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Biostädte

Die ökologische Landwirtschaft und das Bio-Lebensmittelangebot vor Ort fördern, dafür setzen sich ein Dutzend Biostädte im Netzwerk der deutschen Biostädte, -gemeinden und -landkreise ein.

Marktstände auf einem Marktplatz
ArTO / Fotolia.com
  • Das Netzwerk der Biostädte ist ein Zusammenschluss von Kommunen, die die ökologische Landwirtschaft und das Bio-Lebensmittelangebot vor Ort fördern möchten.
  • Die Basis bildet eine Kooperationsvereinbarung, die alle Mitglieder unterschrieben haben. Im Vordergrund stehen Erfahrungsaustausch, gemeinsame Projekte, die Akquise von Fördermitteln und öffentlichkeitswirksame Aktionen.
  • Netzwerkmitglied kann jede Kommune werden, die sich für mehr Bio engagieren will.
  • Anhand der Biostadt Bonn zeigen wir, wie das funktioniert und welche Vorteile es hat.

Wer sich für Bio einsetzt, fördert Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche. Das ist die Überzeugung der Kommunen, die sich seit 2010 im Netzwerk der Biostädte engagieren. Möglichkeiten, Ökolandbau und Bio-Lebensmittel auf regionaler und lokaler Ebene zu unterstützen, gibt es viele. Jede Stadt setzt dabei ihre eigenen Schwerpunkte – und lernt von den Erfahrungen der anderen.

Selber Bio einkaufen

Auch Kommunen sind Verbraucher. 240 Milliarden Euro geben Städte, Gemeinden und Landkreise jedes Jahr für Einkäufe aus. Ein Teil davon entfällt auf Lebensmittel, etwa für städtische Kantinen, das Mittagessen in kommunalen Schulen und Kitas oder die Häppchen auf dem Empfang des Oberbürgermeisters. Die Biostädte haben sich vorgenommen, den Bio-Anteil bei der Beschaffung ihrer Lebensmittel kontinuierlich zu steigern. Einige sind dabei schon weit gekommen. In München liegt in den städtischen Kindergärten der Bio-Anteil am Essen wertmäßig bei 50 Prozent, bei Fleisch sind es 90 Prozent. In den Kinderkrippen ist der Bio-Anteil noch höher.

Doch das Umstellen auf Bio ist ein langwieriger Prozess. Da müssen manche Köche in den Kantinen überzeugt und regionale Bio-Lieferanten gefunden werden. Auch dürfen die Kosten nicht außer Acht gelassen werden. Außerdem müssen Kommunen Leistungen öffentlich ausschreiben. Wie man das korrekt macht und dabei gleichzeitig Bio voranbringt, steht in dem Leitfaden "Mehr Bio in Kommunen" (siehe Links unten), den das Netzwerk Biostädte in Deutschland erarbeitet hat, gefördert von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Motivieren für mehr Bio

Die Öffentlichkeitsarbeit für Bio-Lebensmittel wird in allen Biostädten großgeschrieben. Sie informieren regelmäßig die Verbraucherinnen und Verbraucher, geben Bio-Einkaufs- und Gastronomieführer heraus oder veranstalten Bio-Wochen. Dabei arbeiten die Kommunen eng mit örtlichen Bildungseinrichtungen, Umweltverbänden und Initiativen zusammen. Bildungsprojekte bringen Bio in die Schulen, etwa durch Bio-Kochaktionen, Hofbesichtigungen oder das Anlegen von Schulbeeten. Wichtig ist auch die Beratung von privat betriebenen Großküchen und Kantinen, um ihnen Bio schmackhaft zu machen.

Alle an einen Tisch bringen

Biostädte verstehen sich als Knoten in lokalen und regionalen Bio-Netzwerken. Wo es solche Netze noch nicht gibt, versuchen die Kommunen, welche zu schaffen. Sie bringen Bio-Erzeuger aus dem Umland in Kontakt mit möglichen Abnehmern in der Stadt. Sie knüpfen Verbindungen zwischen Bio-Betrieben und Bildungseinrichtungen. Sie betreiben aktive Wirtschaftsförderung, etwa indem sie Bio-Bauernmärkte einrichten oder ein gemeinsames Bio-Marketing organisieren.

Mitglied im Netzwerk der Biostädte werden

Das Netzwerk der Biostädte, -gemeinden und -landkreise ist ein Zusammenschluss von Aktiven ohne feste Organisationsform und Mitgliedsbeiträge. Die Basis bildet eine Kooperationsvereinbarung (siehe Link unten), die alle Mitglieder unterschrieben haben. Im Vordergrund stehen Erfahrungsaustausch, gemeinsame Projekte, die Akquise von Fördermitteln und öffentlichkeitswirksame Aktionen. Das Netzwerk will auch darauf hinwirken, dass sich die staatliche Förderpolitik „wesentlich stärker auf die Bio-Branche und entsprechende Kooperationsprojekte fokussiert.“ Mitmachen kann jede Kommune, die sich für mehr Bio engagieren will. Sie sollte in ihrem Entscheidungsgremium einen entsprechenden Beschluss fassen, Ziele definieren und die sich daraus ergebenden Projekte, Aktionen und Maßnahmen konsequent umsetzen. Für das Netzwerk und den Austausch untereinander muss jede Kommune eine Kontaktperson benennen.

Wie wird man eigentlich Bio-Stadt?

Das Prozedere am Beispiel der Stadt Bonn

Am 18. Januar 2018 hatte der Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz der Stadt Bonn in seiner Sitzung beschlossen, dass die Stadt eine Mitgliedschaft im Netzwerk Biostädte anstreben soll.

Übergabe der Urkunde zum Beitritt ins Netzwerk der Biostädte

In einer Mitteilungsvorlage für den Umweltausschuss wies die Verwaltung am 30.05.2018 darauf hin, dass laut den Vorgaben des Netzwerks ein*e feste*r Ansprechpartner*in für die Biostadt Bonn notwendig sei, mit dem Umfang einer halben Stelle. Personelle Ressourcen und finanzielle Mittel standen jedoch nicht zur Verfügung.

Als Möglichkeit, den angestrebten Beitritt zum Netzwerk dennoch realisieren zu können, hatte die Verwaltung auf eine Kooperationsmöglichkeit mit der Fachhochschule Bonn Rhein-Sieg hingewiesen. Danach kann eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachhochschule im Rahmen des Förderprogramms "Karrierewege FH-Professur" den geforderten Praxisanteil bei der Stadt Bonn absolvieren, im Rahmen einer halben Stelle über den Zeitraum von drei Jahren. Dieser Förderantrag wurde am 7.11.2018 durch das Land bewilligt und um einen Vertrag zwischen Fachhochschule und Stadt Bonn ergänzt.

Für die Aufnahme der Tätigkeit bei der Stadt Bonn wurde der 01.01.2019 vereinbart. In der Folge wurde mit dem Ratsbeschluss vom 07. Februar 2019 die Voraussetzungen geschaffen, um dem Netzwerk deutscher Biostädte beizutreten.

Am 25. März 2019 war es dann so weit: Bürgermeister Reinhard Limbach konnte im Rahmen der zweiten Bio-Messe, veranstaltet vom Arbeitskreis „Bio in Bonn“ der Initiative zur Gründung eines Ernährungsrats für Bonn und Umgebung, die Mitgliedsurkunde entgegennehmen. Die Stadt Bonn ist damit als erste Stadt in NRW dem Netzwerk Biostädte beigetreten. Die Mitgliedschaft ergänzt das Profil Bonns als Fair Trade Town und Stadt der Nachhaltigkeit.

Die Biostädte besuchen

Das Netzwerk der Biostädte erreichen Sie über www.biostaedte.de.

Karte Biostädte in Deutschland

Einige der derzeit 19 Mitglieder (Stand Oktober 2019) betreiben eigene Internetangebote, auf denen sie ihre Leistungen darstellen.

Mitglieder im Netzwerk sind: Augsburg, Berlin, Bonn, Bremen, Darmstadt, Erfurt, Erlangen, Freiburg, Hamburg, Heidelberg, Ingolstadt, Karlsruhe, Landshut, Lauf an der Pegnitz, Leipzig, München, Nürnberg, Regensburg, Witzenhausen.

Entstanden ist die Bewegung ursprünglich in Italien. Dort sind es die Città del Bio, die sich gegenseitig unterstützen.

3 Fragen an Darya Hirsch, Ansprechpartnerin für die Biostadt Bonn im Agenda-Büro der Bonner Stadtverwaltung

1. Liebe Frau Hirsch, konnten Sie seit Antritt Ihrer Stelle im Agenda-Büro schon Maßnahmen für die Biostadt Bonn umsetzen?

Darya Hirsch von der Biostadt Bonn
Darya Hirsch von der Biostadt Bonn

Als eine erste Maßnahme im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung der örtlichen Initiativen hat die Biostadt Bonn am 28. September 2019 das erste Bonner Agrikultur-Festival mitveranstaltet. Nach dem Motto „Vom Acker über den Teller bis zum Kompost“ haben sich über 40 Aussteller auf dem Bonner Münsterplatz präsentiert, die sich für regionales, gesundes, ökologisches, klimafreundliches, fair produziertes Essen und gegen Lebensmittelverschwendung und Plastikmüll engagieren. Neben Musik und gutem Essen gab es Vorträge und Workshops zum Thema. Und der Ernährungsrat in Gründung hat seine Vision 2030 vorgestellt.

Außerdem wurden im Bereich Gemeinschaftsverpflegung für Schulen, Kitas und Seniorenzentren bereits einige Maßnahmen angeschoben: In einigen Bonner Schulen werden bereits seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 und in Kitas seit Anfang dieses Jahres zehn Prozent der Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung aus ökologischem Landbau eingesetzt. Fisch kommt dort nur noch mit dem MSC-Siegel auf den Speiseplan. Die Quote soll im zweiten Jahr auf 20 Prozent gesteigert werden. Auch für die Bonner Seniorenzentren gibt es einen entsprechenden Auftrag, verstärkt Lebensmittel aus biologischer und lokaler Herkunft anzubieten.

Auch um den Ökolandbau auf der Erzeugerseite zu fördern, hat die Stadt Bonn bereits Verantwortung übernommen: Die verpachteten landwirtschaftlichen Flächen der Stadt sollen vorrangig ökologisch bewirtschaftet werden. Es wird aber im Einzelfall zu betrachten sein, ob eine Umstellung unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich ist und ob in Bonn eine Nachfrage nach entsprechend zu bewirtschaftenden Flächen existiert.

2. Verraten Sie uns, welche Projekte Sie in den nächsten Monat planen?

Als Biostadt Bonn haben wir eine Förderung beim Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) beantragt. Im Rahmen der sogenannten RIGE-Ausschreibung, „Richtlinie über die Förderung von Projekten zur Information von Verbraucherinnen und Verbrauchern über regionale Wertschöpfungsketten zur Erzeugung von Bioprodukten sowie zur Umsetzung von begleitenden pädagogischen Angeboten“, planen wir eine Veranstaltungsreihe, die Informationen über die Vorteile des ökologischen und regionalen Landbaus an erwachsene Verbraucher*innen, Bürger*innen und Akteur*innen der Region auf eine aktivierende und sinnlich erfahrbare Weise vermittelt sowie den aktuellen Stand des ökologischen Landbaus in der Region sowie in NRW darstellt.

Es sind Veranstaltungen angedacht, die rund um das Jahr Information bereitstellen und für Vernetzung sorgen. Als erstes, im kommenden Herbst, ist die Etablierung eines ökologischen Vernetzungscafés vorgesehen, das Interessierte aus verschiedenen Bereichen einmal im Monat zusammenbringen soll.

Auch zum Thema Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen der Stadt Bonn und Umstellung auf Bio wird es Info-Veranstaltungen geben. Dabei arbeitet die Biostadt sehr eng mit dem Liegenschaftsamt zusammen.

Außerdem hat das Amt für Umwelt, Verbraucherschutz und lokale Agenda, in dem die Biostadt Bonn angesiedelt ist, die Veranstaltungsreihe „Nachhaltigkeit, Klima, Fairer Handel – Schule trifft Verwaltung“ ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Treffen ist es, die Kooperation zwischen Verwaltung und Schulen zu intensivieren und einen Austausch auf breiterer Ebene anzustoßen. Die Biostadt Bonn wird pädagogische Begleitung bei der Einführung von ökologisch erzeugten Lebensmitteln in der Schulverpflegung leisten, indem sie Fortbildungen für Lehrkräfte anbietet und die Bekanntheit von Bildungsmaßnahmen wie dem BZfE-Ernährungsführerschein und dem BZfE-Unterrichtskonzept SchmExperten fördert.

3. Was sind für Sie die größten Vorteile, den der Beitritt zum Netzwerk der Bio-Städte für die Stadt Bonn hat?

Durch den Beitritt zum Netzwerk profitiert die Stadt Bonn von der langjährigen Erfahrung anderer Biostädte. Denn diese können wichtige Informationen weitergeben, zum Beispiel dazu, wie sich Qualitätsmanagement und Lebensmitteleinkauf bei der Umstellung der Mittagsverpflegung in den Kindereinrichtungen auf Bio am besten organisieren lassen. Auch zur Vernetzung von Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Bio-Lebensmitteln, z. B. für Aufbau direkter Erzeuger-Verbraucher-Beziehungen, gibt es schon viele erprobte Konzepte, auf die wir zurückgreifen können.

Autor: Leo Frühschütz

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