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Erfahrungen in einer solidarischen Landwirtschaft

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Regional, saisonal, nachhaltig - wie kann das gehen? Zum Beispiel in einer solidarischen Landwirtschaft.

Als ich den Ausdruck Solawi zum ersten Mal gehört habe, verstand ich nur Bahnhof. Wenn es euch auch so geht: Solawi steht für Solidarische Landwirtschaft und bedeutet unter anderem, dass Landwirt und Abnehmer eng zusammenarbeiten.

Äpfel in großen Erntekisten
Julia Icking, Bonn

Ich war in den letzten Monaten Teil einer Obstsolawi. Die hat sich aber leider nicht so entwickelt, wie erhofft. Dadurch funktionierte das System nicht so gut und sie schließt zum Ende der Saison. Wenn sich nur Wenige engagieren und die Zeit nehmen, um das System zu pflegen, bleibt zu viel Arbeit an Einzelnen hängen.

Anders ist das bei der Bonner Gemüse-Solawi. Sie besteht schon seit vielen Jahren. Sie hat sogar mehrfach den Hof gewechselt. Das war nicht einfach, hat aber geklappt. Über 400 Teilnehmer freuen sich im Sommer jede Woche über ihren Ernteanteil. Im Winter alle zwei Wochen. Neulich durfte ich einen Salatkopf probieren, denn die vier Salatköpfe einer einzigen Wochenernte konnte eine Nachbarin nicht alleine essen. Ob das jetzt ein Vor- oder Nachteil ist, müsst ihr selber entscheiden. Wir haben uns jedenfalls gefreut, denn der Salat war riesig-groß und super-frisch!

Die Schwierigkeiten zeigen, dass es immer Engagierte braucht, die solche Systeme ins Leben rufen und dafür sorgen, dass sie weiter bestehen. Wenn es funktioniert, ist eine Solawi eine tolle Möglichkeit für Verbraucher an saisonales, regionales und in der Regel biologisch angebautes Gemüse zu kommen. Der Vorteil des Landwirts liegt auf der Hand: Eine Solawi verteilt das Risiko für eine schlechte Ernte auf viele Schultern. Und wenn besonders viel zu tun ist, können die Teilnehmenden helfen.

Was ist eine Solawi?

Unter dem Begriff „Solidarische Landwirtschaft“ versteht man eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammen etwas anbauen und sich die Ernte teilen. Das Anbauen übernimmt in der Regel ein professioneller Gärtner oder Landwirt, die Abnehmer können zu bestimmten Zeiten mithelfen. Das Solidarische an der Landwirtschaft sind die geteilten Kosten und das geteilte Risiko. So bezahlen die Teilnehmenden pro Monat eine bestimmte Summe, die gemeinsam festgelegt wird.

Und das geht so: Der Landwirt rechnet aus, welche Kosten im laufenden Jahr zusammenkommen. In einer Beitrags- oder Bieterrunde bestimmt die Gemeinschaft, wer davon wie viel übernimmt. Ganz solidarisch: Wer viel bezahlen kann, bezahlt mehr, wer wenig hat, bezahlt weniger. Hauptsache, die Gesamtsumme stimmt, damit alles bezahlt werden kann. Trotzdem ist jeder Ernteanteil gleich groß. Ist die Ernte (sehr) gut, ist der Anteil (sehr) groß. Ist die Ernte schlecht, bleibt jeder Anteil klein. Der Landwirt bekommt sein Geld trotzdem.

Mitmachen!

"Mein" Obsthof bleibt der regionalen Vermarktung zum Glück treu und bietet eine Abokiste an - ebenfalls mit der Möglichkeit zur Selbsternte. Das Mitmachen ist für mich persönlich das Wichtigste. Beim Äpfelernten im Herbst habe ich jede Menge über den Apfelanbau und die Vermarktung erfahren. Zum Beispiel über die Preisgestaltung im Handel und die Abhängigkeit des Obsthofs davon, welche Sorten der Handel haben möchte. Es kann vorkommen, dass eine Sorte recht plötzlich ausgelistet wird. Die Bäume tragen aber natürlich weiter und die Ernte muss vermarktet werden. Bei einer Solawi, Abokiste oder anderen Wegen der Direktvermarktung wie Marktschwärmer oder Märkten ist diese Abhängigkeit kleiner. Deshalb findet man hier oft Obst- und Gemüsesorten, die im Handel nicht angeboten werden.

Die Gemüse-Solawi passt leider nicht in unseren Alltag, denn ein Großteil der Familie isst außer Haus. Wenn wir ab und zu einen Salatkopf abbekommen, freuen wir uns.

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