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Humuswirtschaft auf viehlosen Betrieben

Für den Aufbau organischer Bodensubstanz (Humus) auf reinen Ackerbaubetrieben kann eine regelmäßige Gründüngung wertvoller sein als die Einarbeitung von Stroh.

Querschnitt von einem Stück Boden
Okea / Fotolia.com

(BZfE) – Für den Aufbau organischer Bodensubstanz (Humus) auf reinen Ackerbaubetrieben kann eine regelmäßige Gründüngung wertvoller sein als die Einarbeitung von Stroh. Dabei spielt eine ausreichende Stickstoffversorgung für die Umsetzungsprozesse im Boden eine entscheidende Rolle. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Gießen in einer dreijährigen Studie zur Sicherung der Humusversorgung auf Ackerböden im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Die Wissenschaftler werteten dazu unter anderem bisher vorliegende Langzeitstudien zum Thema aus. Dabei zeigte sich, dass Gründüngungsvarianten im Mittel zur Erhöhung des Humusanteils beitragen, während eine ausschließliche Strohdüngung nicht zu einer Anreicherung führt. Bisher schätzte man Stroh als günstiger für den Aufbau organischer Substanz ein, da es viel Lignin enthält und deshalb langsamer abgebaut wird. Großen Einfluss auf die gewünschte, langfristige Kohlenstoffbindung durch Stroh hat der Stickstoffgehalt im Boden. Das zeigte sich sowohl in früheren Studien als auch in verschiedenen Inkubationsversuchen im Rahmen des Projekts. Je enger das Verhältnis von Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N), desto mehr Kohlenstoff kann aus einem Düngersubstrat im Boden gehalten werden. Stroh wird anfangs langsamer abgebaut, da es ein weites C/N-Verhältnis aufweist.

Insgesamt geht aber mehr Kohlenstoff verloren, wenn den Bodenorganismen der Stickstoff fehlt. Um das N-Angebot zu verbessern, empfehlen die Fachleute viehlosen Biobetrieben deshalb regelmäßig Futterleguminosen als Hauptfrucht anzubauen. Optimale Bedingungen für den Humusaufbau würden vor allem durch eine zusätzliche Ausbringung von Stallmist oder Biogassubstraten geschaffen, die über Futter-Mist-Kooperationen mit viehhaltenden Betrieben bezogen werden können.

Obwohl im konventionellen Ackerbau nur selten N-Defizite bestehen, sehen die Wissenschaftler auch hier Bedarf an humusaufbauenden Maßnahmen, die über den Verbleib von Koppelprodukten wie Stroh hinausgehen. Sie raten den Betrieben deshalb zu Zwischenfrüchten, aber auch zum Anbau von Futterleguminosen als Hauptfrucht. Je nach Betriebsstruktur und Standortvoraussetzung können sich diese Maßnahmen durch höhere Erträge bereits kurzfristig rechnen. Grundsätzlich sei eine gute Humuswirtschaft aber für jeden Betrieb eine empfehlenswerte Investition in die Zukunft, deren Kosten sich langfristig amortisieren.

Jürgen Beckhoff, www.bzfe.de

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