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Ernährungsräte nehmen Fahrt auf

Ernährungsräte stellen den Dialog her zwischen Politik, Verwaltung, Landwirten, Händlern, Verbrauchern und Gastronomen.

Drei rote und drei blaue Männchen
pixabay

(BZfE) – Unter dem Motto „Ernährungsdemokratie jetzt!“ gründete sich auf dem 1. Kongress der Ernährungsräte in Essen ein Netzwerk von mehr als 40 Ernährungsräten und Ernährungsrats-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Idee der Ernährungsräte kommt ursprünglich aus Nordamerika. Dort entstanden vor 30 Jahren die ersten „Food Policy Councils“. Ursprünglich ging es vor allem darum, die Lebensmittelversorgung von Menschen zu verbessern, die ihre Arbeitsplätze verloren haben, wenn multinationale Unternehmen ihre Produktion in Niedriglohnländer verlagert hatten, berichtete Robert Waynes, langjähriger Koordinator des Food Policy Council von Toronto kürzlich auf einer Veranstaltung der Bonner Ernährungsratsinitiative.

Mittlerweile gelten Ernährungsräte als Dreh- und  Angelpunkt für die politische Mitgestaltung einer lokalen Ernährungspolitik. Sie stellen den Dialog her zwischen Politik, Verwaltung, Landwirten, Händlern, Verbrauchern und Gastronomen. Ihr Ziel ist es, die nachhaltige und lokale Lebensmittelversorgung in den Städten zu verbessern. Gleichzeitig geht es ihnen um die Stärkung von kleinbäuerlichen Betrieben und den Aufbau von regionalen und fairen Handelsstrukturen. Auch einkommensschwache Haushalte sollen Zugang zu nachhaltigen Lebensmitteln bekommen. Robert Waynes gab den Interessierten wichtige Erfahrungen mit auf dem Weg. In Ernährungsräten sollten Vertreter aus allen relevanten gesellschaftlichen Gruppieren mitarbeiten, aus der Wirtschaft, der Verwaltung und der Zivilgesellschaft. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist allerdings, dass diese Vertreter im Interesse der Öffentlichkeit handeln und keine Eigeninteressen vertreten. Er wies auch darauf hin, dass eine Verbesserung der lokalen Ernährungsversorgung einen wertvollen Beitrag zur Lösung anderer gesellschaftlicher Probleme leisten kann, etwa zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Verbesserung der Gesundheit, zur Integration, zu Reduktion von Abfällen aber auch zu einer Verringerung der Verkehrsbelastung. Laut Waynes transportiert jeder dritte Lastwagen in Europa Lebensmittel und jede fünfte Autofahrt in Amerika dient dem Lebensmitteleinkauf. Man kann natürlich weder Lastwagen noch Autos verbieten. Mit besseren lokalen Strukturen der Ernährungsversorgung kann man allerdings viele Fahrten überflüssig machen.

Auf dem ersten Kongress der Ernährungsräte in Essen trafen sich nach Angaben des Vereins „Taste of Heimat“ Engagierte aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Die ersten Ernährungsräte in Deutschland wurden 2016 in Berlin und Köln gegründet. 2017 kamen Frankfurt am Main, das Saarland, Dresden und Oldenburg dazu. Auch in Oberösterreich, Zürich und Südtirol gibt es Ernährungsräte, viele weitere stehen in Gründung.

Gesa Maschkowski, www.bzfe.de

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