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Einfluss der Gene auf Übergewicht ist fraglich

Übergewicht und Fettleibigkeit sind zu einem weltweiten Gesundheitsproblem geworden. In Deutschland leiden mehr als 50 Prozent der Erwachsenen an Übergewicht, etwa ein Fünftel ist adipös.

adipöse Frauen sitzen an einem Tisch
iStock.com / monkeybusiness

(BZfE) – Übergewicht und Fettleibigkeit sind zu einem weltweiten Gesundheitsproblem geworden. In Deutschland leiden mehr als 50 Prozent der Erwachsenen an Übergewicht (Body Mass Index [BMI] > 25), etwa ein Fünftel ist adipös (BMI > 30). 15 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren sind übergewichtig, 6 Prozent sind adipös. Der Anteil übergewichtiger Kinder ist in Deutschland seit 1999 um 50 Prozent angestiegen der Anteil adipöser Kinder hat sich seitdem verdoppelt. Das ist hauptsächlich auf einen modernen Lebensstil zurückzuführen, der sich durch geringe körperliche Aktivität und zu viel energiereiches Essen auszeichnet.

Aber auch genetische Faktoren spielen eine Rolle beim Entstehen von Adipositas. Bis heute wurden etwa hundert Gene identifiziert, die mit dem BMI in Zusammenhang stehen. Die Funktionen der Gene sowie die biologischen Mechanismen dahinter sind jedoch weitgehend unbekannt.

Nichtsdestotrotz sind individuelle Verzehrempfehlungen auf der Basis einer Genanalyse zurzeit in Mode. Ein Team an der Technischen Universität München (TUM) hat Fachartikel systematisch analysiert und kommt zu dem Schluss: Es gibt keinen eindeutigen Beleg für die Einflussnahme genetischer Faktoren auf den Verzehr von Kalorien, Kohlenhydraten und Fett. Die Sinnhaftigkeit von Gen-Diäten sei nach heutigem Kenntnisstand nicht bewiesen. „In all den Studien sind wir am häufigsten auf das Gen für Fettmasse und Fettleibigkeit (FTO) als auch auf das Melanocortin-4-Rezeptor-Gen (MC4R) gestoßen. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang dieser beiden Gene mit der Gesamtenergieaufnahme“, erklärt Dr. Christina Holzapfel vom Institut für Ernährungsmedizin am Else Kröner Fresenius-Zentrum der TUM. Jedoch habe die Studienauswertung kein einheitliches Bild erbracht: „Wir können lediglich in geringem Umfang einen Zusammenhang zwischen dem FTO-Gen und niedriger Energiezufuhr sowie dem MC4R-Gen und erhöhter Energiezufuhr ausmachen.“

Somit gibt es bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte genetische Faktoren mit der Gesamtzufuhr von Kalorien, Kohlenhydraten und Fett im Zusammenhang stehen. Der momentane Wissensstand sei noch zu begrenzt, um aufgrund genetischer Informationen individuelle Ernährungsempfehlungen etwa fürs Gewichtsmanagement abzuleiten, erklärt die Wissenschaftlerin. Letzterem schließen sich auch die einschlägigen Fachgesellschaften an.

Rüdiger Lobitz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

https://academic.oup.com/advances/article/9/4/425/5055951

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