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Esskastanie

Mit durchschnittlich 25 m Höhe ist die Esskastanie eigentlich ein Wald- und Parkbaum. Heute gibt es jedoch spezielle Züchtungen mit kompaktem Wuchs, die auch im Hobbygarten Platz finden.

Reife Früchte der Esskastanie in stacheligem Fruchtbecher
Printemps / Fotolia.com

Geschichte und Besonderheiten

Die essbaren Kastanienarten gehören der Gattung der Kastanien (Castanea) an. Trotz ähnlich aussehender Früchte sind sie mit der Rosskastanie (Gattung Aesculus) nicht verwandt. Die verschiedenen Arten der Esskastanien finden weltweit Verbreitung. Die einzige in Europa heimische Art ist die Edelkastanie Castanea sativa, die schon von den Griechen und Römern kultiviert wurde.

Bis heute haben sich aus diesen Arten sehr viele verschiedene Sorten entwickelt - alleine in Frankreich sollen es über 700 sein -, nicht wenige davon speziell für den Anbau zur Fruchtgewinnung. Bei einigen Sorten handelt es sich um sogenannte Hybriden, das sind Züchtungen mit besonderen Eigenschaften wie extra große und hochwertige Früchte oder Resistenzen gegen Krankheiten. Der Begriff "Marone" wird im Allgemeinen übrigens für besonders großfrüchtige Sorten mit hoher Fruchtqualität verwendet. Die meisten der hierzulande angebotenen Früchte stammen aus wärmeren südeuropäischen Ländern, es gibt aber auch Esskastanien aus deutschem Anbau.

Die ursprüngliche Edelkastanie, wie sie in südwestdeutschen Wäldern häufig anzutreffen ist, wird im Durchschnitt 25 m hoch und ist daher für die meisten Gärten kaum geeignet. Solche Bäume benötigen auch 10-12 Jahre, bis erstmals eine nennenswerte Ernte erzielt wird.

Standortbedingungen

Die Esskastanie bevorzugt eher saure Böden (pH-Werte von 4,5-6), wächst aber auch in neutralem Milieu gut. Böden mit zu hohem pH-Wert (Bodenuntersuchung) können auf einfache Weise mit Torf oder Rhododendron-Erde in den sauren Bereich gebracht werden. Böden, die zu Verdichtung und Staunässe neigen, sind ungeeignet für die Esskastanie. Generell bevorzugt sie einen sonnigen und geschützten Standort.

Eine wichtige Voraussetzung für den Anbau von Esskastanien im eigenen Garten ist ausreichend Platz. Dies hat zwei Gründe: Zum einen werden selbst kompaktwüchsige Kastaniensorten noch 4-6 m hoch und haben einen Kronendurchmesser von 4-5 m. Hinzu kommt, dass die meisten Sorten selbststeril sind und daher zur Fruchtbildung noch einen weiteren Baum benötigen. Das heißt, es muss mindestens noch Platz für einen zweiten Baum vorhanden sein.

Fruchtfolge und Mischkultur

Aufgrund der Größe der Esskastanien sollte den Bäumen genügend Platz eingeräumt und andere Bäume wie Obstgehölze in ausreichendem Abstand gepflanzt werden. Die gleichzeitige Pflanzung von Rosskastanien kann den Befallsdruck durch Schädlinge und Schaderreger erhöhen. Eine Fruchtfolge ist bei der langen Nutzungsdauer normalerweise nicht zu beachten.

 

Aussaat / Pflanzung

Anzucht:

Für den Anbau im Garten Sorten mit kompaktem Wuchs und früher Fruchtbildung verwenden, z. B. 'Ecker 1', 'Maravel', 'Dorée de Lyon', 'Belle Epine', 'Bouche de Bétizac', 'Brunella', 'Marigoule', 'Marsol', 'Tisenser'. Wenn nur Platz für einen Baum vorhanden ist, empfiehlt sich die selbstfruchtbare Sorte 'Ecker'. Tipp: Vor dem Kauf beraten lassen, welche Sorte geeignet ist.

Aussaat:

Eigentlich lassen sich Esskastanien gut durch Aussaat vermehren. Nachkommen aus Samenvermehrung haben jedoch nicht mehr die typischen Sorteneigenschaften der Eltern und tragen oft erst nach 15-20 Jahren Früchte. Daher besser auf veredelte Sorten zurückgreifen.

Pflanzung:

Jungbäume mit Wurzelballen (sog. Containerware) können das ganze Jahr über gepflanzt werden. Für eine gute Verwurzelung des Baums empfiehlt sich eine Pflanzung zwischen November und März. Zum Pflanzen den Boden so tief wie möglich lockern, etwas reifen Kompost mit ins Pflanzloch geben.

Abstand:

Je nach Sorte und Größe sollten die Bäume im Abstand von ca. 8 bis 12 m gepflanzt werden.

Düngung

Zur organischen Düngung eignet sich zum Beispiel Stallmist, der gleichzeitig die Bodenstruktur verbessert und den Humusgehalt erhöht. Aber auch handelsübliche organische Dünger sind zu empfehlen. Bei der Verwendung mineralischer Dünger sollte auf einen hohen Kalium- und Stickstoff-Gehalt sowie einen niedrigen Salz-Gehalt geachtet werden. Tipp: Machen Sie am besten eine Bodenprobe, um den vorhandenen Nährstoffgehalt zu bestimmen und die Esskastanie gezielt versorgen zu können.

Pflege

Der Pflegeaufwand bei Kastanien ist minimal. Hier ist einzig der Schutz der besonders jungen Bäume vor extremer Kälte zu nennen: Es empfiehlt sich, die Baumstämme der empfindlichen Bäumchen über Winter mit Gartenvlies zu umwickeln. Schnittmaßnahmen sind nicht notwendig, können jedoch durchgeführt werden.

Schädlinge und Krankheiten

Als Schaderreger können an der Esskastanie die Pilzkrankheiten Kastanienrindenkrebs (verursacht durch Cryphonectria parasitica) sowie die Tintenkrankheit (verursacht durch Phytophthora cambivora und P. cinnamomi) vorkommen. Beide führen zu Blattwelke sowie zum Absterben der Krone. Der Esskastanienbohrer sowie der Frühe und der Späte Kastanienwickler befallen häufig die Früchte. Die Kastaniengallwespe gilt als der gefährlichste Schädling der Esskastanie.

Ernte und Lagerung

Erntezeit ist je nach Sorte und Region zwischen Mitte September und Anfang November. Die Genussreife ist erreicht, wenn sich die stachelige Fruchthülle von selbst öffnet und die nahrhaften Früchte freigibt. In offenen Körben oder Kisten können die Kastanien in einem kühlen und trockenen Raum etwa drei Monate gelagert werden. Die einfachste Art der Zubereitung ist das Rösten der Maronen im Backofen oder in der Pfanne. Darüber hinaus lässt sich die Esskastanie aber auch zu einer Fülle kulinarischer Kostbarkeiten wie Kastanienbrot, Kastaniengemüse, Kastanienhonig und vielem mehr weiterverarbeiten.

Autor: Jörg Planer, Meckenheim |

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