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Bruderhahn-Eier und -Hähnchen

Im Handel gibt es sie schon: Bruderhahn-Eier und -Hähnchen, Herzbube-Eier oder Haehnlein-Eier. Was steckt dahinter und warum soll man jetzt mehr bezahlen für Eier und Fleisch?

Küken
WONG SZE FEI / Fotolia.com

Jahr für Jahr werden in Deutschland etwa 48 Millionen männliche Küken getötet. Der Grund: Die Küken stammen von Legehennen, die speziell auf Legeleistung gezüchtet werden. Solche „Hochleistungshennen“ legen zwar viele Eier, setzen aber zu langsam und zu wenig Fleisch an. Ihre männlichen Geschwister fressen genauso viel, setzen aber kein Fleisch an und legen auch keine Eier. Bisher gab es keinen Markt für dünne und hochpreisige Hähnchen. Die männlichen Tiere werden kurz nach dem Schlüpfen getötet und zu Tierfutter verarbeitet.

Diese Praxis ist das Resultat eines harten Preis- und Konkurrenzkampfes. Der Eierpreis ist in den vergangenen 50 bis 60 Jahren stark verfallen: Musste ein Arbeiter im Jahr 1960 noch 51 Minuten arbeiten um 10 Eier zu kaufen, so waren es im Jahr 2007 gerade noch sieben Minuten.

Die Frage ist, ob die Preisspirale nach unten tatsächlich das ist, was wir langfristig wollen. Tierschutzorganisationen kritisieren die Zustände schon lange und auch zahlreiche Verbraucher verlangen immer mehr nach Veränderungen. Es gibt einige Forschungsansätze und Initiativen, die sich bereits dafür einsetzen, dass männliche Küken nicht mehr sterben müssen. Welche dies sind, und woran Sie diese erkennen, erklären wir hier.

Die „Brüder“ aufziehen – eine Übergangslösung

Eine der ersten Initiativen, die sich gegen das massenhafte Töten männlicher Küken in Deutschland stark machte, war die „Bruderhahn Initiative Deutschland“ (BID). „Bruderhähne“ sind die männlichen Geschwister der Legehennen. Seit ihrer Gründung 2012 setzt sich die BID dafür ein, dass die Bruderhähne als Masthähnchen aufgezogen werden – und zwar in ökologischer Haltung. Die Mehrkosten dieser Aufzucht werden gegenfinanziert durch einen Aufpreis: Jedes Ei der Geschwisterhennen kostet 4 Cent mehr. Die BID sieht sich selbst als Übergangslösung, bis es solide Zweinutzungsrassen gibt (siehe unten).

Neben der BID gibt es noch einige andere Initiativen aus der Bio- und Naturkostbranche, die sich für die Aufzucht männlicher Küken einsetzen (siehe Slider). Und auch die Großen des deutschen Einzelhandels ziehen inzwischen nach: Ein Pilotprojekt im konventionellen Bereich startete in diesem Jahr die Lebensmittelkette REWE mit der Marke "Spitz & Bube". Käufern von Eiern dieser Marke wird garantiert, dass die männlichen Küken mit aufgezogen werden. Als erster Discounter bietet Penny mit der Eiermarke "Herzbube" eine Alternative zum Kükentöten.

Diese Initiativen setzen auf die Aufzucht männlicher Küken von Legehennenrassen:

Logo Bruderhahn-Initiative
Bruderhahn Initiative Deutschland e. V
Seit der Gründung 2012 setzt sich die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID) dafür ein, dass die sogenannten „Bruderhähne“, das heißt, die männlichen Geschwister der Legehennen, als Masthühner aufgezogen werden.
Eicherschachtel und Logo der Initiative Bruder-Ei
Initiative Bruder-Ei
Wer bei der Bio-Supermarktkette „SuperBioMarkt“ Eier der Marke „Initiative Bruder-Ei“ kauft, unterstützt mit 4 Cent je Ei die Aufzucht der männlichen Küken. Die Eier stammen von Ökobetrieben aus der Region des jeweiligen Biomarktes.
Logo haehnlein
Das Haehnlein-Konzept
Auch die Haehnlein-Initiative setzt auf die Aufzucht männlicher Küken. Hinter „haehnlein“ verbirgt sich ein Zusammenschluss ökologischer Hühnerhalter der Region Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg. „haehnlein“-Eier sind u. a. bei Tegut, Alnatura, Denns Biomarkt, Edeka sowie Real und Rewe erhältlich
Logo Bruderherz-Initiative
Basic Bruderherz-Initiative
Die Basic-Biosupermärkte bieten unter der Marke „basic Bruderherz-Initiative“ Eier an, durch deren Kauf man die Aufzucht der männlichen Geschwisterküken fördert.
Eicherschchtel mit Spitz&Bube-Logo von Rewe
Spitz & Bube (Rewe)
Als erste konventionelle Lebensmittelkette unterstützt Rewe mit der Marke „Spitz & Bube“ die Aufzucht männlicher Legehennenküken. In dem Projekt werden Hühner der alternativen Legehennenzuchtlinie„Sandy“ aufgezogen. Diese Legerasse des weltweit tätigen Hühnerzuchtunternehmens Lohmann ist keine klassische Zweinutzungszuchtlinie, die Hähne werden aber etwas schwerer als bei reinen Legerassen.
Eierschachtel mit Herzbube-Logo von Penny
Herz Bube (Penny)
Als erster Discounter verkauft Penny unter der Marke „Herzbube“ Eier von Legehennen, deren männliche Geschwisterküken als Masthähnchen aufgezogen werden. Wie bei Rewe verwendet man hier Hühner der alternativen Legehennenzuchtlinie „Sandy“.

 

Ökozüchtung setzt zunehmend auf echte Zweinutzungshühner

Das Kükentöten ist nicht nur ein Problem der konventionellen Betriebe. Auch in der ökologischen Junghennenaufzucht ist dieses Verfahren Routine. Bis heute sind auch Biolandwirte weitestgehend noch auf Tiere angewiesen, die für die konventionelle Intensivproduktion gezüchtet wurden, denn auch Biobauern müssen sich dem Preisdruck stellen und können ohne Unterstützung des Handels und der Verbraucher keine mageren, hochpreisigen Bruderhähne verkaufen Und so werden auch für Erzeugung von Ökoeiern nach wie vor männliche Geschwistertiere getötet. Ein Zustand, der der Biobranche schon lange ein Dorn im Auge ist.

Neben der Aufzucht männlicher Küken von Legehennen setzt die Ökobranche langfristig auf die Züchtung von Zweinutzungshühnern. Das sind Hühner, die sowohl Eier legen können als auch Fleisch ansetzen. Bislang legen die Hühner der Zweinutzungsrassen allerdings noch zu wenig Eier, um mit den herkömmlichen Zuchttieren konkurrieren zu können. Hier bedarf es noch vieler Jahre Züchtung, um die angestrebten Zuchtziele zu erreichen.

Wie viele Eier legt ein Zweinutzungshuhn im Vergleich zu den herkömmlichen Zuchtlinien?

Zweinutzungsrassen gab es früher fast auch jedem Hof. Die modernen Legehennen sind Zuchtlinien, die durch intensive Züchtungsbemühungen mittlerweile weit von den ursprünglichen Rassen entfernt sind. Sie können mehr als 340 Eier pro Jahr legen. Zum Vergleich: 1950 waren dies gerade mal 120 Eier pro Henne und Jahr. Ein Zweinutzungshuhn der Rasse Les Bleues legt heute etwa 180 bis 200 Eier, und damit etwa ein Drittel weniger als Hochleistungshennen.

Initiativen, die auf die Zucht von Zweinutzungshühnern setzen:

Logo Ei Care Regionalprojekt Zweinutzungshuhn
Ei-Care
Die Initiative Ei-Care ermöglicht es Verbrauchern schon jetzt, Eier und Fleisch von Zweinutzungshühnern der Rasse „Les Bleues“ zu kaufen. Die Lege- und Fleischleistung dieser Rasse ist um etwa ein Drittel geringer als die von einseitig auf Lege- bzw. Mastleistung gezüchteten Hybridtieren. Das Angebot der Ei-Care-Produkte beschränkt sich bislang vor allem auf den Großraum Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, weitet sich aber zunehmend aus.
Logo Hermannsdorfer Landwerkstätten
Herrmannsdorfer Landhuhn
Die ökologische Initiative „Hermannsdorfer“ experimentiert mit den Zweinutzungsrassen „Sulmtaler“ und „Les Bleues“. Eier und Fleisch dieser Hühner gibt es in den Hermannsdorfer-Läden in München und Umgebung sowie in ausgewählten Läden auch bundesweit zu kaufen.
Logo der Ökologischen Tierzucht gGmbH
Ökologische Tierzucht gGmbH
2015 gründeten die Bioanbauverbände Demeter und Bioland die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ), die sich vor allem um die Zucht von Zweinutzungsrassen bemüht. Verbraucher können die Arbeit der ÖTZ schon jetzt unterstützen, indem sie Eier der Initiative „1 Cent pro Ei für ökologische Tierzucht“ kaufen. Aktuell sind es fast 22 Mio. Eier, deren Verkauf direkt Geld für die Ökozüchtung erbringt.

 

Forschungsansatz: Geschlechtsbestimmung schon im Ei

Konventionelle Branchenvertreter und Politik setzen derzeit vor allem auf die sogenannte In Ovo-Geschlechtsbestimmung. Mit einem speziellen technischen Verfahren kann über die Entnahme von Flüssigkeit bereits ab dem achten Tag des Bruteis das Geschlecht bestimmt werden. Diese Methode befindet sich allerdings noch in der Entwicklung. Mit einem serienreifen Modell wird frühestens 2018 gerechnet.

 

 

Alternativen zum Töten männlicher Küken

YouTube-Video (BMEL 2017, 3:50 Min.)

Wie funktioniert die Geschlechtsbestimmung im Ei?

Derzeit gibt es zwei unterschiedliche Ansätze zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Beide verfolgen das Ziel, das Geschlecht zu ermitteln, noch bevor das Schmerzempfinden beim Embryo einsetzt. Bei der spektroskopischen Geschlechtsbestimmung wird etwa ab dem vierten Bruttag ein kleines Loch in das Ei gemacht und ein spezieller Lichtstrahl in das Innere des Eis geschickt. Über eine Analyse des reflektierten Lichts soll dann innerhalb weniger Sekunden das Geschlecht bestimmt werden können. Nach einem ganz anderen Prinzip arbeitet das endokrinologische Verfahren. Dabei bebrütet man die Eier etwa neun Tage lang und entnimmt dann jedem Ei über eine Nadel etwas Flüssigkeit. Mithilfe einer speziellen biotechnologischen Methode soll an diesen Proben innerhalb kurzer Zeit das Geschlecht bestimmt werden können. Eier, in denen sich männliche Küken entwickeln, werden nicht weiter bebrütet und können weiterverarbeitet werden. Zum Beispiel als Tierfutter oder für die technische Industrie.

Autor: Jörg Planer, Meckenheim

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