Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Magischer Mangold

/

Stiel-Mangold gehört definitiv zu den bestausehendsten Gemüsearten. Mit der richtigen Technik kann er obendrein wochenlang beerntet werden.

Habt ihr auch schon mal etwas ganz Profanes wie Shampoo nur wegen der schönen Verpackung gekauft? Bei vollem Bewusstsein, gerade zu 100 Prozent irrational zu handeln? Saudoof, oder? Kommt aber vor, und manchmal zumindest führen solche Handlungen zu erstaunlichen Ergebnissen. So ging es mir beim Mangold.

Ich esse wirklich so ziemlich jedes Gemüse, aber Mangold??? Brrrr, stärkere Abwehrreflexe löste bei mir höchstens noch seine nahe Verwandte, die Rote Bete aus.

Dummerweise ist insbesondere Stiel-Mangold aber verdammt hübsch: Kompakt-vasenförmiger Wuchs, glänzende dunkelgrüne Bätter die Stiele und Blattrippen leuchten je nach Sorten intensiv in Orange, Gelb, Rot, Weiß oder Pink – kurz, es handelt sich um echtes Designergemüse.

Stiel-Mangold in vielen Farbvarianten
Eflstudioart / stock.adobe.com

So kam es, wie es kommen musste: Nachdem ich jahrelang immer wieder neidisch um die bunten Saatgutpackungen herumgeschlichen war, habe ich dem Mangold dieses Jahr einen Platz im Beet eingeräumt. Eher mürrisch als gut gelaunt, schließlich musste das Zeug dann ja doch auch irgendwann mal gegessen werden.

Tatsächlich entwickelten sich die pflegeleichten Pflänzchen gar prächtig, und mit der Leuchtkraft stiegt auch meine Laune – als Beetschmuck sah der Mangold einfach zu schön aus.

Dann ging es ans Ernten und wieder umkreiste ich den Mangold, diesmal nicht die Saatgutpackung, sondern die Pflanzen, wälzte Kochbücher und suchte nach Rezepten, in denen sich möglichst viel Mangold möglichst unauffällig verstecken ließe, in Currys zum Beispiel, oder in käselastigen Aufläufen. Zu meinem Verdruss hielt sich die Rezeptauswahl in engen Grenzen, offenbar schätzen die meisten Menschen das Stiel- und Blattgemüse nahezu unverfälscht. (Wie sonst kann man auf die Idee kommen, jemandem gegrillten Mangold zu servieren?!)

Lecker – nicht nur als Pak-Choi-Ersatz

Doch dann die Überraschung: Ungeplanterweise hielt der Mangold jüngst als Pak-Choi-Ersatz für eines meiner aktuellen Lieblingsrezepte her – Pak-Choi mit Udon-Nudeln und Gado-Gado-Sprinkle. Und siehe da: Es war nicht nur erträglich, nein, ich fand meinen alten Fressfeind mit einem Mal sogar richtiggehend sympathisch.

Ein echter Pluspunkt der zunehmenden Lebensjahre: Während die allgemeine Offenheit ab dem Kindergarten ja eher abzunehmen scheint, erweitert sich zumindest die Geschmackspalette. (Weiß nicht, ob ihr das auch so empfindet, aber in unserem Umfeld bestätigen das Viele.)

Versorgung gesichert

Damit kann ich nun auch den zweiten großen Vorteil des Mangolds als solchen genießen: Mangold ist nicht nur echt hübsch, er lässt sich auch wochenlang beernten. Einfach immer nur die äußeren Stiele entnehmen und das Herz verschonen, dann wächst der Augen- und Gaumenschmaus munter weiter. Obendrein verträgt das robuste Gemüse kurzzeitig sogar zweistellige Minusgrade.

Gut für mich, denn so kann ich nun munter weitertesten, wie weit meine frisch erworbene Mangold-Akzeptanz reicht.

Falls ihr euch ebenfalls schon am Mangoldanbau versucht habt und noch Rezepte für Einsteiger wie mich kennt, würde ich mich freuen, wenn ihr sie mir verratet – auf dass ich die zarten Bande festigen kann ;-).

Zurück zum was-wir-essen-Blog

Den RSS-Feed zum was-wir-essen-Blog abonnieren

als hilfreich bewerten 0 Versenden VG Wort