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Expertenforum: Getränke    «zurück

Frage von schaefer am 12.04.2005 14:35 Uhr

Kaffee als Flüssigkeit?

Sehr geehrte Kolleginnen, ich arbeite zwar als Diätassistentin und Ernährungsberaterin/DGE, bin aber unsicher, was den Konsum von Kaffee anbelangt. Darf man Kaffee jetzt in die Flüssigkeitsbilanz mit einrechnen oder entzieht er Flüssigkeit? Die Stellungnahme der DGE hat mich verunsichert, da ich andere Erfahrungswerte habe. Es geht vor allem darum, ob Kaffe im Krankenhausalltag als Getränk gewertet werden darf. Das gleiche gilt für schwarzen Tee. Bisher habe ich beides als Genußmittel betrachtet, jetzt sollen Trinkprotokolle eingeführt werde und es ist die Frage, ob wir KAffee als Getränk akzeptieren. Ich wäre Ihnen dankbar für eine Antwort oder Ihre Meinung.
Danke!
Silke Schäfer
Wiesbaden

Expertenantwort von Maike Groeneveld am 14.04.2005 15:05 Uhr

Sehr geehrte Frau Schäfer,

unser Service richtet sich zwar eigentlich nur an Verbraucher, aber dennoch will ich Ihnen kurz antworten.

Die Sachlage ist tatsächlich nicht so eindeutig und klar zu bewerten, wie man vermutet. Olaf Adam schreibt in seinem Artikel „Auswirkungen des Kaffeetrinkens auf die Flüssigkeitsbilanz“ (Ernährungsumschau 52 (2005) 14-17) dass die Auswirkungen des Kaffeegenusses auf die Flüssigkeitsbilanz individuell sehr unterschiedlich sind.

Kaffee hat unbestritten eine diuretische Wirkung, also eine anregende Wirkung auf die Wasserausscheidung. Dadurch wird vor allem eine Verminderung des extrazellulären Wasser (nicht aber das intrazellulären) ausgelöst. Bei einer ansonsten ausreichenden Flüssigkeitsbilanz und damit einem normalen Extrazellularvolumen ist die Niere in der Lage, die durch den Kaffeegenuss entzogene Flüssigkeit innerhalb von 24 Stunden wieder auszugleichen. Ist die allgemeine Flüssigkeitszufuhr aber zu gering und damit das extrazelluläre Volumen auch sehr niedrig, kann es, wenn der Flüssigkeitsverlust durch Kaffeegenuss nicht von außen ausgeglichen wird, zu einer unzureichenden Versorgung der Zellen mit Nährstoffen kommen.

Bei Personen, die regelmäßig Kaffee konsumieren, geht die diuretische Wirkung weitestgehend verloren. Hierbei sind die individuellen Unterschiede allerdings, auch aufgrund genetischer Variabilität, sehr hoch.

So kann keine eindeutige Grenze definiert werden, ab welcher der Kaffeekonsum sowohl bei chronischem Kaffeekonsum als auch bei defizitärer Flüssigkeitsaufnahme doch zur Flüssigkeitsbilanz gezählt werden kann. Olaf Adam rät, dass regelmäßige Kaffee- und Teetrinker auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten sollten.

Die DGE rät in ihrer Stellungnahme Ist Kaffee ein „Flüssigkeitsräuber“, Kaffee nicht zum Durstlöschen zu verwenden. Gegen den täglichen Genuss von bis zu 4 Tassen Kaffee (350 mg Koffein) sei allerdings nichts einzuwenden.

Unserer Meinung nach, kann der Konsum von ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag durchaus in die Flüssigkeitsbilanz aufgenommen werden. Trinkt jemand täglich mehr als vier bis fünf Tassen, ist fraglich, ob sie auch ausreichend Flüssigkeit aus anderen Getränken aufnimmt. Da Tee nur ein Drittel bis zur Hälfte an Koffein enthält, dürfen es beim Tee ruhig 4-5 Tassen sein. Dies muss aber individuell von Fall zu Fall unterschieden werden.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Maike Groeneveld, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin

Stichworte: Schwarztee,





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