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Ernährungsaufklärung in der Praxis

Wo viel wichtiges medizinisches Wissen vermittelt werden muss, fällt die Ernährung schon mal hinten runter.

Je ein Fragezeichen aus Bohnen, Reis und Kichererbsen
Julia Icking, Bonn

(BZfE) – Eine gute ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Beitrag zu einer gesunden Lebensweise. Trotzdem sind die vergangenen fünfzig Jahre auf diesem Gebiet dadurch gekennzeichnet, dass insgesamt zu ungesund gegessen wurde. Zu wenig wichtige Nahrungskomponenten – wie zum Beispiel Proteine – und zu wenig gesunde Nahrungsmittel – wie Obst und Gemüse. Und gleichzeitig gab es zu viel Zucker und Fett in den Mahlzeiten. Damit einhergehend traten die bekannten gesundheitlichen Begleiterscheinungen auf: Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht.

Soweit so bekannt. Doch warum tut sich daran nicht so viel, wie es wünschenswert wäre? Dieser Frage ging die niederländische Universität Wageningen auf den Grund und fand heraus: Eigentlich sollten Arztpraxen unter anderem Orte der Ernährungsaufklärung sein. Dass dies nicht so ist, stellte Professor Gerd Jan Hiddink fest. Im Rahmen einer Studie befragte er Absolventen der medizinischen Fakultäten, wie es denn um ihr Ernährungswissen bestellt sei. Das Ergebnis befand er besorgniserregend – angesichts weltweit elf Millionen Todesfällen, die mit falschen Ernährungsweisen in Zusammenhang gebracht werden könnten.

Die befragten Studenten bestätigten, dass sie kein ausreichendes Ernährungswissen und nicht die nötigen Fähigkeiten mit auf den Weg bekämen, um Patienten wirklich zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Da das Medizinstudium bereits überladen sei mit einer Fülle von Themen, fordern die Wissenschaftler eine verbindliche Zusage der beteiligten Institutionen: Die Wissensvermittlung zum Thema Ernährung nicht nur obligatorisch, sondern auch wesentlich ausführlicher und in den Lehrplan einzubauen.

Wo also viel wichtiges medizinisches Wissen vermittelt werden muss, fällt die Ernährung schon mal hinten runter. Es müsse daher ein Konsens über die Inhalte erreicht werden, damit sich Absolventen auf einem ähnlichen Wissensniveau bewegten, so der emeritierte Professor. Dies solle vor allem dazu beitragen, dass zukünftig eine gute Ernährungsaufklärung als wichtiger Faktor zur Genesung auch genutzt werden kann.

Friederike Heidenhof, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

https://www.wur.nl/en/news-wur/Show/Medical-nutrition-education-found-lacking.htm

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