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Frage von Guofang am 12.12.2012 10:17 Uhr

Blausäure in Leinsamen

Sehr geehrtes Expertenteam,

Kann der tägliche Verzehr von 50-100g geschroteten Leinsamens (unerhitzt) wegen des Blausäuregehalts langfristig (2-3 Jahre) zu bleibenden Folgeschäden führen (insbesondere das Gehirn und Herz betreffend)?

Vielen Dank für Ihre Antwort,
Guofang

Expertenantwort von Maike Groeneveld am 24.01.2013 14:34 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihre Frage erst heute beantworte.


Leinsamen enthält nicht nur Blausäure sondern zählt auch zu den Pflanzenarten, die Cadmium aus dem Boden anreichern. Deshalb empfiehlt das Umweltbundesamt, regelmäßig nicht mehr als 20 g (entspricht etwa 2 Esslöffeln) Leinsamen täglich aufzunehmen. Bei einer Aufnahme in diesem Rahmen sind höchstwahrscheinlich auch keine schädlichen Auswirkungen durch die gleichzeitig enthaltene Blausäure zu erwarten.


Wenn Sie regelmäßig eine größere Menge an Leinsamen aufnehmen möchten, sollten Sie folgendes beachten. Laut Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung muss man zwischen akuten und chronischen Wirkungen unterscheiden. Eine Aufnahme von ca. 3 mg Blausäure aus geschroteten Leinsamen in einer Dosis löst bei Erwachsenen (!) keine akuten Symptome aus. Bei durchschnittlichen Gehalten von bis zu 20 mg Blausäure je 100 g Leinsamen, ist diese Menge mit 15 g Leinsamen in einer Mahlzeit erreicht. Dies entspricht auch der Verzehrsempfehlung für Leinsamen als pflanzliches Arzneimittel zur Regulierung der Verdauung. Hier werden 3 Mal täglich 15 g empfohlen. Wenn Sie Ihre tägliche Aufnahme an Leinsamen an dieser Empfehlung orientieren und auf 3 Mahlzeiten verteilen, dürfte dies im Hinblick auf die Vermeidung akuter Symptome durch Blausäure (z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit) eine sichere Dosis sein; allerdings liegt die tägliche Gesamtmenge von 45 g Leinsamen über der oben genannten Menge von 20 g, die mit Blick auf die Cadmium-Belastung als unbedenklich gilt.


Langfristige negative Auswirkungen einer derart hohen Aufnahme von Leinsamen sind jedoch nicht gut erforscht, so dass man hierzu keine konkreten Aussagen treffen kann. Aus Studien gibt es Hinweise, dass sich eine regelmäßige hohe Blausäure-Aufnahme bzw. die dadurch bedingte Entstehung von Thiocyanat im Körper nachteilig auf die Schilddrüse oder auf das Nervensystem auswirken kann.


Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes


UBA: Verbrauchertipps Gesundheit und Lebensmittelsicherheit


und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)


BfR: Bittere Aprikosenkerne können zu Vergiftungen führen


sowie in der aid-Broschüre


Das Schadstoff-Lexikon - In Lebensmitteln unerwünscht


Mit freundlichen Grüßen


Dr. Maike Groeneveld, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin


Leinsamen, Blausäure, Amygdalin




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