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Frühstücken für eine gerechte Welt?

Die Zusammensetzung unserer Speisen mit Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen bestimmt mit, welche Botenstoffe – also Neurotransmitter – im Gehirn zur Verfügung stehen.

Teller mit Müsli und Bananen
pixabay

(BZfE) – Die Zusammensetzung unserer Speisen mit Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen bestimmt mit, welche Botenstoffe – also Neurotransmitter – im Gehirn zur Verfügung stehen. Das ist seit einigen Jahren bekannt. „Biochemische Prozesse beeinflussen unser Verhalten. Bislang hatten wir jedoch keine Erkenntnisse darüber, in welchem Maß diese nahrungsinduzierten Veränderungen bei den Botenstoffen im Gehirn auftreten und ob sie das Verhalten messbar verändern“, so Professor Sebastian M. Schmid, Leiter Endokrinologie, Diabetologie, Internistische Adipositasmedizin an der Universität zu Lübeck. Mit einem interdisziplinären Forscherteam kombinierte Schmid sozialpsychologische Tests mit medizinischen Analysemethoden. Dabei stand das Frühstück im Mittelpunkt, da es nüchtern eingenommen wird und Ergebnisse damit nicht durch vorangegangene Mahlzeiten verfälscht werden konnten.

Die Probanden erhielten einmal ein Frühstück mit einem sehr hohen Kohlenhydratanteil von 80 Prozent (Protein 10 %, Fett 10 %) und in der anderen Versuchsanordnung ein Frühstück mit gleichem Kaloriengehalt und einer Makronährstoffzusammensetzung von 50 Prozent Kohlenhydrate, 25 Prozent Protein und 25 Prozent Fett. Drei Stunden nach dem Verzehr des Frühstücks wurden verschiedene neurokognitive Tests durchgeführt, darunter auch das sogenannte „Ultimatum Game“. Bei diesem Spiel erhält der Proband von einem virtuellen Gegenspieler ein Angebot, wie 10,00 Euro zwischen den beiden aufgeteilt werden. Empfindet der Proband das Angebot als fair und nimmt es an, kommt der Deal zustande und beide Spieler erhalten den entsprechenden Betrag. Empfindet der Proband das Angebot jedoch als unfair, kann er den Deal ablehnen und beide Spieler gehen leer aus. Dieser Test ist in der Forschung sehr gut validiert, um Verhalten zu sozialer Gerechtigkeit zu testen und die individuelle Schwelle zu bestimmen, bei der ein Mensch lieber den Gegner und sich selbst bestraft (indem er selbst leer ausgeht), als sein Gegenüber mit einer Ungerechtigkeit davonkommen zu lassen.

„Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Makronährstoffkomposition des Frühstücks und der Reaktion der Probanden auf unfaire Angebote gab“, so Schmid. Je höher der Anteil an Kohlenhydraten und entsprechend niedriger der Proteinanteil im zurückliegenden Frühstück war, desto sensibler reagierten die Probanden auf „unfaire Angebote“.

Keine Rolle scheint der nach dem Essen gemessene Blutzuckerspiegel zu spielen. Einzig das nach dem Essen veränderte Profil der zirkulierenden neutralen Aminosäuren, lässt direkt auf die Konzentrationen des Neurotransmitters Dopamin schließen. Das identifizierten die Forscher als kausalen Mechanismus für den Zusammenhang von kohlenhydratreicher Nahrung und erhöhter Sensibilität gegenüber unfairen Angeboten.

Die Studie soll zeigen, dass unsere Ernährung einen stärkeren Einfluss auf unser Leben haben kann als bisher vermutet. Vor diesem Hintergrund überdenkt der ein oder andere vielleicht seine „low carb“ Diät. Ob allein 80 % Kohlenhydrate zum Frühstück unsere Gesellschaft automatisch sozial gerechter macht, ist aber leider noch nicht erwiesen.

Rüdiger Lobitz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

https://www.endokrinologie.net/pressemitteilung/zusammensetzung-des-fruehstuecks

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