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Blumenerde – eine Wissenschaft für sich

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Mal schnell Blumenerde kaufen – sollte ja nicht so schwer sein, oder? Von wegen, wer schon mal die endlosen Erdsackreihen abgeklappert hat, kommt ins Grübeln.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in unserer fantastischen Konsumwelt bin ich regelmäßig völlig überfordert. Einerseits finde ich es toll, ein großes Angebot zu haben, alles mögliche vergleichen und letztlich nach meinen persönlichen Kriterien entscheiden zu können, das will ich gar nicht leugnen. Aber gleichzeitig steigt mit dem Angebot das gefühlte Risiko eines Fehlkaufs und selbst alltägliche Entscheidungen wie die Auswahl einer Joghurtsorte werden zum nervenzehrenden Akt.

Frau schüttet Pflanzsubstrat in braunen Kunststoffkasten
Progressman / stock.adobe.com

Meine Umwelt scheint damit weniger Probleme zu haben, aber ich bin mir sicher, die erleiden ihre hysterischen Anfälle dafür zuhause. („Ohgottohgott, jetzt habe ich das Joghurt mit Cranberries statt Chiasamen erwischt, was soll ich bloß tun???“)

Nicht nur nervenaufreibend, sondern geradezu anstrengend wird die Auswahl mittlerweile auch, wenn es um den Kauf von Blumenerde geht. Da sind es nicht mehr fünf Meter Joghurttheke, die abgeklappert werden wollen, sondern zweimal die komplette Gartencenterlänge: Blumenerde Markenprodukt, Blumenerde Hausmarke, Kübelpflanzenerde Markenprodukt, Kübelpflanzenerde torfreduziert, Kübelpflanzenerde Hausmarke, Kräutererde, Hochbeeterde, Tomatenerde, Rosenerde, Hortensienerde, Rhododenronerde, Gemüseerde, Zitruserde, Buchsbaumerde... Die Liste ließe sich noch um einiges verlängern, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Mal ganz ehrlich, wie lange soll man sich denn mit dem Kauf einer verdammten Blumenerde beschäftigen?!?

Produktentwickler müssen eine ausgeprägte diabolische Ader und/oder einen schrägen Sinn für Humor haben – ich stelle mir immer den schöpferischen Geist vor, der zig Sorten Salat in die Welt geworfen hat: „... und jetzt noch den hier – er schmeckt genauso langweilig wie normaler Kopfsalat, aber, harhar, wir nennen ihn BATAVIA...“

Naja, jedenfalls für alle, die ihre Zeit lieber im Garten verbringen, als sich entlang von Erdpaletten die Füße plattzulaufen, hier kommen ein paar Infos zum Thema Pflanzsubstrate, die euch den Einkauf vielleicht etwas erleichtern.

Tipp 1: Billig-Erde kostet Nerven

Qualität hat ihren Preis, dieser Spruch trifft bei Pflanzsubstrat tatsächlich zu. Gute Substrate sind ausgeklügelte Mischungen aus hochwertigen Grund- und Zuschlagstoffen. Sie enthalten zum Beispiel Ton, der die Speicherkapazität für Wasser und Nährstoffe verbessert, Perlite, um die Durchlüftung zu verbessern, und wenn Kompost, dann nicht irgendeinen, sondern gütegesicherten Grünkompost, der keine Unkrautsamen als Beifracht in den Garten schleppt.

Über Billig-Erde freut man sich vielleicht beim Einkauf, aber wenn sie sich im trockenen Zustand kaum wieder benetzen lässt, oder wenn sie verdichtet und die Pflanzenwurzeln faulen, wird aus dem Schnäppchen Frust.

Torffreie Substrate im Blick behalten

Viele torffreie und torfreduzierte Substrate neigen zum Verdichten und Vernässen. Unbedingt auf einen guten Wasserabzug achten und anfangs zurückhaltend gießen, um ein Gefühl für das Substrat zu bekommen!

Tipp 2: Spezial-Erden sind meist überflüssig

Ausnahmen bestätigen die Regel. Empfehlenswert sind Spezial-Erden für:

  • Pflanzen, die einen niedrigen pH-Wert benötigen („saure Erde“), zum Beispiel Heidelbeere, Apfelbeere (Aronia melanocarpa), Rhododendren, Hortensien und andere sogenannte Moorbeetpflanzen. Trotzdem muss man es nicht unnötig verkomplizieren: Moorbeeterde kommt für alle genannten Pflanzen in Betracht, genau wie Rhododendronerde natürlich auch für Blaubeeren verwendet werden kann und umgekehrt. Ein entsprechender Spezialdünger zum Nachdüngen ist sinnvoll.
  • Zitruspflanzen, vor allem in puncto beigefügtem Langzeitdünger, denn Zitrusgewächse benötigen eine Extra-Portion Eisen. Ein entsprechender Spezialdünger zum Nachdüngen ist sinnvoll.
  • Kräuter und Sämlinge, denn sie benötigen ein nährstoffarmes, gut durchlässiges Substrat. Kräuter gedeihen auch im Rest der Anzuchterde, Sämlinge umgekehrt auch in Kräutererde.
  • Kakteen und Sukkulenten – ihr Substrat ist noch magerer und durchlässiger als das für Kräuter.
  • Schmetterlingsorchideen & Co., da sie eigentlich als Aufsitzerpflanzen in Baumkronen leben und ihre Luftwurzeln in normalem Substrat in kürzester Zeit faulen würden.

Tipp 3: Gemüse gedeiht auch in Balkon- und Kübelpflanzenerde

Balkon- und Kübelpflanzenerde zeichnet sich vor allem durch einen höheren Nährstoffgehalt aus, weil Geranien, Oleander & Co. sich beim Blühen ganz schön verausgaben. Das trifft auch auf Tomaten, Zucchini und Gurken zu, weshalb sie in Balkon- und Kübelpflanzenerde bestens gedeihen. Speziellen Gemüsedünger braucht es eigentlich auch nicht, zwar sind die Nährstoffverhältnisse dort etwas mehr auf die Fruchtbildung ausgerichtet, aber die Tomatenernte gelingt auch mit einem vielleicht ohnehin vorhandenen Balkonpflanzendünger.

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