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Marktschwärmer

Dass Online-Shopping und regionale Lebensmittel kein Widerspruch sein müssen, zeigt die Initiative Marktschwärmer.

Menschen an einem Marktstand
Marktschwärmer Deutschland

Der Wunsch nach Lebensmitteln aus nachhaltiger, regionaler Erzeugung wird immer größer – auch bei solchen Menschen, die ihre Einkäufe gerne über PC, Handy oder Tablet tätigen. Eine Initiative aus Frankreich hat die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe vor einigen Jahren erkannt und ein passendes Konzept entwickelt.

Die Initiative heißt Marktschwärmer und das Konzept ist einfach: Verbraucher bestellen via Internet Lebensmittel von Erzeugern aus der Region und holen diese wenige Tage später auf einem „echten“ Markt in ihrer Nähe persönlich ab. Der „Markt“ ist dabei allerdings keiner im herkömmlichen Sinne. Denn die Erzeuger, die dort erscheinen, bringen nur das mit, was vorher auch online bei Ihnen bestellt wurde. Und auch die Käufer agieren anders als üblich: Sie bringen weder Einkaufszettel noch Bargeld oder Kreditkarte mit. Denn die Ware wurde ja schon zuvor online ausgewählt und bezahlt.

Was steckt dahinter?

Die Idee wurde 2010 von einem Social-Start-up-Unternehmen unter dem Namen „La Ruche qui dit Oui!“ ('Der Bienenkorb, der Ja sagt') in Frankreich geboren und verbreitete sich dann über verschiedene Länder Europas. Nach Deutschland kam die Initiative im Jahr 2014, damals noch unter dem Namen „Food Assembly“, bekam 2017 dann aber den deutschen Namen „Marktschwärmer“.
In Frankreich haben sich seit 2010 mehr als 700 Marktschwärmereien gegründet, manche davon haben mittlerweile mehr als 2.000 Mitglieder, das heißt, Verbraucher, die dort regelmäßig bestellen. In Deutschland gibt es derzeit 45 aktive Schwärmereien in 10 Bundesländern. Zahlreiche weitere Schwärmereien sind im Aufbau.

Was macht Marktschwärmer so beliebt?

Dass das Konzept so gut ankommt, liegt daran, dass es dem Einkaufsverhalten einer immer größer werdenden Verbrauchergruppe gerecht wird: Es gibt immer mehr Menschen die wenig Zeit für den Lebensmitteleinkauf haben oder sich nicht die Zeit dafür nehmen wollen. Bestellen, wann und wo man will – das ist der Wunsch vieler Verbraucher. Und genau diesem Wunsch wird die Initiative gerecht. Bei Marktschwärmer muss der Besteller keinerlei Verpflichtungen eingehen. Es gibt keine Mitgliedsgebühren, kein verpflichtendes Abonnement und keine Mindestbestellmengen. Und durch die Abwicklung der Bestellung über die Online-Plattform bleibt allen Parteien auf dem „Markt“ mehr Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen und Fragen stellen.

Was macht Marktschwärmer so nachhaltig?

Marktschwärmer setzt auf regionale Lebensmittelerzeugung. Das heißt die Waren werden dort hergestellt, wo sie verbraucht werden. Das betrifft auch Waren, die für die Verarbeitung benötigt werden. So darf zum Beispiel ein ortsansässiger Bäcker keine Brote anbieten, wenn das Mehl dafür aus einer ganz anderen Region oder gar einem anderen Land dorthin transportiert werden musste. Das Prinzip „Regionalität“ vermeidet lange Transportwege und kommt damit der Umwelt und dem Klima zugute. Außerdem erhalten bäuerliche Betriebe und das Lebensmittelhandwerk in der Region einen fairen Zugang zum Markt. Dadurch wird die lokale Wertschöpfung gefördert und es entstehen alternative Netzwerke jenseits globalisierter Märkte. Ein hohes Maß an Transparenz und faire Preise sind weitere Kriterien, die Marktschwärmer auszeichnen. Die ökologische Erzeugung der Lebensmittel ist hingegen keine Bedingung bei Marktschwärmer.

Wer bekommt was vom Kuchen?

Für die Bereitstellung der Onlineplattform sowie andere Serviceleistungen erhält die Firma hinter Marktschwärmer 10 Prozent des Nettoumsatzes der verkauften Waren. Weitere 8,35 Prozent gehen an die sogenannten „Gastgeber“ der Schwärmereien. Sie organisieren regelmäßig den Online-Verkauf und stellen passende Räumlichkeiten für die Übergabe der bestellten Ware zur Verfügung. Das heißt 81,65 Prozent der Einnahmen bleiben letztlich beim Erzeuger. Dies ist in den meisten Fällen mehr, als wenn die Erzeuger über den Einzelhandel vermarkten.

Es gibt jedoch auch Nachteile, und zwar für die Landwirte: Durch das flexible Bestellsystem haben sie keine Planungssicherheit und sie stehen nach wie vor in Konkurrenz mit anderen Anbietern. So lassen sich – anders als beim System der Solidarischen Landwirtschaft oder der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft – zusätzliche Kosten für Natur- oder KIimaschutz nicht unbedingt im Produktpreis abbilden. Durch den direkten Kontakt mit den Verbrauchern besteht aber die Möglichkeit, einen solchen Mehrwert von Produkten auch zu kommunizieren.

Weitere Informationen zu Marktschwärmern

Wie findet man eine „Schwärmerei“ in der Nähe?

Auf der Internetseite www.marktschwärmer.de gibt es eine interaktive Karte, auf der alle „Schwärmereien“ Deutschlands zu finden sind.

Was ist der Unterschied zwischen Marktschwärmer und Foodcoops?

Marktschwärmer fördert in erster Linie die Vermarktung von Lebensmitteln, die direkt vom Erzeuger und außerdem direkt aus der Region kommen. Das ist bei manchen Foodcoops zwar auch der Fall, aber nicht zwangsläufig Bedingung. Der Schwerpunkt einer Foodcoop liegt in der Regel doch eher auf dem gemeinschaftlichen Einkauf von Lebensmitteln mit dem Ziel, einen günstigeren Preis aushandeln zu können. Will man über eine Foodcoop einkaufen, muss man außerdem dort Mitglied werden und in der Regel Freiwilligendienste, z. B. bei der Bestellung, Verteilung oder Sortierung der Ware erbringen. Der Einkauf über Marktschwärmer hingegen führt zu keinerlei Verpflichtungen.

Warum heißt es Marktschwärmer und nicht mehr Food Assembly?

Food Assembly war der Name, unter dem die Idee nach Deutschland kam. Laut Angaben der Gründerfirma hat sich der Name vielen Menschen jedoch nicht auf Anhieb erschlossen, da er Internationalität ausstrahlt und damit nicht gut zum Konzept der Regionalität passt. Daher der neue, deutsche Name „Marktschwärmer“, der übrigens auch in der Schweiz gilt. Auch andere Länder haben ihre eigenen Namen. So heißt es in den Niederlanden zum Beispiel „Boeren & Buren“, oder in Dänemark „Madsamling“. Nur in Großbritannien, und das macht Sinn, ist die Bezeichnung „Food Assembly“ geblieben.

 

Autor: Jörg Planer, Meckenheim

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