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Imkern in der Stadt

Eine gemütliche Höhle in einem Baumstamm im Wald? Von wegen, die Honigbiene von Welt lebt längst in stylischen Lofts.

Magazin-Beuten auf einem begrünten Flachdach
Alison Hancock / Fotolia.com

Eine gemütliche Höhle in einem Baumstamm im Wald? Von wegen, die Honigbiene von Welt lebt längst in stylischen Lofts. Und zwar nicht irgendwo, sondern da, wo das Leben tobt, in New York, in Paris, in Kopenhagen und in Berlin. Wie es ihnen wohl gefällt in den Holz- oder Kunststoffmagazinen (so nennt man die modernen, nach dem Prinzip stapelbarer Kisten aufgebauten Bienenbehausungen), die mitunter sogar auf Hochhausdächern stehen, darüber gehen die Ansichten auseinander. Weitestgehende Einigkeit herrscht hingegen bei der Frage, ob Bienen in der Stadt genügend Nektar- und Pollenspender finden: in der Regel schon.

Pflanzenvielfalt: Stadt schlägt Land

Natürlich sollten in der Stadt Standorte bevorzugt werden, die in der Nähe von Parks oder Kleingartenanlagen liegen, aber tatsächlich finden Bienen in der Stadt oft ein abwechslungsreicheres und vor allem konstanteres Nahrungsangebot als in vielen ländlichen Regionen. Dort herrschen nämlich häufig Monokulturen vor, die kurzzeitig für Nektar- und Pollenspitzen sorgen – weshalb viele Imker mit ihren Völkern beispielsweise Rapskulturen sogar gezielt  aufsuchen. Anschließend aber sind die riesigen Flächen aus Bienensicht wertlos.

Von Bienchen und Blümchen

Honig ist die eine Sache, der Bienen ihre Bekanntheit und Beliebtheit verdanken. Vor allem aber sind sie von unschätzbarem Wert für die Artenvielfalt, denn rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bienen als Bestäuber angewiesen. Ihr Anteil an der Obst- und Gemüseproduktion ist in gewissem Sinne ebenfalls unschätzbar, lässt sich aber ziemlich genau berechnen: Rund 2 Milliarden Euro jährlich beträgt die Wertschöpfung der Bienen allein in Deutschland. Viele gute Gründe, sich um die fleißigen Insekten zu kümmern – sei es als Imker, als (Hobby-)Gärtner oder als Verbraucher.

Prestigeobjekt Biene?

Prinzipiell begrüßen viele Imkerverbände, dass sich insbesondere immer mehr junge Menschen in Städten für die Bienenhaltung interessieren, denn jahrelang hatten die Imker landauf, landab mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Manches wird jedoch auch kritisch betrachtet: Zum einen hat auch die gestiegene Zahl der Jungimker das Grundproblem noch nicht beseitigen können, nämlich die sinkende Zahl an Bienenvölkern. Die „Neuen“ halten in der Regel verhältnismäßig wenige Völker. Vor allem aber steigen etliche fast ohne Vorwissen in die Imkerei ein. Oder die anfängliche Begeisterung für den hippen Trend lässt so rasch nach, wie sie gekommen ist. Dass durch den Mangel an Fachkenntnis und/oder Respekt vor den faszinierenden Lebewesen mal eben ganze Völker zugrunde gehen und Zigtausende Bienen den Tod finden, wird hingenommen – man kann ja neue kaufen.

Neue Chancen für Bienen und Imker

Auf der anderen Seite tut der Generationenwechsel sowohl den Verbänden als auch den Bienen oft gut: Engagierte Jungimker gehen unvoreingenommen an neue wissenschaftliche Erkenntnisse heran, beispielsweise zur Bekämpfung der Varroamilbe. Sie testen neugierig verschiedene Betriebsweisen und sind oft gut vernetzt und an einem intensiven Austausch interessiert. Das ist auch notwendig, denn das Phänomen „drei Imker, fünf Meinungen“ kann anfangs ausgesprochen verwirrend sein. Gerade auch mithilfe etwas erfahrenerer Jungimker gelingt es vielerorts aber immer besser, Interessenten von Anfang an die notwendigen Informationen an die Hand zu geben, um sich für oder eben auch gegen die Bienenhaltung zu entscheiden und die Imkerei zu einem Hobby zu machen, von dem sowohl die Menschen als auch die Bienen profitieren.

Autorin: Mascha Schacht, Frankfurt am Main

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