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Auch Bio muss nachhaltig handeln

Mit einem Festakt begingen Gäste aus Politik, Bildung, Forschung und (Land-)Wirtschaft das 20jährige Jubiläum der Ökoschule der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kleve.

(aid) – Mit einem Festakt begingen Gäste aus Politik, Bildung, Forschung und (Land-)Wirtschaft am 8. Dezember 2016 das 20jährige Jubiläum der Ökoschule der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kleve. Landesumwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel lobte die langjährige gute und wichtige Arbeit der Schule. Vertreter der Kammer, der Schulleitung und eine ehemalige Schülerin erinnerten ebenfalls an ihre langjährigen Erfahrungen mit der Institution. Thematischer Schwerpunkt des Jubiläums war eine Fachtagung zum Thema „Knappe, teure Flächen – welche Perspektiven hat die Landwirtschaft?“

Professor Dr. Ulrich Köpke von der Universität Bonn mahnte an, dass nicht allein ein Öko- oder Biosiegel ein Zeichen nachhaltiger Landwirtschaft sei. Leider komme es aus Gründen des Markt- und Konkurrenzdrucks auch im Bio-Bereich immer häufiger zu einer unsachgemäßen Nutzung und Ausbeutung des Bodens. Um der Verknappung der Ressource ‚Bodenfläche‘ entgegen zu wirken, komme es auf die Erhaltung der biologischen Stabilität und Ausdauer des Bodens an, der einem zur Verfügung steht. Neben politisch, rechtlichen Änderungen (Bodenrecht, Vorkaufsrecht für Landwirte, etc.), die das Interesse auch nicht-agrarisch ausgerichteter Investoren an Landerwerb als Kapitalanlage verringern sollen, müsse auch der Landwirt selber etwas für seine Arbeits- und Lebensgrundlage Boden tun.

Als Leiter des Instituts für Organischen Landbau der Universität Bonn und des institutseigenen Forschungsguts Wiesengut forderte Köpke ein Umdenken in der Fruchtfolge und Bodenbearbeitung. „Um den Boden auf lange Zeit frucht- und somit nutzbar zu halten, müssen tiefwurzelnde Früchte im Wechsel angebaut werden, sodass Wasser und Nährstoffe auch aus tieferen Bodenschichten verfügbar gemacht werden. Außerdem bieten die heutigen Techniken im Bereich des „precision farming“ den Landwirten die Möglichkeiten, zum Beispiel durch „Spotting“ auf ihren Schlägen, Bei- oder Unkräuter gezielt zu behandeln und somit die Biodiversität in Summe zu steigern.“

Zudem bedürfe es einer regionalen, wiedererkennbaren Marke, um erfolgreich ökologisch zu arbeiten. Werde ein Unternehmen zu groß und verhalte es sich wie ein konventioneller Investor, gehe der Gedanke der Nachhaltigkeit verloren; auch was das Thema Bodenknappheit angeht. Als mahnendes Beispiel hielt Köpke den Anwesenden die Insolvenz der KTG Agrar vom Juli 2016 vor Augen. Diese zählte mit Anbauflächen von über 45.000 Hektar in Deutschland, Litauen und Rumänien zu den größten Produzenten ökologisch angebauter Marktfrüchte und war das erste börsennotierte landwirtschaftliche Produktionsunternehmen.

Köpkes Fazit: Auch wenn momentan noch eine Bemessungsgrundlage für die Bonitierung nachhaltiger Bewirtschaftung von Seiten der Politik und der Wirtschaft bzw. des Handels fehlt, so sollte doch jede Landwirtin und jeder Landwirt im eignen Sinne so handeln, dass sie/er auch noch in zwanzig Jahren und darüber hinaus vom eignen Land leben kann.

Christian Habers, www.aid.de

http://www.landwirtschaftskammer.de/schulen/kleve/oekoschule/index.htm

http://www.regionalwert-ag.de/

https://www.wiesengut.uni-bonn.de/

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