflanzen zB von alpinen Böden andere Mineralstoffgehalte bzw. zusammensetzungen als solche von Marsch- oder Sand-/Moorböden?

Danke für Ihre Mühe, Alex

Expertenantwort von Joerg Planer am 15.08.2012 13:59 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


es wird immer wieder behauptet, unsere heutige Nahrung enthalte nicht mehr ausreichend Mineralstoffe und Vitamine. Als Argumente werden meist ausgelaugte Böden sowie eine intensive industrielle Verarbeitung der Nahrungsmittel angeführt – häufig von Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln, um für ihre Produkte zu werben.


Wissenschaftlich belegen lassen sich diese Behauptungen jedoch nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat dazu Untersuchungen angestellt und kam zu dem Schluss, dass unsere heutigen Nahrungsmittel durchaus ausreichend Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Im Verlauf der letzten 50 Jahre schwankte der Mineralstoffgehalt in pflanzlichen Lebensmitteln kaum, wie eine Untersuchung der DGE aus dem Jahre 2006 zeigt:


Gemüse und Obst sind nicht nährstoffverarmt!, DGE-aktuell 06/2006 vom 02.05.2006


Teilweise ist die Versorgung sogar besser als vor einigen Jahrzehnten. Probleme in der Nährstoffversorgung sind heute vor allem auf Fehl- und Mangelernährung zurückzuführen.


Wichtig zu wissen ist, dass es natürlicherweise immer wieder zu (teils starken) Schwankungen im Mineralstoff- bzw. Vitamingehalt bei Nahrungsmitteln kommen kann. Diese Schwankungen sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen wie Klima, Bodenart und -typ, Düngung, Humuszufuhr und Sorte, aber auch Bewässerung oder Erntezeitpunkt.


Wer sein Gemüse und Obst überwiegend aus dem eigenen Garten bezieht, muss selber darauf achten, dass der Boden und das darauf angebaute Gemüse und Obst nicht an Mineralstoffen verarmt. In erster Linie ist darauf zu achten, dem Boden die durch die Ernte entzogenen Nährstoffe (Haupt- und Spurennährstoffe) über die Düngung wieder zurückzuführen. Alle 4-5 Jahre sollte eine Bodenuntersuchung durchgeführt werden. Sie gibt Auskunft über den genauen Nährstoffgehalt des Bodens und ist die Grundlage für eine angepasste Düngung.


Wie aktuelle Untersuchungen immer wieder zeigen, sind die Böden in deutschen Gärten im Durchschnitt meist überversorgt mit Nährstoffen.


Mehr zum Thema Düngung finden Sie bei was-wir-essen.de unter


Tipps für Hobbygärtner - Düngung


Weiterhin wichtig für eine gute Mineralstoffversorgung des Bodens ist zudem auch die Förderung eines regen Bodenlebens, zum Beispiel über Kompostzufuhr, Gründüngung, aber auch durch die Anwendung von Pflanzenstärkungsmitteln oder Bodenhilfsstoffen wie, das von Ihnen genannte Gesteinsmehl.


Mehr Infos zu Pflanzenstärkungsmitteln, unter anderem auch Gesteinsmehl, finden Sie bei was-wir-essen.de unter


Pflanzenstärkungsmittel für den Garten


Speziell Infos zu Gesteinsmehlen finden Sie in dieser Antwort im Experten-Forum „Obst- und Gemüsegarten“.


Bentonit und (Ur-)Gesteinsmehl


Eine sehr informative Internetseite zum Thema „Boden“, die ich empfehlen kann, finden Sie unter www.bodenwelten.de.


Was Ihre zweite Frage angeht: Unterschiede im Mineralstoffgehalt von alpinen gegenüber von Marsch oder Sand-/Moorböden. Eine Recherche dazu kann im Rahmen dieses Expertenforums leider nicht durchgeführt werden. Wenden Sie sich diesbezüglich bitte an ein bodenkundliches Institut, z. B. das der Universität Bonn (http://www.boden.uni-bonn.de/). Dort wird man Ihnen sicherlich weiterhelfen können.


Mit freundlichen Grüßen
Jörg Planer, Diplom-Agraringenieur

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