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Alle Wiesen beim gleichen „Frisör“

Wiese ist nicht gleich Wiese.

Blumenwiese
iStock.com / AntiMartina

(aid) – Würden alle Menschen zum gleichen Frisör gehen, dann sähe die Welt in Bezug auf unser Haarstyling wohl weniger bunt und vielfältig aus. Was für das menschliche Haupthaar gilt, trifft auch auf unsere Wiesen zu. Es gibt kleinräumig sehr große Unterschiede in der Artenzusammensetzung von Wiesen, was Pflanzengemeinschaften, Insekten, Bodenlebewesen oder Vögel angeht. Das ergab eine langfristige Studie, an der über 300 Wissenschaftler beteiligt waren.

Wiese ist nicht gleich Wiese, auch wenn es vordergründig so aussieht. Doch gibt es gewisse eingespielte Standards, eine Wiese optimal und intensiv zu bewirtschaften, vor allem in Bezug auf das Mähen des Grases, die Beweidung und die Düngung. Diese ungefähr gleichen Muster bewirken, dass die Artenzusammen­setzung immer einheitlicher wird: Es überleben die „Generalisten“, die sich überall wohl fühlen und relativ anspruchslos sind. Spezialisierte Arten dagegen sind auf dem Rückzug. So stellt sich ein schleichender Artenverlust ein, der von außen kaum zu sehen ist.

Möglich wurde diese Erkenntnis, indem die Wissenschaftler nicht mehr – wie bisher üblich – nur einzelne Lebensräume untersuchten und ihre Schlüsse zogen. Diesmal stand der Überblick über 150 Lebensräume im Fokus der Forschungen, um Vergleiche zwischen den einzelnen Regionen in Deutschland ziehen zu können. Mehr als 4.000 Arten wurden untersucht und es wurde ein Zusammenhang zwischen der Bewirtschaftung der Wiesen und der Artenentwicklung seit 2008 hergestellt.

Das Ergebnis ist gleichzeitig ein Appell: Es müssten unbedingt gering bewirtschaftete Grünländer geschaffen, erhalten und geschützt werden, so wie das derzeit zum Beispiel in dem Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg mit Unterstützung des Bundes, des Landes Hessen und des Vogelsbergkreises passiere, so die Wissenschaftler des Instituts für Tierökologie der Universität Gießen. Von dem Erfolg und der Weiterverbreitung solcher regionalen Initiativen werde der Artenreichtum unserer Wiesen abhängen.

Friederike Heidenhof, www.aid.de

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