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Das Geheimnis des Pflanzenflüsterns

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Blüht meine Dieffenbachie um ihr Leben, oder weil sie sich des Lebens freut? Das habe ich Markus Lölkes vom Frankfurter Palmengarten gefragt.

Jaaaa, sie lebt noch, sie lebt noch, sie lebt noch... Keine Sorge, mir hat nicht etwa der alte Holzmichl eins mit der Axt übergebrummt, ich bin lediglich freudentrunken ob der guten Nachrichten bezüglich meiner Dieffenbachie. Die ist weiterhin fleißig am Blühen und wie im vergangenen Post beschrieben, trieb mich die Sorge um, dass es sich womöglich um eine Notblüte handeln und das Ding kurz vorm Abkratzen stehen könnte.

Tut sie aber nicht, im Gegenteil, ihr geht’s super, das hat mir niemand geringeres versichert als Markus Lölkes, und der muss es wissen. Er ist nämlich im Palmengarten Frankfurt für sämtliche Pflanzen unter Glas zuständig – sozusagen der Herr der Häuser, und den habe ich mal zu meinem Blühwunder befragt.

blühende Dieffenbachie
Löwenzähnchen

Ergebnis: So ein ganz großes Wunder sind blühende Dieffenbachien eigentlich auch hierzulande nicht – falls die Kulturbedingungen stimmen, und das ist die Krux bei der Sache. Meine Dieffenbachia seguine stammt nämlich ursprünglich aus West-Indien und liebt neben einem einigermaßen hellen Standort vor allem eine hohe Luftfeuchte und gleichmäßig hohe Tag- und Nachttemperaturen. In puncto Licht und Luftfeuchte hat sie es in unserem Bad also schon mal gut getroffen, allerdings laufen die Heizungkörper bei uns in der Regel eher auf Sparflamme oder sind ganz aus.

Bis vor kurzem zumindest, und das ist auch des Rätsels Lösung: Seit Nachwuchs Numero Zwei das Licht der Welt erblickt hat, ist es im Badezimmer auch an kühlen Tagen rund um die Uhr wohlig warm – schwupps, waren die Blüten da. Ich war also mehr Babyflüsterer als Pflanzenflüsterer, aber was soll's, das Ergebnis zählt :-) .

Achtung, Schwiegermutteralarm!

Schweigrohrwurzel heißt die Dieffenbachie im Deutschen so korrekt wie langweilig. Die englischen Namen Schwiegermutterzunge und Stummrohr klingen da doch schon interessanter. Alle drei Bezeichnungen gehen auf die toxische Wirkung des in den Pflanzenzellen enthaltenen Calciumoxalats zurück: Die Kristalle können unter anderem den Rachenraum betäuben, übermäßigen Speichelfluss verursachen und das Sprechen vorübergehend unmöglich machen – das scheint die namensgebende Person sehr inspiriert zu haben ;-).

Etwas ernsthafterer Hinweis: Bei kleinen Kindern, die Pflanzenteile gekaut haben, ist eine Verlegung der Atemwege durch Schwellungen nicht auszuschließen, also erhöhte Vorsicht walten lassen und die Pflanze am besten außer Reichweite stellen. Erwachsene sollten das Zeug logischerweise ebenfalls nicht futtern und beim Umtopfen lange Ärmel und Handschuhe tragen. Das beugt Hautreizungen vor, falls doch mal ein Blatt abknickt und Pflanzensaft austritt.

Außerdem stecke ich schon mittendrin im nächsten spannenden Projekt. Von Herrn Lölkes habe ich nämlich erfahren, dass es gar nicht so schwer ist, Dieffenbachien aus Samen  zu vermehren – solange der sozusagen frisch von der Pflanze stammt, selbst ein Tag Pause zwischen Samenernte und Aussaat ist schon zu viel. Da bietet sich doch eine wunderbare Gelegenheit, weshalb ich gleich mal zum Pinsel greifen und ein bisschen Bestäuber spielen werde. Mal sehen, ob es klappt, und ich mich bald schon über cremeweiße Beerenfrüchte und Pflanzennachwuchs freuen kann, drückt mir die Daumen!

 

Ausflugstipp: Palmengarten Frankfurt

Der Frankfurter Palmengarten ist für Pflanzenfans ein absolutes Muss und ein tolles Ausflugsziel auch für Familien – dank der vielen Schauhäuser zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Schräg gegenüber befindet sich zudem gleich das nächste Highlight: der Botanische Garten. Weniger bekannt und über die Wintermonate geschlossen aber ein wunderschönes Refugium für Naturverliebte.

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