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Essen ist mehr als die Summe der Zutaten

Auf die Verbraucher prasseln unzählige und teils widersprüchliche Ernährungstipps ein.

(BZfE) – Mehr Detox und Superfood, weniger Kalorien und bloß keine Kohlenhydrate – auf die Verbraucher prasseln unzählige und teils widersprüchliche Ernährungstipps ein. Auf einer Podiumsdiskussion der Stuttgarter Messe Slowfood versuchten einige Expertinnen Licht in den Dschungel der Ernährungsempfehlungen zu bringen.

Offiziell anerkannt und weit verbreitet sind die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Doch Verzehrstudien belegen, dass kaum ein Befragter die Empfehlungen komplett befolgt. Nur fünf Prozent schaffen es beispielsweise, täglich die angeratenen fünf Gemüse- oder Obstportionen zu verzehren. Stattdessen essen besonders Männer viel zu viel und oft Fleisch. Wie kommt das? „Die Regeln passen nicht in den vollen Alltag der Menschen. Wer sich gesund ernähren will, muss sich bewusst dafür entscheiden, mehr Zeit zu investieren“, meinte Ernährungscoach Anja Louisa Schmidt.

Professor Lotte Rose von der Frankfurt University of Applied Sciences ist überzeugt, dass wir gar nicht regelkonform essen wollen. „Wir essen nicht mit dem Kopf, sondern mit Herz, Bauch und nach Erinnerungen.“ Statt viele Vorschriften zu machen, müssten die Vorschriften selbst hinterfragt werden. Ernährungsberaterin Schmidt versucht ihren Klienten neue und vor allem vielfältige Lebensmittel nahezubringen. Außerdem rät sie, sich kurz vor dem Essen zu fragen, was einem selbst jetzt guttun würde. Ziel sei es, ein Ernährungsexperte für sich selbst zu werden.

Grundsätzlich vertragen wir viel mehr Ernährungsweisen als die Empfehlungen vorgeben, ist Sozialwissenschaftlerin Rose überzeugt. Wie hätten sonst beispielsweise die Inuit mit ihrem einseitigen Robbenverzehr überleben können? Überhaupt sollten wir unsere Ernährung nicht rein egozentrisch in Bezug auf unsere persönliche Gesundheit betrachten, sondern ernster nehmen, was sie für die ‚Gesundheit‘ des Gemeinwesens, der Umwelt und der Welt bedeute.

Eine nachhaltige Ernährungsweise setzt genauso wie die Empfehlungen der DGE mehr auf Gemüse als auf Fleisch. Allerdings sei hier mehr Genuss gefragt. „Gerade bei Gemüsegerichten fehlen den Verbrauchern schmackhafte Alternativen zur bewährten Boulette oder Bolognese“, kritisierte Daniel Kofahl von der Deutschen Akademie für Kulinaristik e.V. Darüber hinaus sei Essen ein soziales Erlebnis und keine reine Kalorienzählerei: „Seitdem ich 150 Gramm Butter und Parmesan in meine Polenta tue, kommt sie viel besser an und die Tischgemeinschaft lebt wieder auf.“

Jutta Schneider-Rapp, www.bzfe.de

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