Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

was-wir-essen.de

Expertenforum: Sie fragen - aid antwortet    «zurück

Frage von Omshanti am 08.04.2013 10:18 Uhr

GI von Kokosblütenzucker

Guten Tag,
Kokosblütenzucker wird mit einem niedrigen glykämischen Index von 35 beworben. Die GL jedoch beträgt 33 (meiner Berechnung zufolge), was bekanntlich eher hoch ist, da über 20.

Nichtsdestotrotz ist der GL-Wert für Kokosblütenzucker deutlich niedriger als für Haushaltszucker. Doch warum, so frage ich mich? Beide Zucker bestehen vorwiegend aus Saccharose. Doch hat der Haushaltszucker sowohl einen GI als auch eine GL von 70.

Wie kommt dieser Unterschied in den Werten der beiden Zucker zustande? Das würde mich sehr interessieren.
Ich danke herzlich im voraus für Ihre Mühe.
Liebe Grüsse
Omshanti

Expertenantwort von Maike Groeneveld am 10.04.2013 15:42 Uhr

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,


es gibt meines Wissens nur eine einzige Angabe für den glykämischen Indes (GI) von Kokosblütenzucker. Sie stammt von einem philippinischen Ernährungsforschungsinstitut


(http://coconutpalmsugar.com/Glycemic_Index_Explained.html)


In der Standardtabelle für den GI (Atkinson et al.: International table of glycemic index and glycemic load values: 2008) ist Kokosblütenzucker nicht aufgeführt. Insofern ist der Wert von 35 also durchaus anzweifelbar.


Daten zur Zusammensetzung des Zuckers habe ich auch nur an einer Stelle gefunden. Dort wird angegeben: 93,4 g Kohlenhydrate, davon 2,7 g Fruktose und 86,9 g Saccharose. Da Saccharose ein Zweifachzucker ist, der aus gleichen Anteilen Fruktose und Glucose besteht, dürfte der Fruktosegehalt 46 g/100 g betragen.


 


In der oben genannten Tabelle von Atkinson wird der GI von Haushaltszucker mit 65 und der GL (bezogen auf 10 g) mit 7 angegeben.


Während der GI durch eine physiologische Untersuchung an Probanden gemessen wird, wird der GL berechnet. In die Berechnung fließen die Portionsgröße und der KH-Gehalt in einer Portion ein. Bei einem hypothetischen GI von 35 für den Kokosblütenzucker und einem Gehalt von 9 g in einer Portion von 10 g komme ich auf eine GL von 3, also sehr niedrig.


Mir ist auch nicht klar, warum der GI von Kokosblütenzucker so niedrig ist. Das erscheint mir nicht logisch. Entweder ist die Messung des GI nicht richtig oder der Fruktosegehalt ist höher als in der Quelle angegeben. Agavensirup – ein ähnliches natürliches Süßungsmittel – hat laut Atkinson-Tabelle einen Fruktosegehalt von 90 g/100 g und kommt auf einen GI von 13. Da mir derzeit weder für den GI noch für die Zusammensetzung des Kokosblütenzuckers verlässliche Quellen vorliegen, kann ich die Frage nicht abschließend beantworten.


Es ist allerdings nicht vorteilhaft, wenn ein Süßungsmittel einen niedrigen GI aufgrund eines hohen Fruktosegehaltes hat, denn bei einer hohen Fruktoseaufnahme werden in der Leber verstärkt Fettsäuren gebildet, die langfristig zu einer Ansammlung von Fett in der Leber und zu Fettstoffwechselstörungen führen können.


Weitere Informationen zu diesem Themengebiet finden Sie in unserer Rubrik „Gesund essen“


Der glykämische Index - was steckt dahinter?


Mit freundlichen Grüßen


Dr. Maike Groeneveld, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin

als hilfreich bewerten 0 Versenden