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Wochenmarkt

Auf dem Wochenmarkt gibt es Gemüse, Obst, Käse, Wurst und andere Lebensmittel – direkt vom Verkäufer. Doch das garantiert nicht, dass die Produkte regional oder ökologisch erzeugt wurden.

Gemüsestand auf dem Wochenmarkt direkt vom Erzeuger
VRD / Fotolia.com

Gemüse aus der Gärtnerei, Honig vom Imker, Frischkäse direkt vom Hof: Alles ist appetitlich angerichtet und wenn der Kundenandrang nicht zu groß ist, bleibt Zeit für einen kurzen Plausch mit der Verkäuferin. Einkaufen auf dem Markt macht Spass und es gilt als besonders nachhaltig. Denn aus Sicht der Kunden stammen die Lebensmittel aus der Region und meist aus ökologischem Anbau. Oft trifft das zu, aber nicht immer.

Die Händler sind fast immer regional

Üblicherweise hängt an jedem Marktstand ein Firmenschild mit Name und Anschrift des Inhabers. Daran lässt sich sofort erkennen, ob der Verkäufer aus der Region kommt. Meistens ist das so, weil sich für mobile Händler, die wöchentlich oder gar täglich auf einem Markt vertreten sind, weite Anfahrten nicht lohnen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass auch die angebotenen Waren aus der Region kommen. Bei den Oliven am türkischen Feinkoststand ist das ebenso offensichtlich wie bei Pfirsichen oder Orangen am Obststand. Sie kommen aus der Großmarkthalle, wo sich der Händler mit Ware eindeckt. Von dort stammt aber auch in vielen Fällen saisonales Obst und Gemüse.

Die Händler sind verpflichtet, das Ursprungsland anzugeben. Bei korrekt ausgezeichneten Erdbeeren kann der Kunden also erkennen, ob sie in Spanien oder Deutschland angebaut wurden. Ausnahmeregeln gibt es nur für einige wenige Produkte wie Kartoffeln, Bananen oder Kokosnüsse. Hier ist die Herkunftsangabe freiwillig.

Auch bei anderen regionalen Händlern stammen deren Produkte nicht unbedingt aus der Region, etwa bei Käse.

Bauer, Bäcker und Metzger von nebenan

Wer regional einkaufen will, sollte sich deshalb an die Erzeuger und Verarbeiter halten, die aus der Region kommen. Die Metzgerei aus dem Nachbarort, die Hofkäserei oder der Gartenbaubetrieb bieten Lebensmittel an, die sie selbst erzeugt oder hergestellt haben. Aber sie kaufen oft auch zu, denn ein attraktiver Marktstand muss ein breites Sortiment anbieten. Gesetzlich verbindliche Vorgaben für ein regionales Produkt gibt es nicht und mancher Anbieter versucht den Eindruck zu vermitteln, alles sei aus eigener Produktion. Fragen Sie im Zweifelsfall einfach nach.

Bei Verarbeitern wie Bäcker und Metzger lohnt es sich auch zu wissen, woher sie ihre Rohstoffe beziehen. Schlachtet der Metzger noch selbst? Kam die Kuh von einem Bauern aus der Region oder lieferte ein Kühl-Lkw gefrorene Tierhälften aus einem Großschlachthof? Und weiß der Bäcker, welche Bauern das Getreide anbauten, das er zu leckerem Holzofenbrot verbacken hat? Wenn auch die Rohstoffe aus der Region stammen, sind verarbeitete Lebensmittel besonders nachhaltig.

Bio muss draufstehen

Beinahe jeder siebte Bio-Bauer verarbeitet die erzeugten Lebensmittel weiter, macht Fleisch- und Wurstwaren daraus, Obstsaft und Aufstriche, Brot und Nudeln. Verkauft werden die Produkte fast immer direkt an die Verbraucher, über Hofläden, Abodienste oder Wochenmärkte. Hinzu kommen Obst- und Gemüseanbauer, die ihre Bio-Erzeugnisse dort vermarkten. Auf fast jedem Markt finden sich deshalb einige Bio-Erzeuger. In größeren Städten gibt es sogar reine Öko-Märkte, auf denen ausschließlich Lebensmittel in Bio-Qualität angeboten werden.

Bio-Anbauverbände in Deutschland

Logo Bioland e.V.
Bioland ist der führende Verband für ökologischen Landbau in Deutschland. Über 7.300 Landwirte, Gärtner, Imker und Winzer wirtschaften nach den Bioland-Richtlinien. Hinzu kommen mehr als 1.000 Partner aus Herstellung und Handel wie Bäckereien, Molkereien, Metzgereien und Gastronomie.

Den Rahmen für die Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur bilden die sieben Bioland-Prinzipien für die Landwirtschaft der Zukunft. Dazu gehören die Förderung der Artenvielfalt und aktiver Klima- und Umweltschutz genauso wie soziale Aspekte, z.B. die Schaffung von Arbeitsplätzen, faire Handelspartnerschaften oder der Erhalt von lebendiger Kultur auf dem Land.
Logo Demeter e.V.
Demeter-Mitglieder arbeiten nach strengen Richtlinien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, die auf den Grundsätzen des Anthroposophen Rudolf Steiner basieren. So ist zum Beispiel die Tierhaltung zur Erzeugung biologischen Düngers im Sinne einer geschlossenen ökologischen Kreislaufwirtschaft obligatorisch.

Demeter hat außerdem als erster Bio-Verband eine Richtlinie für Pflanzenzüchtung erlassen und gründete gemeinsam mit Bioland die Ökologische Tierzucht gGmbH. Über 1.500 Landwirte in Deutschland sind Demeter angeschlossen, hinzu kommen 330 Demeter-Hersteller, -Verarbeiter und -Handelspartner sowie mehr als 500 Demeter-Partner-Läden.
Logo Naturland e.V.
Naturland e.V. gehört mit weltweit 54.000 Erzeugern in 52 Ländern zu den größten ökologischen Anbauverbänden. Im Zentrum aller Naturland Richtlinien stehen ein ganzheitlicher Ansatz, nachhaltiges Wirtschaften, praktizierter Natur- und Klimaschutz, Sicherung und Erhalt von Boden, Luft und Wasser sowie der Schutz des Verbrauchers. Dabei werden auch Bereiche abgedeckt, die in der EG-Öko-Verordnung nicht geregelt sind, wie z.B. die ökologische Waldnutzung, Textil- und Kosmetika-Herstellung oder soziale Aspekte.

Mit der Zusatzzertifizierung Naturland Fair vereint der Verband die strengen Naturland Öko-Sozial-Richtlinien mit eigenen Standards für Fairen Handel.
Logo Biokreis e.V.
Das seit 1979 gewachsene Netzwerk des Biokreis e.V. umfasst 1.200 Landwirte, 150 Verarbeiter und 200 Verbraucher, hauptsächlich in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Das Ziel von Biokreis ist es, eine enge regionale und faire Zusammenarbeit von Beteiligten nach ökologischen Grundsätzen zu fördern und die bäuerliche Landwirtschaft lebensfähig zu erhalten.

Biokreis hat die Richtlinien für Wald, Hotel/Gastronomie und Tiernahrung ins Leben gerufen sowie das Siegel „bio & fair“ und ist Vorreiter mit dem Projekt „100 % Bio-Leder“. Voraussetzung für eine Biokreis-Zertifizierung ist die Komplettumstellung des Betriebes auf ökologischen Landbau.
Logo Biopark e.V.
Der Biopark-Verband wurde 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Derzeit arbeiten rund 500 Landwirtschaftsbetriebe und 100 Verarbeiter und Händler in 15 Bundesländern nach den Biopark-Kriterien. Dazu gehören eine artgerechte Tierhaltung ebenso wie der Verzicht auf Gentechnik sowie auf chemisch-synthetische Pestizide und Stickstoffdünger.

In Kooperation mit dem WWF hat der Verband den Naturschutzstandard „Landwirtschaft für Artenvielfalt" ins Leben gerufen. Mehr als 300 Biopark-Betriebe wirtschaften in Naturschutzgebieten. Neben Fleischerfachgeschäften, Mühlen, Bäckereien oder Molkereien sind auch Restaurants, Hotels und Catering-Unternehmen Mitglieder des Biopark-Verbandes.
Logo Gäa e.V.
Der Gäa e.V. wurde 1989 in Dresden gegründet und hat seinen Schwerpunkt in den neuen Bundesländern. Dem Verband sind 350 Bauern und Bäuerinnen sowie zahlreiche Unternehmen aus Verarbeitung und Handel angeschlossen.

Spezialisierte Betriebe, zum Beispiel für Kräuter- oder Beerenanbau, Saatgutvermehrung oder Teichwirtschaft prägen die Vielfalt des Gäa-Verbandes, von kleineren Gartenbau- und klassischen Familienbetrieben bis hin zu Genossenschaften. Naturschutzaspekte und soziale Richtlinien waren von Anfang an feste Bestandteile der strengen Gäa-Richtlinien. Gaä e.V. ist seit 2003 IFOAM akkreditiert und damit als Öko-Zertifizierer international anerkannt.
Loho Ecoland e.V.
Ecoland wurde 1997 von einer Handvoll Bauern in Hohenlohe gegründet und umfasst heute weltweit 1.300 Erzeuger mit Projekten in Deutschland, Rumänien, Serbien und Indien. Schwerpunkte sind der Anbau und die Vermarktung von ökologischen Naturgewürzen, von Brotgetreide, Zuckerrüben, Sojabohnen und weiteren Leguminosen sowie die artgerechte Fleischerzeugung.

Die Ecoland-Richtlinien fordern ein ethisch vertretbares und nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur und die Bewahrung der regionalen Kulturlandschaft. Dabei stehen der Praxisbezug, der Dialog mit den Bauern und die Offenheit für wissenschaftliche Erkenntnisse im Vordergrund.

 

Jeder Bio-Erzeuger und Verarbeiter unterliegt dem Öko-Kontrollsystem und wird mindestens einmal jährlich von einer Öko-Kontrollstelle kontrolliert. Die meisten Betriebe, die direkt vermarkten, gehören zudem einem der Bio-Anbauverbände wie Bioland, Naturland oder Demeter an. Die Vorgaben der Verbände gehen über die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung noch hinaus, stehen also für besonders nachhaltige Bio-Produkte. Das Verbandslogo an einem Marktstand signalisiert dem Verbraucher zugleich, dass er an diesem Stand ausschließlich Lebensmittel in Bio-Qualität bekommt. Denn die Verbandsrichtlinien untersagen den Betrieben den Zukauf konventioneller Produkte. Auch müssen sie zugekaufte Lebensmittel eindeutig kennzeichnen. „Die Auszeichnung der Produkte muss bzgl. Herkunft und Art der Erzeugung eindeutig sein, eigen erzeugte und zugekaufte Ware ist getrennt zu deklarieren“, schreibt etwa der Anbauverband Naturland seinen Mitgliedern vor.

Vorsicht geboten ist bei Marktständen, die nur einzelne Waren als Bio ausloben. Sind die Produkte verpackt, etwa Aufstrich in Gläsern, müssen sie – wie im Supermarkt auch - das EU-Bio-Logo und die Codenummer einer Öko-Kontrollstelle (etwa DE-ÖKO-006) tragen. Bietet der Stand lose Ware an, müsste er sich selbst von einer Kontrollstelle zertifizieren lassen. Fehlt eine solche Zertifizierung, prüft auch niemand nach, ob das angebotene Bio-Produkt tatsächlich Bio ist.  

Märktschwärmer: Wochenmarkt mal anders

Die Marktschwärmer sind ein Netzwerk, das Verbraucher und regionale Erzeuger zusammenbringt. Anders als beim Besuch auf dem Markt müssen die Lebensmittel zwei Tage vorab bestellt und dann beim gemeinsamen Treffen abgeholt werden. Der Vorteil: Der Lieferant kann genau planen, es bleiben keine Reste, dafür viel Zeit für Gespräche. Bundesweit gibt es derzeit 42 Schwärmereien, 60 weitere sind im Aufbau.

Autor: Leo Frühschütz, Sulzberg

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