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Biomasse für den Kraftstoffsektor

Feldfrüchte für die Lebensmittelindustrie wie Stärke-, Zucker- und Ölpflanzen sollen nicht mehr als Biomasse für Biokraftstoffe verwendet werden.

(BZfE) – Der Transportsektor verschlingt 32 Prozent des europäischen Energiekonsums und verursacht 22 Prozent der Treibhausgasemissionen Europas. Zu 94 Prozent basieren die Treibstoffe auf der Basis von Erdöl. Die EU hat dennoch Ende 2016 ein Auslaufen der Verwendung von Biomasse für Biokraftstoffe vorgeschlagen. Die Branche sieht sich vor dem Aus.

Bernd Kuepker von der EU-Generaldirektion Energie bezeichnete auf dem Biokraftstoffkongress im Januar 2017 die umstrittenen indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC) zwar als nicht belastbare Fakten, die EU-Kommission sieht darin aber dennoch negative Auswirkungen auf die Flächennutzung. Mit den iLUC im Hinterkopf will die Kommission die Biokraftstoffe auslaufen lassen und ab 2020 langsam ersetzen. In der Positivliste stehen dann nur noch Abfall und neue Biokraftstoffe aus Algen. Feldfrüchte für die Lebensmittelindustrie wie Stärke-, Zucker- und Ölpflanzen sollen nicht mehr verwendet werden. Zwischen 2020 und 2030 soll dieser Anteil von sieben auf 3,8 Prozent zurückgeführt werden. Die EU sieht auch Handlungsbedarf durch die steigenden Importmengen an Palmöl.

Die Berechnungen der EU sind für den FAO-Experten Olivier Dubois zu einfach gestrickt. Das Beispiel Brasilien zeige, dass Biokraftstoff aus Nahrungsmittelpflanzen nicht per se schlecht und aus Bioabfall per se gut seien. Das südamerikanische Land nutzt preisabhängig Zuckerrohr für die Zucker- oder Ethanolgewinnung. Koppelprodukte wie beim Raps entlasten den Flächenbedarf an Biomasse um zehn bis 30 Prozent. Nur die Monokultur für den Treibstoffmarkt erhöhe die Flächenkonkurrenz. Energiepflanzen in integrierten Anbausystemen mit Nahrungspflanzen bieten große Einkommenschancen für Kleinbauern. Wichtiger als iLUC sind Fragen, wem das Land gehört und wo das Land liegt, auf dem Energiepflanzen angebaut werden. Eine gute Regierungsführung und Monitoring der guten fachlichen Praxis könnten die Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit eines länderspezifischen Biomasseanbaus sicherstellen.

Jeffrey Skeer von der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) rechnete die noch möglichen Anbaureserven vor. Die viel zu niedrigen Ernteerträge in den Entwicklungsländern basieren häufig auf einem extensiven und unproduktiven Anbau. Die Steigerung der Produktivität auf die regional maximal möglichen nachhaltigen Ertragsstufen würde weltweit rund 500 Millionen Hektar Fläche frei geben. Eine effektivere Nutzung von Grünland gäbe 950 Millionen Hektar frei, die Verringerung von Ernteverlusten weitere 270 Millionen und das Aufforsten marginaler Standorte für die Biomassenutzung noch einmal 350 Millionen Hektar. Weltweit stünden so etwa zwei Milliarden Hektar Fläche zur Verfügung, die energetisch genutzt 300 Exajoule Energie erbringen könnten.

Roland Krieg, www.bzfe.de

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