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Essen wir bald anders?

Professor Peter Stehle, Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät der Uni Bonn, zeigte auf, welche zukunftsträchtigen Produktions- und Ernährungskonzepte es gibt.

Drei Sushistücke, Algensalat und Stäbchen auf einem Teller.
TR Design / Fotolia.com

(BZfE) – Auf der einen Seite gibt es 24 Stunden Verfügbarkeit von preiswerten Lebensmitteln und Speisen. Auf der anderen Seite herrscht ein dramatischer Mangel an Energie- und Nährstoffverfügbarkeit mit entsprechender Inzidenz von Mangelerscheinungen. Angesichts dieser Diskrepanz und der wachsenden Weltbevölkerung – 7,35 Milliarden in 2015, bis 2100 sollen es 11,21 Milliarden sein – sieht Professor Peter Stehle, Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät der Uni Bonn, die landwirtschaftliche Produktion am Scheideweg. Welche zukunftsträchtigen Produktions- und Ernährungskonzepte es gibt, skizzierte er kürzlich im Rahmen des 100jährigen Jubiläums der Universitätsgesellschaft Bonn.

Der Einfluss der Landwirtschaft auf die Umwelt macht nachhaltige Produktionsverfahren unverzichtbar, die verfügbaren Produktionsflächen werden weniger und der Klimawandel wird die Ernteerträge beeinflussen. Die Primärproduktion wird zur Deckung des Bedarfs nicht mehr ausreichen. Im Hinblick auf die Pflanzenzüchtung gibt es neben den bisherigen Ansätzen – klassische Kreuzungszüchtung, Mutationszüchtung und die klassische Gentechnik, mit ihren bekannten Nachteilen, das „Genome editing“. Mit Hilfe von programmierbaren Nukleasen können hier gezielt Änderungen im Genom vorgenommen werden. Dadurch erreicht man eine gezielte und kontrollierte Veränderung der DNA. Es gibt keine zufällige Einführung von Fremd-DNA im Genom, weshalb diese Methode als „naturidentische“ Gentechnik angesehen wird. Bei der Zulassung werden solche Pflanzen wie herkömmlich gezüchtete Pflanzen angesehen (Stand Juni 2017). In drei bis vier Jahren wird es Lebensmittel aus derart gezüchteten Pflanzen geben, ist Stehle überzeugt.

Im Hinblick auf die Proteinversorgung ist bei einer zunehmenden Weltbevölkerung eine ausreichende Versorgung auf der Basis traditioneller Lebensmittel (Nutztiere, Nutzpflanzen) nicht mehr gewährleistet. Alternative Proteinlieferanten sind Mikroalgen, essbare Insekten und Leguminosen. Proteine aus diesen Quellen weisen im Durchschnitt einen hohen physiologischen Wert auf und sind generell als Lebensmittelbestandteil geeignet. Darüber hinaus besitzen Algen auch noch bioaktive Peptidfraktionen mit möglicherweise gesundheitsfördernden beziehungsweise heilenden Eigenschaften.

Was bisherige Ernährungskonzepte betrifft, so konzidiert Stehle, dass die traditionell populationsbezogenen Ansätze sich als mehr oder weniger erfolglos erwiesen haben: Verhaltensempfehlungen für Bevölkerungsgruppen unter Berücksichtigung bestimmter Parameter – zum Beispiel Alter, Geschlecht, gruppenspezifischer Nährstoffbedarf. Der alternative Ansatz der Ernährungsforschung ist „personalisiert“. Aufgrund der spezifischen genetischen Ausstattung ist die metabolische Antwort auf Ernährung beziehungsweise Nährstoffzufuhr individuell. Nutrigenomik ist die Forschungsrichtung, die die funktionelle Wechselwirkung zwischen der Ernährung und dem Genom untersucht.

Es wird neue Methoden in der Landwirtschaft geben, es wird neue und andere Lebensmittel geben und Ernährungskonzepte werden sich „individualisieren“, so das Fazit von Stehle. Jedoch bleibt es – zumindest in entwickelten Ländern – immer noch die Entscheidung des Verbrauchers, ob er tatsächlich anders isst oder auch nicht.

Rüdiger Lobitz, www.bzfe.de

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