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Planetary Health Diet

Wissenschaftler haben einen Speiseplan vorgestellt, der die Gesundheit des Menschen und des Planeten gleichermaßen schützt.

Weltkugel auf einem Teller
alexlmx / stock.adobe.com
  • Die EAT-Lancet-Kommission hat einen Speiseplan erstellt, der die Gesundheit des Menschen und der Erde gleichermaßen schützen soll.
  • Der Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen müsste ungefähr verdoppelt werden, der Verzehr von Fleisch und Zucker dagegen halbiert.
  • Neben der veränderten Ernährungsweise müsste die Lebensmittelproduktion verbessert und Lebensmittelabfälle reduziert werden.
  • Der Report zeigt, dass es machbar ist, bis zum Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen auf der Erde gesund zu ernähren, ohne den Planeten zu zerstören.

Um alle Menschen dieser Erde bis zum Jahr 2050 nachhaltig und gesund zu ernähren, ist eine grundlegende Veränderung unserer Ernährungsweise nötig. Das zeigt ein im Januar 2019 veröffentlichter Report der EAT-Lancet-Kommission. Der Kommission gehören 37 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen und 16 Ländern an, darunter Klimaforscher und Ernährungswissenschaftler. Das Ziel der Forscher war es, eine wissenschaftliche Grundlage für einen Wandel des globalen Ernährungssystems zu schaffen. Herausgekommen ist die „Planetary Health Diet“, ein Speiseplan, der die Gesundheit des Menschen und des Planeten gleichermaßen schützen könnte.

Der Speiseplan für die Zukunft

Die „Planetary Health Diet“ liefert einen allgemeingültigen Referenzrahmen für eine gesunde und umweltgerechte Ernährungsweise. Bezogen auf eine tägliche Energieaufnahme von 2.500 Kilokalorien sieht der Speiseplan der Zukunft folgendermaßen aus:

 

Lebensmittelgruppe Empfohlene Menge pro Tag in Gramm (in Klammern: mögliche Spannbreiten) Kalorienaufnahme pro Tag (in kcal)
Kohlenhydrate    
Vollkorngetreide 232 811
Stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok) 50 (0-100) 39
Gemüse 300 (200-600) 78
Obst 200 (100-300) 126
Proteinquellen    
Rind-, Lamm- oder Schweinefleisch 14 (0-28) 30
Geflügel 29 (0-58) 62
Eier 13 (0-25) 19
Fisch 28 (0-100) 40
Hülsenfrüchte 75 (0-100) 284
Nüsse 50 (0-75) 291
Milchprodukte (Vollmilch oder aus dieser Menge hergestellte Produkte) 250 (0-500) 153
Fette    
Ungesättigte Fette (Oliven-, Raps-, Sonnenblumen-, Soja-, Erdnuss-, Traubenkernöl 40 (20-80) 354
Gesättigte Fette (Palmöl, Schmalz, Talg) 11,8 (0-11,8) 96
Zugesetzter Zucker    
Alle Süßungsmittel 31 (0-31) 120
Quelle: EAT-Lancet-Kommission

 

 

 

Zustande gekommen ist dieser Plan durch umfassende Literaturrecherchen, anerkannte Ernährungsempfehlungen und Ergebnisse der Gesundheitsforschung. Die daraus abgeleitete Ernährungsweise besteht größtenteils aus Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und ungesättigten Fetten. Ergänzt wird der Speiseplan durch moderate Mengen an Fisch und Meeresfrüchten sowie Geflügel, während beispielsweise stärkereiche Gemüsearten wie Kartoffeln und Maniok, Milchprodukte, rotes Fleisch, Zucker und gesättigte Fette keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen sollen. In der obenstehenden Tabelle sind für viele Lebensmittel umwelt- und gesundheitsverträgliche Spannen (in Klammern) angegeben, um die „Planetary Health Diet“ flexibel und für jeden Menschen umsetzbar zu halten, für alle Ernährungsstile, kulturellen Traditionen und individuellen Vorlieben. Trotzdem ist das Ganze ein Modell, das nicht kurzfristig in die Praxis umgesetzt werden kann.

Kritiker sehen folgende Knackpunkte bei der Umsetzung:

  1. Der Speiseplan legt eine tägliche Kalorienzufuhr von 2.500 Kalorien zugrunde. Für Schwerstarbeiter wäre dies bei Weitem zu wenig Energie, für Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit zu viel. Den Menschen in vielen Ländern dieser Erde stehen außerdem bedeutend weniger Kalorien pro Tag zur Verfügung. Daher können die Empfehlungen der „Planetary Health Diet“ nur als Orientierung dienen.
  2. Die weltweite Halbierung des Verzehrs von rotem Fleisch würde zum Beispiel für Nordamerika bedeuten, dass nur noch etwa ein Siebtel der heute üblichen Menge verzehrt werden dürfe. Und in afrikanischen Ländern wird heute ein Siebenfaches der empfohlenen Menge an stärkereichen Pflanzen konsumiert. Hier stellt sich die Frage, ob Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten so radikal verändern können, dass sie den Vorgaben der „Planetary Health Diet“ entsprechen.

Ohne den festen Willen von Politik und Wirtschaft und zwar auf allen Ebenen, sagt Richard Horton, Chefredakteur von „The Lancet”, wird es wohl nicht gehen.

Sieht man genau hin, passt der Speiseplan perfekt für sogenannte „Flexitarier“, die nur ab und zu Fleisch essen. Wer sich zum Beispiel alle zwei Wochen ein kleines Steak gönnt, liegt noch im Rahmen der Empfehlungen. Die Forscher der EAT-Lancet-Kommission schätzen, dass die „Planetary Health Diet“ ungefähr 11 Millionen vorzeitige Todesfälle durch ernährungs(mit)bedingte Erkrankungen verhindern könnte.

Das kommt auf den Teller

Unsere Bilderstrecke zeigt, wie die Ernährung mit der „Planetary Health Diet“ im Laufe einer Woche aussehen könnte.

Teller mit bunter Rohkost
Ein wichtiger Bestandteil jeder Mahlzeit wäre Gemüse. Insgesamt 300 Gramm pro Tag sollen es sein. Die EAT-Lancet-Kommission empfiehlt, dass davon je 100 Gramm als rotes und grünes Gemüse gegessen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spaghetti Bolognese mit Linsen statt Fleisch
Die 232 Gramm Vollkornprodukte pro Tag könnten zu einem Teil als Vollkornnudeln auf den Tisch kommen. Statt Hackfleisch liefern in dieser Bolognese-Sauce Linsen wertvolles Eiweiß. 75 Gramm Hülsenfrüchte sollten es täglich sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frühstücksei
Wer am liebsten jeden Tag ein Frühstücksei isst, wird sich sehr einschränken müssen: Ein Ei pro Woche soll gemäß „Planetary Health Diet“ ausreichen. Mit der angegebenen Spannbreite (bis zu 25 Gramm Ei pro Tag) können es auch zwei Eier pro Woche sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lachs auf Gemüse
Ein Fischfilet von knapp 200 Gramm steht durchschnittlich jedem Erdbewohner pro Woche zu. Mit den gesundheits- und umweltgerechten Schwankungen kann es auch mehr sein, wenn dafür bei anderen tierischen Eiweißlieferanten gespart wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hähnchenbrust mit Gemüse und Reis
Ein Hähnchenbrustfilet ist zum Beispiel die Menge an Geflügelfleisch, die jeder Mensch durchschnittlich pro Woche im Rahmen der „Planetary Health Diet“ essen dürfte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Käsebrot
Auch das allseits beliebte Käsebrot ist möglich: Pro Tag sind 250 Milliliter Vollmilch oder aus dieser Menge hergestellte Milchprodukte vorgesehen, das entspricht z. B. einer kleinen Scheibe Käse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Salat mit Walnüssen und Apfel
Nüsse sollten in Zukunft eine größere Rolle in unserer täglichen Ernährung spielen. 50 Gramm pro Person passen z. B. gut in einen Salat. Und der Apfel dazu kann je nach Größe schon fast die täglich empfohlene Menge an Obst decken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steak
Hart für Fleischfans: Ein Rindersteak von 196 Gramm pro Woche ist bereits die Menge, die laut den Wissenschaftlern der EAT-Lancet-Kommission möglichst nicht überschritten werden sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachhaltige Lebensmittelerzeugung der Zukunft

Parallel zu den Empfehlungen der „Planetary Health Diet“ als Referenzrahmen für eine ausgewogene und umweltgerechte Ernährung formulierte die EAT-Lancet-Kommission in ihrem Bericht wissenschaftliche Ziele, um die empfohlenen Lebensmittelmengen innerhalb der planetaren Grenzen produzieren zu können.

Planetary boundaries

Als planetare Grenzen (planetary boundaries) werden die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde bezeichnet. Ein Überschreiten dieser Grenzen gefährdet die Stabilität des Ökosystems und die Lebensgrundlagen für Mensch und Tier.

Mehr zu den planetaren Grenzen erfahren Sie in unserem Artikel Nachhaltige Ernährung – Warum eigentlich?

Es gibt sechs Faktoren, von denen unsere Ernährungsversorgung abhängt: Wasser, Land, biologische Vielfalt, Klima, Stickstoff und Phosphor. Für jeden Faktor schlagen die Wissenschaftler Grenzen vor, innerhalb derer die globale Lebensmittelproduktion in Zukunft agieren sollte.

Grenzwerte und Kontrollvariablen für die sechs Faktoren

  Kontrollvariable Grenzwerte (Unsicherheitsbereich)
Klimawandel Treibhausgasemissionen (CH4 und N2O) 5 Gt Kohlendioxid-Äquivalent
pro Jahr (4,7 - 5,4)
Stickstoffkreislauf Stickstoffanwendung 90 Tg Stickstoff pro Jahr (65-90)* / (90-13)+
Phosphorkreislauf Phosphoranwendung 8 Tg Phosphor pro Jahr  (6-12)* /  (8-16)+
Süßwassernutzung Wasserverbrauch 2.500 km3 pro Jahr (1.000-4.000)
Verlust an Biodiversität Aussterberate zehn aussterbende Arten pro Million Arten-Jahre
Änderung der Landnutzung Anbauflächennutzung 13 Millionen km2 (11-15)
* Unterer Grenzbereich, wenn keine verbesserten Produktionspraktiken und Umverteilung eingeführt werden.
+ Oberer Grenzbereich, wenn verbesserte Produktionspraktiken und Umverteilung eingeführt werden.
Quelle: EAT-Lancet-Kommission

Die notwendigen Veränderungen fasst Professor Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Co-Leiter der EAT-Lancet-Kommission folgendermaßen zusammen:

"Unsere Definition von nachhaltiger Lebensmittelproduktion setzt voraus, dass wir die Landnutzung nicht ausweiten, dass wir die existierende biologische Vielfalt erhalten, den Wasserverbrauch reduzieren und verantwortungsvoll mit Wasser umgehen, die Schadstoffbelastungen durch Stickstoff und Phosphor erheblich einschränken, die CO2-Emissionen auf Null senken und keine weitere Zunahme der Emissionen von Methan und Stickoxiden verursachen. Es gibt zwar kein Wundermittel, um schädliche Produktionspraktiken zu bekämpfen, aber indem ein sicherer Bereich für Ernährungssysteme definiert wird, kann eine Ernährungsweise identifiziert werden, die die menschliche Gesundheit und die ökologische Nachhaltigkeit fördert."

Ein neues Ernährungssystem zu entwickeln und durchzusetzen, sei eine gewaltige Aufgabe, sagt Rockström. Notwendig sei eine globale Revolution der Landwirtschaft.

Fünf Strategien für die globale Ernährungswende

Anhand von Modellberechnungen kamen die Wissenschaftler der EAT-Lancet-Kommission zu dem Ergebnis, dass die „Planetary Health Diet“ und die definierten Ziele für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung nur innerhalb der planetaren Grenzen bleiben, wenn gleichzeitig die Lebensmittelabfälle halbiert werden. Insgesamt haben die Forscher fünf sofort umsetzbare Strategien entwickelt, wie eine nachhaltige Ernährungswende gelingen könnte.

1. Gesündere Ernährung fördern

Die Menschen sollen zu einer gesünderen Ernährungsweise ermutigt werden. Dazu gehören eine verbesserte Verfügbarkeit und ein verbesserter Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln, strengere Vorgaben für die Lebensmittelsicherheit und eine Politik, die den Einkauf aus nachhaltigen Quellen fördert. Neben Werbeeinschränkungen und Ernährungskampagnen ist auch die Erschwinglichkeit guter Lebensmittel entscheidend. Andererseits müssten sich die durch die Lebensmittelerzeugung verursachten Umweltkosten genauso in den Preisen widerspiegeln wie die Produktionskosten (siehe Linktipp). Daher müsste mit höheren Lebensmittelpreisen eine soziale Absicherung einhergehen, um sozial benachteiligte Menschen nicht zurückzulassen.

2. Qualität und Vielfalt statt Quantität in der Landwirtschaft

Der Fokus der Landwirtschaft sollte weg von hohen Erträgen hin zu einer Vielfalt an nährstoffreichen Nahrungsmitteln gelenkt werden. Statt wenige Kulturen zu fördern, von denen heute ein Großteil an Tiere verfüttert wird, sollte die globale Agrarpolitik Anreize für Erzeuger schaffen, um nahrhafte, pflanzenbasierte Lebensmittel zu produzieren. Außerdem schlägt die Kommission vor, Programme zur Unterstützung vielfältiger Produktionssysteme zu entwickeln und Forschungsvorhaben zu unterstützen, die die Qualität der Ernährung und die Nachhaltigkeit erhöhen.

3. Landwirtschaft nachhaltig intensivieren

Die Investition in die ökologische Landwirtschaft ist ein Schlüsselfaktor. Die Produktion müsste aber nicht nur nachhaltiger, sondern gleichzeitig produktiver werden. Zum Beispiel könnten Ernteerträge durch die Verwendung von trockenheitsresistenten Pflanzen und optimierter Bewässerung gesteigert werden. Die Bodenqualität könnte durch geeignete Anbaumethoden erhöht werden.

4. Strenge Vorgaben für die Nutzung von Land und Meer

Die Nutzung von Land und Meeren sollte streng reglementiert werden, um die natürlichen Ökosysteme zu erhalten und gleichzeitig die Lebensmittelversorgung zu sichern. Als Maßnahmen schlägt die EAT-Lancet-Kommission zum Beispiel vor, intakte natürliche Landflächen zu schützen, Rodungen zu verbieten und degradiertes Land wieder fruchtbar zu machen. Außerdem sollten 10 Prozent der Meeresfläche für die Fischerei gesperrt werden und Aquakulturen langsam wachsen.

5. Lebensmittelabfälle halbieren

Die Mehrheit der Lebensmittelverluste geschieht in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen während der Lebensmittelproduktion. Die Gründe: schlechte Ernteplanung, fehlender Zugang zum Markt und fehlende Infrastrukturen, um Lebensmittel zu lagern und zu verarbeiten. Eine erhöhte Investition in Technologien und in die Ausbildung von Landwirten wären hier notwendige Maßnahmen. Dagegen ist Lebensmittelverschwendung in Ländern mit hohem Einkommen ein Thema, wo sie in erster Linie durch den Handel und die Verbraucher verursacht wird. Empfohlen werden Maßnahmen der Verbraucherbildung, zum Beispiel um die Einkaufsgewohnheiten zu ändern oder den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum zu erklären. Auch das Know-how zur Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln sowie zu Portionsgrößen und zur Verwendung von Resten muss vermittelt werden.

Vorschläge als Handlungsrahmen für alle Länder

Nimmt man einzelne Forschungsergebnisse für sich, sind die Erkenntnisse der EAT-Lancet-Kommission nicht unbedingt neu. Das wirklich Neue ist aber, dass die Gesundheit des Menschen und der Umwelt einen gemeinsamen Maßstab bilden. Die von der Kommission entwickelten wissenschaftlichen Ziele für eine gesunde, nachhaltige Ernährung können eine wichtige Grundlage sein, um einen globalen Ernährungswandel voranzutreiben. Die daraus abgeleiteten Strategien bieten einen universellen Handlungsrahmen für alle Länder der Erde. Akteure auf allen Ebenen – Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Verbraucher, global, national und regional – müssen konkrete Maßnahmen umsetzen, die dazu beizutragen, dass im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen gesund ernährt werden können, ohne den Planeten zu zerstören.

Weitere Informationen

Was ist die EAT-Lancet-Kommission?

Die EAT-Lancet-Kommission ist eine Kooperation zwischen der Nichtregierungsorganisation EAT und „The Lancet“, einer der führenden medizinischen Fachzeitschriften.

EAT ist eine globale Nichtregierungsorganisation (NGO) mit Sitz in Norwegen, die von der Stordalen Stiftung, dem Stockholm Resilience Centre und dem Wellcome Trust gegründet wurde, um eine Ernährungswende zu beschleunigen. Ihre Vision ist, ein faires und nachhaltiges globales Ernährungssystem für gesunde Menschen und einen gesunden Planeten zu schaffen, das niemanden zurücklässt.

Der EAT-Lancet-Kommission gehören 37 Wissenschaftler*innen aus 16 Ländern und verschiedenen Disziplinen an, darunter Expert*innen für Gesundheit, Ernährung, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und Landwirtschaft. Das Ziel der Kommission war es, eine wissenschaftliche Grundlage für eine Transformation des globalen Ernährungssystems zu schaffen.

Was bedeutet „Planetary Health (Diet)“?

Das Konzept der ökologischen Gesundheitsförderung (Planetary Health) wurde im Jahr 2015 von der „Rockefeller Foundation-Lancet-Kommission für planetare Gesundheit“ aufgestellt. Diese veröffentlichte den „Planetary Health Report“, der Zusammenhänge zwischen Umwelt- und Gesundheitsschäden aufzeigt. Mehr zu Planetary Health erfahren Sie in unserem Artikel Nachhaltige Ernährung – warum?

Die EAT-Lancet-Kommission baute auf diesem Konzept auf und erschuf die neue Bezeichnung “Planetary Health Diet”. Damit unterstreicht sie die kritische Rolle, die die Ernährung sowohl im Hinblick auf die menschliche Gesundheit und als auch auf die ökologische Nachhaltigkeit spielt. Außerdem weist sie damit auf die Notwendigkeit hin, diese häufig getrennten Betrachtungsweisen auf eine gemeinsame globale Agenda zu setzen, um das Ernährungssystem grundlegend zu transformieren und die Nachhaltigkeitsziele der UN sowie das Pariser Klimaabkommen einzuhalten.

Warum brauchen wir eine radikale Ernährungswende?

Die globale Lebensmittelproduktion hat einen entscheidenden Einfluss auf die Zerstörung der Umwelt, den Klimawandel und die Überschreitung der planetaren Grenzen. Heute werden 40 Prozent der Landflächen für die Landwirtschaft genutzt, die Lebensmittelproduktion ist verantwortlich für bis zu 30 Prozent der Treibhausgasemissionen und 70 Prozent des Frischwasserverbrauchs. Eine radikale Wende des globalen Ernährungssystems ist also dringend notwendig. Ohne geeignete Maßnahmen können die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN) und das Pariser (Klima-)Abkommen nicht eingehalten werden.

Auf der anderen Seite leidet die Menschheit an den Folgen von Fehlernährung: Während weltweit über 820 Millionen Menschen hungern, sind über zwei Milliarden Menschen übergewichtig oder adipös. Ernährungs(mit)bedingte Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen.

Autorin: Melanie Kirk-Mechtel, Bonn

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