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Novel Food - Was ist das?

Novel Food sind Lebensmittel, die aufgrund ihrer exotischen Herkunft, ihrer speziellen Zusammensetzung oder der Anwendung innovativer Herstellungsverfahren neu auf dem europäischen Markt sind.

Arganöl und Argansamen
otahei / Fotolia.com

Novel Food oder "neuartige Lebensmittel" sind Nahrungsmittel und Zutaten, die bisher in der Europäischen Union (EU) nicht auf den Tisch kamen. Genauer: alle Lebensmittel, die in der EU vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang im Handel waren oder verzehrt wurden und einer in der Novel-Food-Verordnung genannten Lebensmittelkategorie zugeordnet werden können. Im Zweifelsfall entscheidet die EU-Kommission nach Befragung aller EU-Mitgliedstaaten, ob ein Produkt wirklich neuartig ist.

Neue Novel Food-Verordnung

Seit Januar 2018 regelt eine neue Novel Food-Verordnung (EU) 2015/2283 das Inverkehrbringen neuartiger Lebensmittel. Sie löst die Verordnung (EG) Nr. 258/97 ab. Welche neuen Regelungen enthält die Verordnung? 

  • Der Begriff Novel Food wurde um zusätzliche Lebensmittelkategorien erweitert und somit konkretisiert. Als neuartige Lebensmittel gelten nun u. a. auch Insekten, Erzeugnisse mineralischen Ursprungs und technisch hergestellte Nanomaterialien.
  • Das Bewertungs- und Zulassungsverfahren für Novel Food wurde neu geregelt: Zuständig für die wissenschaftliche Bewertung ist nun die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Eine Zulassung erfolgt durch die EU-Kommission.
  • Traditionelle Lebensmittel aus Drittländern können über ein vereinfachtes Verfahren für den EU-Markt zugelassen werden.
  • Synchronisierung der Datenschutzfristen bei Zulassung eines Novel Food und einer gesundheitsbezogenen Angabe.
  • Lebensmittel von geklonten Tieren sind Teil der Verordnung, bis eigene Regelungen für diese Lebensmittelkategorie in Kraft treten.

Neuartig ja, Gentechnik nein

Als Novel Food gelten Lebensmittel, die aufgrund ihrer exotischen Herkunft, ihrer besonderen Zusammensetzung oder aufgrund der Anwendung innovativer technischer Herstellungsverfahren neuartig auf dem europäischen Markt sind. Dazu gehören beispielsweise Molkereierzeugnisse mit isolierten Pflanzensterinen oder Fruchtzubereitungen, die durch ein spezielles Hochdruckverfahren konserviert werden, aber auch essbare Insekten oder spezielle Algenarten, deren Verzehr innerhalb der EU bislang nicht im nennenswerten Umfang üblich war. Auch Lebensmittel, die unter Einsatz der Nanotechnologie hergestellt wurden sowie Klonfleisch gelten als neuartig und müssen nach der Novel Food-Verordnung (NFVO) genehmigt werden. Zusatz- und Aromastoffe fallen nicht unter die NFVO.

Ursprünglich fielen auch Lebensmittel aus genetisch veränderten Organismen, so genanntes Genfood, unter die NFVO. Seit April 2004 aber gibt es für genetisch veränderte Organismen eigene EU-weit einheitliche Vorschriften.

Beispiele für neuartige Lebensmittel

Noni-Früchte und Saft
Noni-Produkte
Noni-Früchte gehören nicht zu den Lebensmitteln, die üblicherweise in Europa verzehrt werden. Daher mussten sie eine Sicherheitsbewertung und das Zulassungsverfahren nach der Novel Food Verordnung durchlaufen.
Mehr über Noni-Produkte
Algenölkapseln
Algenöl
Seit 2003 ist in Europa ein Omega-3-Fettsäure-reiches Öl aus der Mikroalge Schizochytrium als Novel Food zugelassen. Ein weiteres Algenöl erhielt 2009 seine Zulassung als Novel Food.
Mehr über Algenöl

 

Steviakraut und Tabletten
Steviakraut und Stevia-Extrakte
Seit Dezember 2011 sind aus Steviakraut extrahierte Steviolglycoside als Süßungsmittel für diverse Lebensmittel erlaubt. Das reine Kraut der Pflanze darf jedoch bislang nicht als Lebensmittel vertrieben werden. Eine Ausnahme gilt für Teemischungen: Sie dürfen Steviablätter als Zutat enthalten.
Mehr über Steviakraut und Stevia-Extrakte
Klonfleisch
Klonfleisch
In den USA sind Fleisch und Milch geklonter Tiere seit 2008 zugelassen. Hierzulande ist die Technik umstritten. Produkte, die unmittelbar von Klontieren stammen, dürfen nicht in den Handel kommen.
Mehr über Klonfleisch
Weinglas neben Pillendose und Weinblättern
Trans-Resveratrol
Der sekundäre Pflanzenstoff Trans-Resveratrol, der auch in Weintrauben vorkommt, wurde 2016 als neuartige Lebensmittelzutat zugelassen. Er hat antioxidative Eigenschaften und als Nahrungsergänzungsmittel in Kapsel- und Tablettenform vermarktet.
Mehr über Trans-Resveratrol (PDF, 149 KB)
Milch fließt aus Flasche in Glas
UV-behandelte Milch
Kuhmilch mit verschiedenen Fettgehalten wird nach der Pasteurisierung mit UV-Licht behandelt. Dies bewirkt einen Anstieg der Vitamin-D3-Konzentration durch Umwandlung des in der Milch vorhandenen 7-Dehydrocholesterols in Vitamin D3.
Mehr über UV-behandelte Milch (PDF, 149 KB)
Frühstückscerealien in Porzellanschale
Öl aus Buglossoides arvensis
Das Öl aus Samen von Buglossoides arvensis I. M. Johnst. (Acker-Steinsame) enthält hohe Gehalte an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie alpha-Linolensäure, Stearidonsäure und Linolsäure. Es wird in Milchprodukten, Cerealien, Käse, Nahrungsergänzungsmitteln und diätetischen Lebensmitteln verwendet.
Mehr über Öl aus Buglossoides arvensis (PDF, 156 KB)
Hefebrote auf einem Laufband in einer Großbäckerei
UV-behandeltes Hefebrot
Hefebrot wird nach dem Backen mit UV-Licht bestrahlt, um Ergosterol in Vitamin D2 zu überführen. Das Ergosterol (natürlicher Vorläufer von Vitamin D2) im Brot stammt aus der Zellmembran der eingesetzten Hefe.
Mehr über UV-behandeltes Hefebrot (PDF, 140 KB)

 

Weitere Informationen zu Novel Food

Welche Novel Food-Produkte gibt es?

Den Löwenanteil der zugelassenen Novel Food-Produkte machen Lebensmittel mit Cholesterin senkenden Phytosterinzusätzen aus, darunter mittlerweile nicht nur Streichfette, sondern auch Molkereierzeugnisse, Reisdrinks sowie Roggenbrot. Andere neuartige Lebensmittel sollen altbewährte Lebensmittelzutaten ersetzen, zum Beispiel der nicht kariogene Zuckerersatz Isomaltulose oder der kalorienfreie Fettersatz Salatrim. Manchmal geht es aber auch um die Neuheit an sich: Noni-Saft, Arganöl oder getrocknetes Baobab-Fruchtfleisch versprechen exotische Geschmackserlebnisse. In Naturvölkern genießen sie außerdem den Ruf als Gesundheitslebensmittel oder gar Heilmittel - Geschichten, von denen sich Vertreiber in Europa Verkaufsvorteile erhoffen. Dabei werden die Grenzen gesetzlich zulässiger Werbung häufig übertreten.

In Art. 3 Abs. 2 der Novel Food-Verordnung (EU) Nr. 2015/2283 werden ingesamt zehn Lebensmittelkategorien aufgelistet, deren Vertreter als Novel Food gelten. Die neue Vorschrift stellt unter anderem klar, dass auch essbare Insekten hierzulande in der Regel als Novel Food eingestuft werden und damit einer Zulassung bedürfen, bevor sie als Ganzes oder als Lebensmittelzutat in der EU auf dem Markt gebracht werden.

Die Frage, ob ein Lebensmittel als neuartig und somit als Novel Food gilt, ist manchmal gar nicht so leicht zu beantworten. Eine Orientierungshilfe bietet der Novel Food-Katalog der EU-Kommission. Das ist eine Sammlung von Abstimmungen der EU-Mitgliedstaaten darüber, ob ein Produkt als neuartig gilt oder nicht. Der Novel Food-Katalog ist rechtlich jedoch nicht verbindlich.

Woran erkenne ich Novel Food-Produkte?

Für Novel Food gibt es keine einheitlichen Kennzeichnungsregeln, denn die Verordnung gilt für sehr unterschiedliche Lebensmittel und Zutaten. Wird ein Novel Food genehmigt, dann bestimmt die EU-Kommission, wie das Produkt bezeichnet werden muss. Entsprechend muss das Produkt dann auch in der Zutatenliste genannt werden, wenn es als Zutat verarbeitet wurde.

Novel Food muss keinen ausdrücklichen Hinweis auf seine Neuartigkeit tragen. Das ist bei Lebensmitteln, die mit Hilfe gentechnischer Verfahren hergestellt wurden, anders. Bei ihnen ist der Hinweis auf die Gentechnik Pflicht.

Enthält ein neuartiges Lebensmittel Allergene oder Stoffe, gegen die ethische Vorbehalte bestehen oder erscheinen spezielle Verwendungshinweise aus gesundheitlichen Gründen notwendig, so regelt die EU-Kommission zusammen mit der Genehmigung, inwieweit das Produkt besonders gekennzeichnet werden muss. So gibt es zum Beispiel spezielle Kennzeichnungspflichten für Produkte, die mit Phytosterinen angereichert sind. Danach müssen bestimmte Warnhinweise und Verzehrsempfehlungen auf dem Etikett entsprechender Lebensmittel stehen. Ansonsten gelten für Novel Food dieselben Kennzeichnungsvorschriften wie für klassische Lebensmittel.

Das Prüf- und Genehmigungsverfahren für Novel Food?

Wegen seiner Neuartigkeit fehlen für Novel Food Erfahrungswerte, nach denen sein Verzehr frei von Risiken und negativen Auswirkungen für die menschliche Gesundheit ist. Deshalb muss Novel Food, anders als Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs, vor seinem ersten Inverkehrbringen auf den EU-Markt auf seine Sicherheit geprüft und zugelassen werden.

Die Sicherheit muss der verantwortliche Lebensmittelunternehmer, in der Regel der Hersteller oder Vertreiber, anhand von wissenschaftlichen Studien und sonstigen Nachweisen belegen können. Er muss bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Antrag auf Prüfung seiner Bewertung einreichen. Die EFSA prüft dann die Einschätzung des Antragstellers und veröffentlicht dazu eine Stellungnahme. Auf Grundlage dieser Stellungnahme entscheidet die EU-Kommission rechtlich verbindlich, ob das betreffende Novel Food auf dem EU-Markt vertrieben werden darf. Sofern notwendet legt sie bestimmte Rahmenbedingungen für das Inverkehrbringen fest, etwa besondere Kennzeichnungsvorgaben oder Verarbeitungsbedingungen. Ihre Zulassung veröffentlicht die EU-Kommission in Form einer sogenannten „Unionsliste“, die fortlaufend aktualisiert wird. Die Zulassung gilt nicht allein für den Antragsteller, sondern allgemein.

Für Lebensmittel, die in Drittländern traditionell verzehrt werden, gilt ein vereinfachtes Verfahren für das Inverkehrbringen in der EU. Hier muss der Antragsteller verlässlich belegen können, dass das betreffende Produkt in seinem Ursprungsland eine mindestens 25-jährige sichere Verwendung als Lebensmittel hat. Das Lebensmittel muss Teil der üblichen Ernährung einer bedeutenden Anzahl von Personen sein. Seine Belege übermittelt der Antragsteller direkt der EU-Kommission, die auf dieser Basis über die Aufnahme des Produktes in die Unionsliste entscheidet.

Handelt es sich bei Functional Food um Novel Food?

Der Begriff Functional Food  steht für Lebensmittel mit gesundheitsförderndem Zusatznutzen. Dabei muss es sich nicht um Novel Food handeln. Insbesondere der Vertrieb traditioneller Lebensmittel aus Drittstaaten, die als Novel Food gelten, etwa Baobab oder Noni, wird gerne von Geschichten begleitet, nach denen eine gesundheitliche Wirkung des Verzehrs bestehen soll. Meist aber sind diese Behauptungen wissenschaftlich nicht haltbar und somit irreführend. Wohl aber kann es sich bei Novel Food um Functional Food handeln, das tatsächlich konkrete und belegte gesundheitliche Wirkungen hat - die phytosterin-angereichteren Lebensmittel sind ein Beispiel. Aber auch klassische Fruchtsäfte können wegen ihres Vitamin C-Gehaltes gesundheitliche Effekte haben, sie fallen hingegen nicht unter die Novel Food-Verordnung.

Unabhängig davon, um was für eine Art von Lebensmittel es sich handelt, müssen Produkte, die mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden, die Anforderungen der Health Claims-Verordnung erfüllen. Ihr gesundheitlicher Mehrwert muss anhand wissenschaftlicher Daten belegt und von der EU-Kommission ausdrücklich zugelassen sein.

 

Autorinnen: Dr. Margit Ritzka, Meerbusch; Dr. Christina Rempe, Berlin |

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Produktkennzeichung mit dem folgenden Text "Flakes aus Weizen und Reis"
Dr. Christina Rempe, Berlin
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