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EU-Lebensmittel-Informationsverordnung

Die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) regelt EU-weit einheitlich, welche Informationen beim Verkauf von Lebensmitteln auf dem Etikett stehen müssen.

Frau vor einem Supermarktregal
Gina Sanders / Fotolia.com

Bessere Informationen über Nährwerte, die Herkunft, Imitate und Allergene, dazu eine Mindestschriftgröße und Informationspflichten für den Internethandel mit Lebensmitteln: das sind Neuerungen, die die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) Nr. 1169/2011 mit sich bringt. Die Informationspflichten nach der LMIV gelten unmittelbar in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). In einigen Belangen aber dürfen die Mitgliedstaaten die LMIV konkretisieren. Auch ist es notwendig, dass nationale Recht an das EU-Recht anzupassen, so dass europäische und nationale Vorschriften gut zusammenwirken und sich nicht widersprechen. Dazu ist in Deutschland die Lebensmittelinformations-Durchführungs-Verordnung (LMIDV) erlassen worden. Sie regelt unter anderen, wie Allergeninformationen beim Verkauf loser Ware etwa in Restaurants oder beim Bäcker oder Fleischer gestaltet seinen müssen. Sie legt außerdem Verkehrsverbote, Straftaten und Ordnungswidrigkeiten fest, die im Falle von Verstößen gegen die LMIV von der amtlichen Lebensmittelüberwachung verhängt werden können. Mit dem Inkrafttreten der LMIDV wurden die nationale Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (LMKV) und die Nährwertkennzeichnungsverordnung (NKV) vollständig aufgehoben. Andere nationalen Vorschriften wie die Konfitürenverordnung oder die Honigverordnung wurden an die LMIV angepasst.

Zu den wichtigsten Neuerungen der LMIV gehören:

  • die Festlegung einer Mindestschriftgröße für Pflichtangaben auf Verpackungen,
  • seit Dezember 2016 die Angabe von Nährwertinformationen bei vorverpackten Lebensmitteln,
  • ein Extrahinweis bei der Verwendung von Lebensmittel-Imitaten in der Nähe des Produktnamens,
  • der Hinweis „aus Fleischstücken zusammengefügt“ bei Formfleisch- oder Formfischerzeugnissen in der Nähe des Produktnamens,
  • seit April 2015 die Herkunftskennzeichnung für unverarbeitetes und vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch,
  • die Angabe von Allergeninformationen bei loser Ware und die optische Hervorhebung der Allergene in der Zutatenliste auf vorverpackter Ware,
  • die Informationspflichten gelten auch für den Online-Handel.

Was es damit auf sich hat und was die LMIV darüber hinaus Neues bringt, erfahren Sie hier.

Die wichtigsten Neuerungen der LMIV

Mindestschriftgröße für eine bessere Lesbarkeit

Zutatenkennzeichnung auf einer Packung Flakes

Gut sichtbar, gut lesbar und leicht verständlich – diese drei Anforderungen gelten seit jeher für die Lebensmittelkennzeichnung. Da es immer wieder Debatten darüber gab, unter welchen Bedingungen eine Information gut lesbar ist, legt die LMIV nun eine Mindestschriftgröße von 1,2 Millimeter für alle Pflichtangaben fest. Bezugsgröße ist der kleine Buchstabe „x“; bei kleinen Verpackungen reicht eine Schriftgröße von 0,9 Millimeter. Als „klein“ gelten Produkte wenn ihre größte Oberfläche weniger als 80 Quadratzentimeter beträgt – das entspricht etwa der Größe einer halben Postkarte. Die Schriftart, der Buchstabenabstand und der Farbkontrast müssen so gewählt sein, dass die Pflichtangaben gut lesbar sind. Sie dürfen nicht durch Bilder oder Werbung verdeckt sein.

Nährwertinformationen: Auch freiwillige Angaben sind geregelt

Nährwerttabelle auf einer Dose

Seit Dezember 2016 zählt die Nährwertinformation zu den Pflichtangaben auf dem Etikett vorverpackter Lebensmittel. Sie umfasst sieben Pflichtinformationen: den Energiegehalt, den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz. Die Nährwerte müssen in Tabellenform und zur besseren Vergleichbarkeit auf 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben werden. Weitere Informationen, etwa zum Gehalt an Ballaststoffen, Vitaminen oder Mineralstoffen sind erlaubt; dafür gibt es ebenfalls Vorgaben in der LMIV.

 

Lebensmittel-Imitate

Packung Seelachs mit dem Hinweis "Lachsersatz"

Wenn hochwertige Zutaten, die üblicherweise in einem Lebensmittel vorkommen, durch weniger hochwertige ersetzt werden, müssen Hersteller darüber auch unabhängig vom Zutatenverzeichnis informieren. Das gilt zum Beispiel, wenn eine Lasagne anstelle von Käse mit einer käseähnlichen Pflanzenfettmischung überbacken ist. In diesem Fall muss ein Extrahinweis in der Nähe des Produktnamens stehen; seine Größe muss mindestens 75 Prozent von dessen Schriftgröße betragen.

 

Zusammengefügte Fleisch- oder Fischstückerzeugnisse

Für Formfleischerzeugnisse und entsprechend auch für Formfischerzeugnisse gelten Spezialregeln: Produkte, die zwar aussehen wie gewachsen, tatsächlich aber aus vielen kleinen Fleischstücken bestehen, müssen den Hinweis „aus Fleischstücken zusammengefügt“ tragen. Anders als bei Lebensmitteln mit Ersatzzutaten, ist aber weder vorgeschrieben wo, noch wie groß dieser Hinweis auf der Packung stehen muss. Wie für alle Pflichtangaben fordert die LMIV aber ausdrücklich, dass er leicht lesbar und gut sichtbar ist und die gesetzliche Mindestschriftgröße haben.

 

Herkunftskennzeichnung

Für einige Lebensmittel sind Herkunftsangaben schon seit längerem erforderlich, beispielsweise für Rindfleisch, Eier, Honig, Fisch, fast alle Obst- und Gemüsearten, Olivenöl oder auch Bio-Lebensmittel, die das EU-Bio-Logo tragen. Seit April 2015 muss auch bei vorverpacktem frischem Fleisch der Tierarten Schwein, Schaf, Ziege und Geflügel das Ursprungsland auf dem Etikett stehen. Angegeben werden müssen die Partie, das Land der Schlachtung und das Land der Aufzucht.

Darüber hinaus ist eine Herkunftsangabe immer dann erforderlich, wenn Verbraucher ohne diesen Hinweis einen falschen Eindruck von der Herkunft oder dem Ursprung des Lebensmittels bekämen, etwa wenn ein Produkt mit dem Namen „Südtiroler Kartoffelsack“ Kartoffeln aus Frankreich enthalten würde. Das gilt auch in Fällen, in denen die Hauptzutat eines Lebensmittels eine andere Herkunft hat, als die Produktaufmachung vermuten lässt. Wenn also beispielsweise eine „Italienische Pizza Salami“ mit Salami aus Deutschland belegt ist.

 

Allergeninformationen: Mehr Klarheit auch bei loser Ware

Hinweis Allergen auf einer Waffelpackung
Seit gut 10 Jahren gilt die Pflicht, die 14 Lebensmitteallergene, die in Europa am häufigsten allergische Reaktionen beziehungsweise Unverträglichkeiten auslösen, auf dem Etikett anzugeben. Mit der LMIV wird der Einkauf für Allergiker in zweierlei Hinsicht komfortabler:
  • Bei vorverpackter Ware müssen kennzeichnungspflichtige Allergene auch optisch hervorgehoben werden, etwa durch Fettdruck, Großbuchstaben oder Unterstreichen.
  • Allergeninformationen sind nun auch beim Verkauf offener Ware – also beim Bäcker, im Restaurant, auf dem Wochenmarkt oder in der Kantine – verbindlich vorgeschrieben, und zwar in der Regel schriftlich. Mündliche Auskünfte sind nur dann ausreichend, wenn über einen Aushang darauf hingewiesen wird, dass eine Information über Allergene verfügbar ist, diese auch schriftlich vorliegt und auf Wunsch des Kunden eingesehen werden kann.

Weitere Änderungen der LMIV

Unabhängig von den „großen Themen“ der Lebensmittelkennzeichnung, die den Verbraucherschutz und die Wirtschaft gemeinsam mit der Politik umtreiben, gibt es noch eine Reihe weiterer Neuerungen:

  • Online-Handel: Die Kennzeichnungspflichten gelten auch für den Fernabsatz. Das heißt, wer vorverpackte Lebensmittel über das Internet vertreibt, muss dafür sorgen, dass die Kunden vor dem Kauf alle Pflichtangaben bekommen, ausgenommen die Information über Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum, die erst zum Zeitpunkt der Lieferung verpflichtend ist.
  • Pflanzliche Öle müssen nun mit ihrer botanischen Herkunft angegeben werden. Verbraucher können jetzt also erkennen, wenn Palmöl als pflanzliches Fett verwendet wurde, dessen Gewinnung mit der Abholzung von Regenwäldern verbunden ist.
  • Koffeingehalt: Lebensmittel mit einem erhöhten Koffeingehalt müssen einen Warnhinweis für Kinder, Schwangere und Stillende tragen, es sei denn die Bezeichnung des Lebensmittels lautet Kaffee oder Tee.
  • Nanomaterialien: Zusätze „technisch hergestellter Nanomaterialien“ müssen im Zutatenverzeichnis mit dem Hinweis „Nano“ angegeben werden. Sie müssen auch ein Zulassungsverfahren durchlaufen haben, bevor sie in Verkehr gebracht werden dürfen. Bisher gibt es aber keine solche Zulassung.
  • Einfrierdatum: Bei eingefrorenem Fleisch und Fleischzubereitungen sowie bei eingefrorenen unverarbeiteten Fischereierzeugnissen muss das Einfrierdatum angegeben werden.
  • Aufgetaute Lebensmittel: Lebensmittel, die gefroren waren und aufgetaut verkauft werden, müssen den Hinweis „aufgetaut“ in der Nähe der Bezeichnung des Lebensmittels tragen. Allerdings gibt es eine Reihe von Ausnahmen.

Und nicht zuletzt: Aus dem Begriff „Verkehrsbezeichnung“ wird jetzt der Begriff „Bezeichnung“ für den Namen des Lebensmittels, an dem Verbraucher erkennen können, um was für ein Produkt es sich handelt.

Weitere Informationen zur EU-Lebensmittel-Informationsverordnung

Dürfen Nährwertangaben auch bezogen auf eine Portion gemacht werden?

Auch für freiwillige Nährwertangaben gibt es Regelungen: Zusätzlich zur Nährwerttabelle erlaubt die Lebensmittel-Informationsverordnung Nährwertinformationen, die im Hauptsichtfeld der Verpackung stehen, etwa in Form kleiner „Tönnchen“, die um Prozentangaben über täglich empfohlene Verzehrsmengen, den sogenannten GDAs (Guidelines Daily Amounts) ergänzt sind. Sie dürfen in zwei Formaten angebracht werden:

  • entweder nur der Energiegehalt (Brennwert) oder
  • der Energiegehalt zusammen mit den Gehalten an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz wahlweise pro 100 Gramm beziehungsweise Milliliter oder pro Portion.

Bei Angaben pro Portion muss zusätzlich der Energiegehalt pro 100 Gramm beziehungsweise Milliliter auf das Etikett. In beiden Fällen ist der Hinweis „Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen (8.400 kJ /2.000 kcal)“ Pflicht. Als Hauptsichtfeld gilt die Seite der Verpackung, die vom Verbraucher höchstwahrscheinlich auf den ersten Blick wahrgenommen wird, also diejenige, die werblich am auffälligsten gestaltet ist.

Was ist eigentlich der Ort der Herkunft?

Bei pflanzlichen Erzeugnissen ist das Ursprungland das Land der Ernte. Bei tierischen Lebensmitteln ist das Ursprungsland nicht das Geburtsland, sondern das Land, in dem das Tier seine letzte Entwicklung durchlaufen hat. So ist etwa das Aufzuchtland eines Schweines, das im Alter von zehn Monaten geschlachtet wird und die letzten vier Monate seines Lebens in Deutschland verbracht hat, Deutschland – selbst wenn es überwiegend in einem anderen Land gelebt hat.

Bei Hackfleisch muss lediglich angegeben werden, ob die Tiere „in der EU“ oder „außerhalb der EU“ aufgezogen und geschlachtet wurden.

Die LMIV verpflichtet die EU-Kommission außerdem dazu, Folgenabschätzungen über Herkunftsangaben bei anderen Lebensmitteln zu erarbeiten, etwa für Milch, Mehl, sowie Zutaten, die mehr als 50 Prozent eines Lebensmittels ausmachen. Auf dieser Grundlage soll entschieden werden, ob weitere Informationspflichten zur Herkunft erlassen werden.

Autorinnen: Dr. Christina Rempe, Berlin; Gesa Maschkowski, BLE

Autorinnen: Dr. Christina Rempe, Berlin; Gesa Maschkowski, BLE |

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