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Mispel

Die Echte Mispel Mespilus germanica ist ein sehr altes Obstgehölz, das sich ideal für den Garten eignet. Die Früchte sind sehr gesund und lassen sich zu allerlei Leckereien verarbeiten.

Mispelfrüchte und Blätter am Baum
Christian Jung / Fotolia.com

Geschichte und Besonderheiten

Auch wenn der Artname 'germanica' auf eine mitteleuropäische Herkunft hindeutet - die Mispel stammt ursprünglich aus Westasien. Im Mittelalter war sie hierzulande ein sehr geschätztes Obst, nicht zuletzt aufgrund des schon damals bekannten hohen Gesundheitswertes. Karl der Große soll im 8. Jahrhundert bereits Empfehlungen für den Mispelanbau gegeben haben. Bis vor 100 Jahren fand man die Mispel  noch in vielen Bauerngärten, danach geriet sie dann jedoch in Vergessenheit. Nicht selten wird sie auch mit der Mistel verwechselt, die als sogenannter "Halbschmarotzer" an Bäumen wächst.

Als Ziergehölz ist die Mispel heute wieder in einigen Gärten zu finden. Wie der Apfel oder die Birne gehört sie zur Pflanzenfamilie der Rosengewächse. Sie tritt entweder als Strauch oder als kleiner Baum in Erscheinung und erreicht eine Höhe von 2-6 m. Während bei der Wildform die Kurztriebe teilweise bedornt sind, fehlen die Dornen bei den Kultursorten weitgehend. In der meist 5-8 Tage andauernden Blütezeit zwischen Mai und Juni bildet das Gehölz am Ende von Haupt- und Seitentrieben weiße Einzelblüten, aus denen apfelähnliche Früchte entstehen. Die auch als "Steinäpfel" bezeichneten, kurzgestielten Früchte werden 2-3 cm groß. Bei Kultursorten können die Früchte sogar bis zu 6 cm groß werden.

Standortbedingungen

An Standort und Boden stellt die Mispel zwar keine allzu großen Ansprüche, am besten gedeiht sie jedoch auf nährstoffreichen, nicht zu feuchten Böden an einem sonnigen und warmen Standort.

Fruchtfolge und Mischkultur

Der Standort ist so zu wählen, dass genug Fläche für die ausgewählte Sorte zur Verfügung steht. Strauchartig wachsende Sorten benötigen mehr Platz als beispielsweise kleine, kernlose Sorten. Als Kernobst sollte die Mispel nicht auf einer Fläche angepflanzt werden, auf der bereits Kernobst wie Apfel, Birne oder Quitte stand.

 

Aussaat / Pflanzung

Aussaat

Wilde Mispeln eignen sich gut für eine Aussaat. Da die Samen jedoch einen Kältereiz benötigen und die Keimdauer insgesamt sehr lang ist (bis zu 2 Jahre), ist die Pflanzung vorzuziehen.

Pflanzung

Ideale Pflanzzeit für die wärmeliebende Mispel ist das Frühjahr, wenn Nachtfröste weitgehend ausgeschlossen werden können (z. B. ab März/April). Der Fachhandel bietet Topf- oder Containerware (bewurzelte Pflanzen in Erde) und wurzelnackte Ware (Pflanzen ohne Erde) an. Grundsätzlich kann auch im Herbst gepflanzt werden, vorausgesetzt, der Boden ist nicht gefroren. Die Startbedingungen für die Pflanzen sind jedoch bei einer Pflanzung im Frühjahr besser.

Abstand

Die Mispel sollte mit einem Abstand von rund 4 m gepflanzt werden. Je nach Wuchsform und Sorte sind andere Abstände zu empfehlen, daher sollte man beim Kauf nachfragen. 

Da die Mispel selbstbefruchtend ist, wird keine weitere Pflanze als Pollenspender benötigt. Eine weitere Mispel in der Nachbarschaft verbessert jedoch die Bestäubung der Blüten und damit den Fruchtansatz.

 

Düngung

Um die Mispel ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, empfiehlt es sich, bei der Pflanzung Langzeitdünger wie Hornspäne zuzugeben. Bei älteren Pflanzen kann man auf der Baumscheibe 2-3 l reifen Kompost verteilen. Vor der Düngung sollte der Nährstoffgehalt des Bodens mithilfe einer Bodenprobe ermittelt werden.

Pflege

Ausgepflanzte Mispeln sind in unserem Klima winterhart. Nur bei der Kultur in Kübeln müssen die Pflanzen geschützt werden. Schnittmaßnahmen sind nicht erforderlich. Das gelegentliche Auslichten der Krone bei älteren Bäumen regt die Pflanze zum Neuaustrieb an. Bezüglich der Bewässerung ist die Mispel grundsätzlich eher anspruchslos. Nach der Blüte ist es jedoch wichtig, dass der Boden nicht zu stark austrocknet. Ansonsten besteht die Gefahr, dass unreife Früchte abgeworfen werden.

Schädlinge und Krankheiten

Gegen Krankheiten und Schädlinge ist die Mispel weitgehend unempfindlich. Möglich ist ein Befall mit Schorf, verschiedenen Blattfleckenkrankheiten, Monilia-Spitzendürre oder -Fruchtfäule. Auch der Kleine Frostspanner und Blattläuse können vorkommen.

Achtung: Als Kernobstgewächs gehört die Mispel zu den Hauptwirtspflanzen des Feuerbrand-Erregers Erwinia amylovora. Die Bakterienkrankheit zeigt sich durch plötzliches Welken und Verfärben von Blättern und Blüten, die Triebspitzen sind hakenförmig nach unten gekrümmt. Die Krankheit ist meldepflichtig!

Ernte und Lagerung

Die Früchte können ab Oktober geerntet werden. Wie bei der Schlehe, mit der die Mispel eng verwandt ist, verbleiben die Früchte nach dem Laubfall jedoch noch am Gehölz, sodass auch eine spätere Ernte möglich ist. Erst nach Frosteinwirkung oder mindestens vierwöchiger Lagerung können die dann teigig gewordenen Früchte roh verzehrt werden. Der Geschmack ist herb, frisch und angenehm säuerlich. In diesem Zustand lassen sie sich auch zu Marmelade, Konfitüre, Gelee, Säften, Kompott, Likör und Wein verarbeiten.

Autor: Jörg Planer, Meckenheim |

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