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Tomaten: Erzeugung

Tomaten sind das mit Abstand beliebteste Gemüse der Deutschen und machen rund ein Viertel des gesamten Gemüseverbrauches aus.

Tomatenproduktion im Gewächshaus
Ruud Morijn / Fotolia.com

In Deutschland wurden 2018 auf knapp 398 Hektar Tomaten angebaut und 103.266 Tonnen Tomaten geerntet. Etwa ein Sechstel dieser Fläche wird ökologisch bewirtschaftet, bei der Erntemenge entfällt gut ein Zehntel auf Biotomaten.

Im Durchschnitt kaufte jeder Privathaushalt in Deutschland 2019 elf Kilogramm frische Tomaten. Rechnet man frische und verarbeitete Tomaten, etwa in Form von Tomatenmark oder Ketchup, zusammen, lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2018/19 bei 27,2 Kilogramm.

Viele Rispen reifer Cherrytomaten übereinander und nebeneinander
Kleinfrüchtige Tomaten sind bei Verbrauchern beliebt.

Tomaten sind mit Abstand das beliebteste Gemüse in Deutschland. Insbesondere die Einführung der Rispentomate Mitte der 1990er Jahre hat zum Erfolg der Tomate beigetragen.

Vorteil der Rispentomate ist, dass die Früchte bestimmter Sorten mit guter Haftung am Kelch und gleichmäßiger Ausreife länger an der Pflanze belassen werden können, ohne von der Rispe abzufallen. So können die Früchte ein Maximum an Nährstoffen aufnehmen, was vor allem dem Geschmack zugutekommt.

Verbraucherinnen und Verbraucher wissen das zu schätzen und so dominieren heute Rispentomaten den Erwerbsanbau – vor allem kleinfrüchtige Sorten wie Cocktail- und Cherrytomaten.

Woher kommen unsere Tomaten?

Tomaten stehen in Deutschland ganzjährig und in gleichmäßig großen Mengen zur Verfügung. Deutsche Tomaten sind von März bis Dezember erhältlich, 84 Prozent der Gesamtmenge wird allerdings in der Zeit von Mai bis Oktober angeboten.

Blüten einer Tomatenpflanze
Blüten einer Tomatenpflanze

Obwohl sich die Menge der in Deutschland geernteten Tomaten allein in den 15 Jahren zwischen 2003 und 2018 mehr als verdoppelt hat, liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei knapp 12 Prozent (Stand 2018).

Der Nettoimport von Tomaten belief sich 2018 auf rund 719.000 Tonnen, Hauptlieferland waren die Niederlande, mit Abstand gefolgt von Spanien, Belgien, Marokko, Italien, Polen, Frankreich und der Türkei.

Wie werden Tomaten angebaut?

Die Tomate gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Sie ist eine krautige, einjährige, Wärme liebende und frostempfindliche Pflanze, deren Stängel und Blätter einen charakteristischen, durch ätherische Öle verursachten Geruch ausstrahlen. Je nach Sorte zeigt die Pflanze entweder ein begrenztes Wachstum (Buschtomate) oder sie wächst unbegrenzt bis 15 Meter Länge wie die heute in Gewächshäusern gezogenen Schnurtomaten.

Die Freilandkultur von Tomaten spielt im deutschen Erwerbsgartenbau so gut wie keine Rolle mehr. Die Anbauform benötigt höhere Temperaturen und mehr Sonnenschein als in Deutschland zu erwarten ist. Auch in südlichen Ländern stehen die Pflanzen vielfach unter einem transparenten Regendach oder im Tunnel, um sie vor der gefürchtete Kraut- und Braunfäule zu schützen.

Der geschützte Anbau findet unter Schutzabdeckungen oder Glas statt. Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch Hummelvölker, die in den Gewächshäusern freigelassen werden.

Hätten Sie’s gewusst?

Mit einer Gesamtproduktion von 182 Millionen Tonnen sind Tomaten die bedeutendste Gemüseart der Welt. Nur rund ein Achtel dieser Menge entfällt auf Europa, während allein China für ein Drittel der Weltproduktion verantwortlich ist

Eine ganzjährige Kultur ist in Deutschland nur mit einer Heizung möglich. Tomaten bevorzugen tagsüber Temperaturen von 18 bis 22 und nachts 14 Grad Celsius. Dafür gibt es eine computergesteuerte Klimaregelung, die auch Luftfeuchtigkeit, Wasser- und Düngergaben steuert.

Im Erwerbsanbau wurzeln Tomatenpflanzen meist in Containern beziehungsweise Säcken, die mit natürlichen oder künstlichen Substraten gefüllt sind. Dabei handelt es sich zu etwa 90 Prozent um Steinwolle, ansonsten kommen Perlite oder Kokosfaser zum Einsatz.

Tomatenproduktion in Steinwolle
Tomatenproduktion im Erwerbsanbau

Egal, worin die Pflanzen stehen, wichtig ist für die erfolgreiche Tomatenkultur Folgendes: Der Boden beziehungsweise das Substrat sollte den Pflanzen mechanischen Halt geben, gleichmäßig feucht gehalten werden, gut durchlüftet sein und es sollten stets ausreichend Nährstoffe zur Verfügung stehen.

Die Bewässerung erfolgt immer von unten direkt an den Fuß der Pflanze, damit das Laub keinesfalls nass wird. Das ist auch zur Vermeidung von Pilzkrankheiten wie der Kraut- und Braunfäule wichtig.

Da in Deutschland für den Tomatenanbau kaum noch chemische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen bzw. diese im ökologischen Landbau gar nicht erlaubt sind, kommt solchen vorbeugenden Maßnahmen umso größere Bedeutung zu. Dazu zählen darüber hinaus zum Beispiel auch die Klimaregulierung, ausreichend lange Fruchtfolgen, der Einsatz resistenter bzw. toleranter Sorten sowie optimale Kulturbedingen und ausreichende Hygiene

 Wie werden Tomaten geerntet?

Je nach Jahreszeit, Sortentyp und Ernteform (lose oder Rispe) werden Tomaten im Gewächshaus sieben bis zwölf Wochen nach der Pflanzung geerntet, wobei die Ernte im Allgemeinen zweimal pro Woche erfolgt.

Wenn sie zum Zeitpunkt der Ernte nicht mehr dunkelgrün sind und ihre sortentypische Größe erreicht haben, reifen Tomaten nach. Während die Früchte bei Einzelfruchternte je nach Entfernung zum Bestimmungsort in der Regel vor der Vollreife geerntet werden, lässt man Rispentomaten an der Pflanze ausreifen.

Einzelfrüchte werden mit Kelch geerntet und maschinell nach Größe und eventuell. Farbe sortiert, verpackt und vorgekühlt. Rispentomaten werden mit Spezialscheren von der Pflanze abgeschnitten, wenn bei roten Sorten die jüngste Frucht orangerot ist und direkt endverpackt und vorgekühlt.

Weitere Informationen zur Erzeugung von Tomaten

Müssen Tomaten gedüngt werden?

Tomaten haben einen hohen Nährstoffbedarf. Stehen die Tomatenpflanzen in gewachsenem Boden, muss der gut mit Humus versorgt sein. Vor der Pflanzung wird mittels einer Bodenprobe das Angebot an Nährstoffen im Boden bestimmt. Daraus ergibt sich die Höhe der Grunddüngung. Im Verlauf der Kultur werden die benötigten Nährstoffe durch gezielte Düngergaben zur Verfügung gestellt. Mangelerscheinungen zeigen sich für verschiedene Nährstoffe spezifisch an den Blättern oder dem Wuchs der Pflanze. In manchen Fällen sind auch die Früchte betroffen. Bei den erdelosen Kulturverfahren werden den Pflanzen die Nährstoffe bei den Bewässerungsgängen im Wasser gelöst mitgegeben. Die jeweiligen Nährstoffmengen stehen in einem komplexen Zusammenhang mit den notwendigen Wassergaben, den Erträgen, dem Wachstumszustand der Pflanze und der Temperatur.

Wie werden Tomaten geerntet?

Tomaten werden maschinell geerntet. Die Erntemaschine rodet die ganze Pflanze mit den daran befindlichen Tomaten und schüttelt die Früchte ab. Grüne Früchte werden anschließend mittels eines elektronischen Farbsortierers ausgelesen und verbleiben auf dem Feld.

Die reifen Tomaten werden auf Transportfahrzeuge verladen und zu den Verarbeitungsbetrieben gefahren. Dort gelangen sie über ein Transportband in die Sortiermaschine. Hier werden die Früchte nach Farbe, Größe und Güte sortiert und anschließend in Normkisten eingewogen.

Grünliche Tomaten, die noch reifen sollen, benötigen eine Temperatur von 18 bis 21 Grad Celsius, bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und eine gute Luftzirkulation. Sie werden mit dem Gas Ethylen behandelt, das die Reifung fördert. Reife Tomaten fühlen sich bei einer Lagertemperatur von 12,5 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 85 Prozent wohl.

Wie schützt man Tomatenpflanzen vor dem Befall mit Schaderregern?

Um hohe und qualitativ hochwertige Erträge zu erzielen, müssen die Tomatenpflanzen gesund und kräftig sein. Dafür kann der Gärtner einiges tun: Im konventionellen Anbau ist der sogenannte "Integrierte Pflanzenschutz" Standard. Es werden so wenige (chemische) Pflanzenschutzmaßnahmen wie möglich und so viele wie nötig ergriffen. In Deutschland stehen allerdings so gut wie keine Pflanzenschutzmittel im Tomatenanbau mehr zur Verfügung. Im ökologischen Anbau wird gänzlich auf chemisch-synthetische Bekämpfungsmaßnahmen verzichtet. Für beide Anbauformen ist die Vorbeugung – zum Beispiel mit Hilfe der Klimaregulierung – von großer Bedeutung. Vorbeugend wirken außerdem eine ausreichend lange Fruchtfolge, resistente bzw. tolerante Sorten, zum Beispiel durch Veredelung, optimale Kulturbedingen und ausreichende Hygiene. Dazu gehört das Entfernen alter Blätter, das Laub trocken halten und kranke Pflanzen aus dem Bestand entfernen. Gegen Schädlinge kommen Nützlinge, also die natürlichen Feinde, zum Einsatz.

Welche Schaderreger und Schädlinge kommen beim Tomatenanbau vor?

Bei den Schaderregern im Tomatenanbau spielen Pilze, Viren und Schädlinge eine Rolle. Bei den Pilzkrankheiten ist die Kraut- und Braunfäule besonders gefürchtet. Sie wird durch den Pilz Phytophthora infestans verursacht. Der Pilz wird meist von Kartoffelfeldern übertragen. Zur Vorbeugung sollten die Pflanzen unbedingt vor Nässe bewahrt, das heißt nur von unten bewässert und mit einem Dach geschützt werden. Inzwischen gibt es einige tolerante Tomatensorten.

Weitere Pilze sind der Grauschimmel (Botrytis cinerea), dem durch Hygiene, gute Klima- und Düngebedingungen sowie eine gute Durchlüftung vorgebeugt werden kann. Auch Echter Mehltau (Oidium lycopersicum) tritt auf. Eine Vorbeugung ist schwierig und bei gewissen Wetterlagen lässt sich ein Befall nicht vermeiden.

Bei den Viruskrankheiten spielen das Tomatenmosaikvirus und das Bronzefleckenvirus die größte Rolle. Viruskrankheiten lassen sich nicht direkt bekämpfen. Die Vermeidung einer Übertragung steht deshalb im Vordergrund. Bei Befall sollten die betroffenen Pflanzen vorsichtig aus dem Bestand entfernt und verbrannt werden.

Zu den Schädlingen, die Tomatenpflanzen befallen, zählt die Gewächshaus-Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum), eine Mottenschildlaus. Sie hinterlässt klebrige Ausscheidungen auf den Blättern, die einen Pilzbefall fördern. Das schwächt die Pflanze und mindert die Fruchtqualität. Zu Ihrer Bekämpfung haben sich Nützlinge bewährt. Auch Rote Spinne, Minierfliegen und Blattläuse lassen sich gut mit Nützlingen in Schach halten.

Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) www.landwirtschaft.de

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